Der noch nicht so sehr bekannte Telegrafenradweg Berlin-Koblenz gewinnt an Konturen und Attraktionen. Vor einigen Tagen wurde bei Schermen ein Pavillon für Radler und Spaziergänger eingeweiht.

Schermen l Dr. Reinhard Ritter, der Schermener Heimatforscher, läuft der Schweiß nur so über die Stirn. Er hat die Uniform der einstigen Telegraphisten angezogen - fester, blauer Mantel und Mütze - der festlichen Einweihung entsprechend.

Auf dem Kapaunberg bei Schermen ist in den vergangenen Wochen eine Schutzhütte entstanden. Vor rund 170 Jahren stand an dieser Stelle eine Station der Preußisch optischen Telegraphenline Berlin-Koblenz. Sie verband Berlin und Koblenz über Potsdam, Magdeburg, Gandersheim, Iserlohn und Köln. 1833 hatte sie zunächst 61, ab 1842 dann 62 Stationen auf einer Länge von rund 587 Kilometern. Mit Hilfe dieser Technik sind einst Nachrichten übermittelt worden.

Interessierte Einwohner sind auf die kleine Anhöhe gekommen, und vor allem auch Mitglieder der Interessengemeinschaft Optische Telegraphie Potsdam sowie Vertreter des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs.

Sie eint das Ziel, die einstigen über 60 Stationen der Telegraphenlinie mit einem Radwanderweg zu verbinden. Auf gute Erfolge kann dabei vor allem auch das Jerichower Land verweisen. Die einstige Station 12 bei Schermen ist nun mit einem Informationspavillon markiert. Die Errichtung, so wird bei einer kleinen Festrede festgestellt, sei Dr. Ritters Baby. Nun habe auch Schermen seine touristische Attraktion, erläutert er sein Engagement.

Doch das Baby auf der Anhöhe hat weitere Väter. Zum Beispiel Schüler des Burger Roland-Gymnasiums. Sie erforschten die personelle Besetzung von Telegraphenstationen und die soziale Stellung der Telegraphisten. Über das europäische Leaderprogramm konnte Fördergeld bezogen werden. Der Pavillon, so Gemeindebürgermeister Bernd Köppen, habe rund 13 500 Euro gekostet. 10 000 Euro sind Fördermittel.

Die auf dem 103,2 Meter hohen Kapaunberg gelegene Station 12 ist eine von vier im Jerichower Land. Die Station 11 in Dretzel zeigt den nachgebildeten Grundriss des Stationsgebäudes. Die Station 10 ist in Ziegelsdorf mit ihrer funktionsfähigen Signalmast-Attrappe eine Attraktion. In der Willi-Obermüller-Straße in Biederitz ist ein Teil des Stationsgebäudes in ein heute dort befindliches Wohnhaus integriert.

Zu finden ist die ausgeschilderte Schermener Station südlich der Zufahrtsstraße von der B 1 aus nach Pietzpuhl.

   

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