Ohne Moos nix los! Das gilt vor allem auf dem flachen Land. Viele dörfliche Bauprojekte würden sich ohne Fördergelder nur schwer umsetzen lassen. Eine Initiative namens Leader kümmert sich unter anderem um die Verteilung europäischer Finanzen. Ein Beispiel ist die Bocksmu¨hle in Schermen.

Schermen/Genthin l Wilhelm Westphal hat ordentlich investiert. Der Wirt hat seine ehrwürdige Bocksmühle in Schermen mit dem Zusatz "Bauernstube" versehen. Die Wassermu¨hle war vor 100 Jahren eine von vielen an den Bächen und Flüssen zwischen Gommern und Jerichow. Mittlerweile ist sie einzigartig. Im Jerichower Land gehört sie zur Mühlentour, die sich mit dem Fahrrad prima entdecken lässt.

Tatsächlich gewinnt die alte Mühle heute aus Wasser wieder Energie. "Das Wasserrad wurde dafu¨r mit europäischen Fördermitteln saniert und erzeugt nun wieder Strom", erklärt Leader-Managerin Heike Winkelmann. Diesen Strom nutzt Westphal zur Eigenversorgung seines Gebäudes. Auch die Fassade der seit 1900 betriebenen Ausflugsgaststätte erstrahlt in frischen Farben. Rund 38000 Euro hat Wilhelm Westphal im vergangenen Jahr investiert. 10000 Euro davon waren Fördermittel, die in das Lokal flossen, das der Wirt gern als "ländliche Gemu¨tlichkeit mit Wasserrad und Biergarten" bewirbt.

Jetzt tagte Heike Winkelmann mit ihrer Leader-Arbeitsgruppe in dieser Gaststätte. Sie berichteten vom Ausklang der aktuellen Förderperiode. Insgesamt wurden in den vergangenen sieben Jahren landesweit 1846 Fördermaßnahmen umgesetzt. Winkelmann: "Knapp 86 Millionen Euro wurden aus einem europäischen Landwirtschaftsfonds investiert." Damit sei das einst vorgesehene Geld zur Entwicklung der ländlichen Räume zu 99 Prozent ausgeschöpft worden.

Heike Winkelmanns Arbeitsgruppe nennt sich "Zwischen Elbe und Fiener Bruch", gern auch mit Elfi abgekürzt. Winkelmann zufolge blickt diese Arbeitsgruppe "auf eine vollständig umgesetzte Prioritätenliste 2013" zurück. Sie sagt: "Zwischen 2008 und 2014 konnten in 61 Maßnahmen rund 2,4 Millionen Euro europäische Fördermittel gebunden werden. Zusätzlich halfen rund 100000 Euro Landes- und Bundesgelder bei der Umsetzung."

Derzeit arbeitet die Gruppe an einem Konzept für eine Broschüre, die einen Überblick über die bisherige Arbeit der Leader-Gruppe geben soll: "Ihr Erscheinen ist für Herbst geplant."

Jederzeit ist die Leader-Gruppe auf der Suche nach neuen Ideen für Förderprojekte in den Dörfern unseres Landkreises. Geld fließt in Bauinvestitionen, die von den Interessierten zuvor beantragt werden. Laut Heike Winkelmann müssen solche Vorhaben im weitesten Sinne der Allgemeinheit dienen (das könnte beispielsweise ein neuer Bioladen sein), aber auch eine gewisse Nachhaltigkeit beinhalten. Ihre Empfehlung: "Wer eine entsprechende Idee hat, ruft einfach an unter (0391) 7361720. Melden können sich Privatpersonen, Vereine, Institutionen oder Verbände. Gefördert wurden in der Vergangenheit unter anderem ein Lokal, ein Schloss, eine Ölmühle oder ein Pfarrhof.