Burg l Bevor voraussichtlich im September an der Ecke Breiter Weg/Rathausstraße Baustart ist, werden in dieser Woche erst einmal die Archäologen ihre Arbeiten auf den betreffenden Grundstücken beenden. Grabungsleiter Marcel Röder, Zeichnerin Ilka Pollner und Grabungshelfer Andreas Zagermann dokumentieren seit vier Wochen die noch vorhandenen Spuren der Menschen, die in früheren Jahrhunderten auf diesen Quadratmetern der Burger Altstadt lebten und arbeiteten. Die Schuttschichten geben alte Herdstellen, Fußböden, Kellergewölbe, Fundamente oder auch Brandspuren frei.

"Wegen der Hanglage haben wir zum Beispiel abgetreppte Fundamente", erklärt Dr. Götz Alper vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie und zeigt die freigelegten Feldsteine. Die ältesten vorhandenen Baupläne von auf diesen beiden Grundstücken einst stehenden Gebäuden stammen von 1897 und sind damit "neueren Datums". "Denn immer wieder wurde in der Vergangenheit auf diesem Fleck neu gebaut, zum Beispiel nach Bränden", so Grabungsleiter Röder. Zuletzt gab es auf den Grundstücken zwei baufällige Fachwerkhäuser, die bereits vor Jahren abgerissen wurden. Seitdem lagen die Grundstücke brach.

An die Grabungen und die Vorrort-Dokumentation der Archäologen werden sich nun die Begutachtung der Funde und die wissenschaftliche Auswertung anschließen. Was aber bereits jetzt feststeht: Die Spuren menschlichen Lebens auf diesem Fleck der Stadt reichen über die Ersterwähnung Burgs im Jahr 948 hinaus zurück. An dieser Stelle, in Hanglage und in Wassernähe, haben auf jeden Fall schon in der Eisenzeit (1. Jahrtausend vor Christus) Menschen gesiedelt, während frühere Funde in der unmittelbaren Umgebung sogar bis in die Jungsteinzeit zurückreichen.

Nun sollen diese beiden geschichtsträchtigen Grundstücke wieder bebaut werden, und der Neubau, geplant vom Burger Architektenbüro Kirchner und Przyborowski, wird in seiner zweigeteilten Fassadengestaltung an die frühere Bebauung der Grundstücke erinnern. Auch Dachform und Dachgauben werden den Neubau an die Häuser der Umgebung optisch anpassen.

Ludger W. Bögemann, Rechtsanwalt in Burg und Essen, der in Burg bereits mehrere Baudenkmale saniert hat, will mit diesem Projekt, für das er und Familienangehörige die Bauherren sind, barrierefreie, seniorengerechte Wohnungen schaffen, die in Burg momentan sehr stark nachgefragt werden. Neben Drei-, Zwei- und Einzimmerwohnungen, zum Teil mit Balkon, soll es im Erdgeschoss eine "Hausgemeinschaft" (Senioren-WG) geben, in der für fünf Bewohner Privat- und Gemeinschaftsräume zur Verfügung stehen. "Für diese besondere Form des Wohnens braucht es natürlich eine homogene Gruppe", erläutert Bögemann.

Für das Bauprojekt, das im Sommer 2015 fertig gestellt sein soll, fließen Städtebaufördermittel von Stadt, Land und Bund. Details des Neubaus sind unter anderem ein Blockheizkraftwerk für effiziente Energienutzung (KfW 40-Haus) und ein Fahrstuhl. Auf dem Hof wird es Stellplätze und Grünflächen geben.

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