Parchau l Um 10 Uhr riefen die Glocken der Parchauer Dorfkirche die Einwohner zusammen, um gemeinsam Rückschau auf 825+1 Jahre Parchau zu halten. Die würdige Festveranstaltung, zu der auch Vertreter aus Politik Wirtschaft und Kirche gekommen waren, wurde umrahmt von Orgelmusik, Posaunenklängen, Chorgesang und einem Programm der Kita-Kinder.

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Kirchspielrates Parchau/Ihleburg, Gerd Ernst, der daran erinnerte, dass die Parchauer Kirchenglocken nun schon Jahrhunderte lang die Dorfbewohner in guten und schlechten Zeiten, zu fröhlichen und traurigen Anlässen zusammenrufen, bezeichnete auch Ortsbürgermeister Lutz Wernecke die Parchauer Kirche als das Wahrzeichen des Ortes, in deren Schatten das Dorf seit der Ersterwähnung im Jahr 1188 eine stete Entwicklung genommen habe. Wernecke erinnerte unter anderem an die Auflösung des Rittergutes im Jahr 1815, wodurch bäuerliche Wirtschaften entstehen konnten.

Zu DDR-Zeiten wurde Parchau dann zu einem Naherholungszentrum entwickelt, was dem Ort einerseits Versorgungsprobleme, andererseits Trink- und Abwasserleitungen einbrachte. Nach der Wende konnten dann Straßenbau und Kita-Bau realisiert werden, wobei die Schule allerdings geschlossen werden musste. Eine weitere Zäsur war dann 2002 die Eingemeindung in die Stadt Burg. Mit einem Dank an alle früheren Bürgermeister, Gemeinderäte und Ortschaftsräte und den Worten, dass man Veränderungen nicht aufhalten, aber mitgestalten könne, übergab Wernecke das Mikrofon an den Burger Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD).

Rehbaum dankte dem Ortschaftsrat, der Feuerwehr, den Parchauer Vereinen und allen Mitwirkenden, die das Jubiläumswochenende vorbereitet hatten und wünschte den Parchauern ein gelungenes Fest, das sie wegen des Hochwassers 2013 erst mit einem Jahr Verspätung feiern konnten. Der Bürgermeister nutzte die Gelegenheit, noch einmal daran zu erinnern, dass in den Tagen der Elbeflut vor einem Jahr 3741 Helfer im Burger Stadtgebiet registriert waren und bekräftigte die Forderung von Ortsbürgermeister Wernecke nach weiteren Hochwasserschutzmaßnahmen, denn bei Parchau hatte das Wasser "nur 18 Zentimeter unter dem Wall" gestanden.

Zum ebenfalls angemahnten Radwegbau konnte Rebaum nach Rücksprache mit dem Landkreis erklären, dass definitiv noch in diesem Jahr gebaut werde. Auf der Habenseite für Parchau verbuchte Rebaum, dass seit der Eingemeindung 2002 etwa drei Millionen Euro aus dem städtischen Haushalt in Parchauer Projekte geflossen seien.

Der zuständige Pfarrer Peter Gümbel blickte dann noch einmal auf die Anfänge Parchaus zurück, das wohl schon im 5. oder 6. Jahrhundert von Slaven bedieselt war und bei der Erweiterung der Deutschen Reiches östlich der Elbe eine gewisse Bedeutung hatte. Seine erste urkundliche Erwähnung vor 826 Jahren verdankt Parchau dem Magdeburger Erzbischof Wichmann, der 1188 den Ort erwarb, weil Parchau wohl schon damals ein nicht unbedeutendes Dorf war, das reiche Einkünfte versprach. "Wenden, Germanen, Siedler, Umsiedler, Flüchtlinge und Heimkehrer - sie alle haben das Dorf zu dem gemacht, was es ist", schloss der Pfarrer.

Auch der Ortsbürgermeister des "Schwesterortes" Ihleburg, Josef Woska, und Superintendentin Ute Mertens geratulierten den Parchauern noch mit bewegenden Worten, bevor vor der Kirche der Festumzug startete.