Für eine Weile fehlt der Kirche in Dalchau ihre historische Glocke. Wegen Schäden an der Krone wurde sie am Dienstag ausgebaut. In einer Werkstatt in Süddeutschland sollen entstandene Risse geschweißt werden. Ermöglicht wird die Aktion durch Spenden aus der Bevölkerung.

Dalchau l Eine oder mehrere Glocken im Kirchturm zu haben - das klingt so selbstverständlich wie das Amen in der Kirche. Doch es erfordert großen Aufwand, Kraft und Geduld, so eine Glocke durch den Glockenturm zu transportieren. "Irgendwie ist sie hochgekommen, also kriegen wir sie auch irgendwie wierder hinunter", waren sich am Dienstagnachmittag Henry Lösche und Andreas Kupsch von der Berliner Firma Schmidt Glockentechnik Turmuhren sicher. Ihre Aufgabe war es, die gut 450 Kilo schwere Dalchauer Bronzeglocke (Durchmesser: 96,5 Zentimeter) irgendwie aus dem Gotteshaus heraus zubekommen*.

Dazu waren Kettenzüge, Muskeln, Ideenreichtum und einmal auch ein Brecheisen für einen all zu sehr im Weg stehenden Balken nötig (Keine Sorge, es geht dem Balken gut).

Gestern begab sich die Glocke auf die Reise in das Glockenschweißwerk von Hans Lachenmayer in Nördlingen. Denn zwei Risse durchlaufen den oberen Teil der Glocke, Schäden an der so genannten Krone, das ist die Aufhängung, sowie am Joch müssen behoben werden. Auch der Schlagring - unten, wo die Glocke den größten Durchmesser hat - ist im Laufe der Jahre arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Glocke stammt immerhin aus dem Jahr 1705. Gegossen wurde sie in der Werkstatt von Johann Gottfried Wentzel aus Magdeburg. Am Hals trägt sie den Spruch "Soli Deo Gloria" (lateinisch etwa: "Gott allein zur Ehre"). Am Hals und am Schlagring umläuft ein hübsches Rankenornament die Glocke. Auf dem Glockenkörper wurde zudem ein Kruizifix angebracht, ebenso die Namen von Pastor, Patron und Kirchenvorstehern jener Zeit.

Dass die Dalchauer Glocke nun restauriert werden kann, ist nicht zuletzt der Dalchauerin Elisabeth Adolph zu verdanken. Sie setzte sich sehr für die Glockenreparatur ein. Durch großzügige Spenden in der Gemeinde in den vergangenen sechs Jahren kamen gut 15 000 Euro zusammen, der Kirchenkreis steuerte 3000 Euro bei. Das reicht fast für die veranschlagten rund 16 000 Euro: "1000 Euro fehlen noch", bestätigt der Vorsitzende des örtlichen Gemeindekirchenbeirates Frederik Almeling. "Die bekommen wir aber hoffentlich auch noch zusammen", ist man zuversichtlich.

Ein paar Monat werden wohl ins Land ziehen, bevor die bronzene Glocke wieder ihren Platz im Dalchauer Kirchturm einnehmen kann. So lange wird der Stundenschlag von der "Nachbarin" im Turm - einer fast genauso großen gusseisernen Glocke - übernommen.

Zu der nun ausgebauten Bronzeglocke gehörte ursprünglich eine zweite, damals vom selben Meister gegossene Glocke mit 75 Zentimetern Durchmesser. Sie wurde jedoch laut einer Chronik schon im Jahr 1733 umgegossen.

Vom Zusammenspiel der einstmals zwei Dalchauer Glocken ist eine Beschreibung des damaligen Pfarrers Küderling überliefert: "Der Klang und Thon der Glocken ist lieblich und einer quarten intervall voneinander erhöhet, welches wenn sie beyde gezogen werden, einen feinen harmonischen klang verursachet, und fürnemlich in der Ferne anmuthig zuhoren ist", heißt es da.

* Zum Vergleich: Mit 11,45 Tonnen bei 2,62 Meter Höhe und einem Durchmesser von 2,56 Metern ist die "Gloriosa" im Erfurter Dom die größte freischwingende mittelalterliche Glocke der Welt.

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