Burg/Genthin l 68,9 Prozent zu 31,1 Prozent der Wählerstimmen: Steffen Burchhardt konnte am Sonntag bei der Stichwahl zum Landrat des Jerichower Landes gegen seinen Konkurrenten Lutz-Georg Berkling (CDU) einen deutlichen Sieg erringen. Für die Parteien in der Region war jene Deutlichkeit doch eine Überraschung - selbst für den Kreisverband der SPD.

"Von der Deutlichkeit war ich schon überrascht, aber Steffen Burchhardt hat einen fulminanten Wahlkampf gemacht", sagte SPD-Kreisvorsitzender Matthias Graner. Er habe es vermocht, auf den Bürger zuzugehen. Vor allem die Termine in den Feuerwehren und bei der Volkssolidarität haben laut Graner überzeugt.

"Zudem ist er jung und hat mit den Querelen der vergangenen Jahre nichts zu tun", betonte Graner. Zukünftig werde er das auch weiter durchsetzen. "Er wird einen ganz neuen Stil in das Landratsamt einbringen."

Enttäuscht war ein Tag nach der Wahl natürlich der CDU-Kreisverband. "Der Wähler hat entschieden und das Ergebnis akzeptieren wir so. Aber gerade nach dem ersten Ergebnis hat das schon verwundert", sagte Kreisvorsitzender Gerd Mangelsdorf. Am 25. Mai hatte Berkling mit 25,9 Prozent das beste Ergebnis der neun Bewerber erzielt und war zusammen mit Burchhardt (20,1 Prozent), in die Stichwahl eingezogen.

Dennoch betonte Mangelsdorf erneut: "Berkling war der bessere Kandidat für die Verwaltung, aufgrund seiner Vorerfahrung und seiner Kompetenz." Allerdings müsse jetzt auch abgewartet werden, wie sich Steffen Burchhardt anstellt. "Für den Kreis wünsche ich ihm natürlich ein gutes Händchen", sagte Mangelsdorf.

Kritik an der CDU gibt es dagegen von den Grünen. Kreisvorsitzender Lutz Nitz: "Jetzt zu sagen, man hätte den besseren Kandidaten gehabt, ist unhöflich und respektlos. Man sollte jetzt nicht nachtreten." Die Christdemokraten müssten sich die Frage stellen, ob sie den richtigen Kandidaten hatten. Jetzt bleibe abzuwarten, wie sich der junge Mann die nächsten Wochen und Monate schlagen wird, so Nitz.

Abwarten will auch der FDP-Kreisverband. Die Partei hatte vor der Stichwahl keine Empfehlung abgegeben. "Wir sind alle gespannt, was jetzt kommen wird und was der Herr Burchhardt zu leisten vermag", sagte Kreisvorsitzender Allard von Arnim gestern. Was ausschlaggebend für das deutliche Ergebnis gewesen ist, darüber will von Arnim nicht spekulieren. "Berkling hat sicher die größere Erfahrung, was die Bürger aber für Burchhardt hat stimmen lassen, kann ich nicht sagen", so der FDP-Kreisvorsitzende.

Von der "neuen Generation" wünscht sich Harry Czeke, Vorsitzender des Kreisverbandes Die Linke, einfach andere Ideen. "Er ist sicher internet- und computeraffiner als sein Vorgänger, in dieser Richtung wird was passieren." Von dem deutlichen Ausgang ist aber auch Czeke überrascht, doch er freut sich auf die Zukunft. "Er wird neuen, jungen Schwung in die Verwaltung bringen, darauf kann man sich freuen."

Für die Freien Wähler/Endert ist der Ausgang der Wahl "eine Hoffnung, dass nun ein echter und ehrlicher Neuanfang im Kreis möglich ist", sagte der Vorsitzende Frank Endert. "Wir setzen weiter auf sach- und bürger- orientierte Arbeit." Die Tatsache, dass Berkling das Ergebnis als traurig für den Landkreis bezeichnete, sei nicht hinnehmbar. "Der Wähler hat ein klares Votum gesprochen."

Unterstützung für Steffen Burchhardt gibt es auch von der Landesvereinigung der Freien Wähler. Ines Busse: "Wir werden den neuen Landrat in allen Sachthemen, die zum Erfolg im Kreis führen, voll unterstützen."

   

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