Vor einem Jahr kämpften in den Burger Elbdörfern die Menschen gegen das Hochwasser. Der Jahrestag der Flut war jetzt auch Anlass, den Feuerwehrmännern für ihr besonderes Engagement zu danken.

Niegripp l Die sechs symbolischen 1000-Euro-Schecks an die Leiter der Burger Wehr und der fünf Ortsfeuerwehren der Kreisstadt hätten auch feierlich im Gerätehaus der Stadtwehr übergeben werden können. So die Erklärung von Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD) vor dem Niegripper Firmen- und Familiensitz der Böseners in dieser Woche. "Wir wollten aber die Spenden hier übergeben, an einem neuralgischen Punkt bei Elbhochwasser. Denn Familie Bösener ist sicherlich der Grundstückseigentümer im Stadtgebiet, der am dramatischsten bei Hochwasser betroffen ist." Wer es nicht wissen sollte: Das Haus samt Büro und Werkstatt liegt vor Niegripp rund einen halben Kilometer einsam und mitten in der Elbaue auf einer Anhöhe. Steigt das Elbewasser, bekommen die Böseners die Auswirkungen fast durchweg zu spüren, sind dann oft abgeschnitten von der Welt. Auch wenn der Pegel nur etwas steigt und das nahe "Festland" davon wenig oder auch gar nichts mitbekommt.

Am Dienstag war das nur Erinnerung, vor allem an die Flutkatastrophe vor einem Jahr. Nicht nur für Marcel Bösener, sondern auch für die sechs freiwilligen Feuerwehren der Ihlestadt und für die vielen Helfer im Kampf gegen das Rekordhochwasser. Rehbaum vor der Scheckübergabe rückblickend: "Wir hatten an Spitzentagen bis zu 1000 Freiwillige im Einsatz und dazu noch einmal 200 Frauen und Männer von Feuerwehren, THW, Bundeswehr, Landesbetrieb für Hochwasserschutz und unserem Bauhof." Auf dem über 20 Kilometer langen Burger Deichabschnitt absolvierten zudem die Deichwachen mehr als 1000 Kilometer zu Fuß, um die aufgeschwemmten Bollwerke genau im Blickfeld zu haben. Noch eine Zahl dürfte interessant sein, nämlich dass 120 000 Sandsäcke und Hunderte von Big Bags gefüllt, transportiert und verbaut wurden. Rebaum rief in Erinnerung, dass mit die größten Sorgen der Deichbruch an der Schleuse Niegripp bereitet hatte. Für drei Familien dort drohten die Häuser schweren Schaden zu nehmen und die Landstraße wurde weggerissen samt Eingangsbereich zur Niegripper Niederlassung des Wasser- und Schifffahrtsamtes Magdeburg.

Dass solch ein Kräfte zehrender Kampf gegen Hochwasser Spuren bei der Einsatztechnik hinterlässt und Ausrüstungsgegenstände schneller als gewohnt verschleißt, kann nicht überraschen. Deshalb die 1000- Euro-Spenden an die Burger Feuerwehren. Da müssen Stiefel und Bekleidung ersetzt werden oder ein Fahrzeug repariert und wieder hergerichtet, wie das der Niegripper Wehr. Ortswehrleiter Lutz Heidbüchel: "Unser Tanklöschfahrzeug ist zwar nicht das jüngste, aber die Juniflut hatte ihm den Rest gegeben. Es musste oft durch Wasser fahren, was viel Rost ansetzen ließ." Die Sechsfachspende stammt aus dem Fonds zur Hilfe für Flutopfer. Da nicht alles Geld bisher von Betroffenen abgerufen worden sei, können die Feuerwehren finanziell unterstützt werden, erklärte Jörg Rehbaum die Herkunft der Euro.

Dass sich die Wehrleiter und der Bürgermeister bei der Gelegenheit bei den Böseners erkundigten, wie sie die Flut vor einem Jahr überstanden haben, war zu erwarten. Marcel Bösener: "Rund 4000 Sandsäcke benötigte ich allein, um mit Unterstützung von Verwandten, Freunden und Bekannten an höchster Stelle des Hofs einen Wall aufzubauen und zwei weitere Zugänge abzudichten. Zudem waren 24 Pumpen in Aktion, um das Wasser einigermaßen vom geschützten Teil unseres Grundstückes fernzuhalten." Seit dieser Woche markieren an der Hauswand kleine Tafeln die Obergrenzen der fünf Hochwasser zwischen 2002 bis 2013. Absicht ist, einen Schaukasten anzubringen mit eigenen Bildern aus den Zeiten der Fluten. "Es sind nicht wenige Ausflügler und Radwanderer, die bei uns klingeln und sich erkundigen, wie wir das Hochwasser 2013 überstanden haben." Auf die oft gestellte Frage, ob man sich in der Familie im Verlauf der Jahrzehnte Gedanken gemacht habe, die "Insel" aufzugeben und sich eine Bleibe im sicheren Hinterland von Niegripp zu suchen, soll die Antwort von Renate Bösener, die Mutter Marcels, stets lauten: "Nie, das würde nicht in Frage kommen. Das ist doch unser Zuhause!"

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