Seit Dienstag ist es amtlich: Auch in Zukunft müssen Radfahrer keinen Helm tragen, wenn sie nicht wollen. Wir haben in Burg und Umgebung nochmal nachgefragt. Das sind die Meinungen.

Burg l "Ich fahre jeden Morgen auf der Magdeburger Chaussee", berichtet Simona Spörke, "Ohne Helm wäre mir das zu gefährlich." Annerose Rabach schiebt es auf ihre Nachlässigkeit, dass sie noch keinen hat. "Ich werde mir aber auf jeden Fall demnächst einen Helm zulegen." Die beiden Frauen sind sich einig: Eine Helmpflicht muss her!

Vor dem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) wurde schon orakelt, dass die Helm-pflicht durch die Hintertür kommt. In dem betreffenden Fall war eine Radfahrerin aus Schleswig-Holstein 2011 in einen Unfall verwickelt worden und trug eine schwere Kopfverletzung davon. Obwohl sie keine Schuld hatte, kürzte das Oberlandesgericht Schleswig ihren Schadensersatzanspruch um 20 Prozent.

Die Begründung: Da sie keinen Helm auf dem Kopf hatte, trage sie eine Mitschuld an dem Unfall. Doch der BGH entschied anders und gab der Radfahrerin Recht.

ADFC und Verkehrswacht uneins über Helmpflicht

Nun gibt es neue Diskussionen über Sinn und Unsinn einer Helmpflicht für alle. Siegfried Weiß von der Verkehrswacht im Jerichower Land hält Helme sowohl für Kinder als auch für Erwachsene für sehr wichtig, da der Radverkehr zunehme, die Infrastruktur dafür aber teilweise nicht gut genug ausgebaut sei.

"Viele Unfälle haben deutlich gemacht, dass der Fahrradhelm oft schlimme Kopfverletzungen verhindern kann. Deswegen würden wir eine Pflicht definitiv befürworten." Fahrradprüfungen für Kinder und Jugendliche werden ohne Helm gar nicht abgenommen, erzählt er.

Hartmut Reinsch, Vorsitzender des ADFC Jerichower Land, sieht eine generelle Verpflichtung dagegen eher kritisch: "Es ist doch nicht notwendig, einen Helm aufzusetzen nur, weil man mal eben zum Bäcker fahren will." In Großstädten oder auf langen Radtouren mache das schon mehr Sinn. Reinsch selbst besitzt keinen Helm, will sich aber wie Annerose Rabach demnächst einen zulegen.

Ein Helm schützt nicht vor Unfällen. Darin stimmen alle auch nach dem Urteil überein.

Doch falls es zu Verletzungen kommt, können diese durchaus mit einem Helm geringer ausfallen.

Polizisten und Ärzte für Tragen eines Helmes

Einer, der mit den Folgen schwerer Fahrradunfälle im Jerichower Land zu tun hat, ist Dr. Karlheinz Müller, Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Wirbelsäulenchirurgie am Kreiskrankenhaus Jerichower Land in Burg. Um das Verletzungsrisiko beim Fahrradfahren zu vermindern, rät er zum Tragen eines Fahrradhelmes.

Die Ausreden der Helmverweigerer versteht Thomas Kriebitzsch, Sprecher der Polizei im Jerichower Land, nicht. "Die Fahrradhelme sind doch leicht und es gibt so viele schicke Modelle", sagt der Polizeisprecher, der selbst viel Fahrrad fährt.

Im vergangenen Jahr sind nach Angaben der Polizei 83 Radfahrer auf den Straßen im Landkreis in Verkehrsunfälle verwickelt gewesen. 59 davon wurden schwer verletzt. Sicherer wäre es für die Radfahrer aber allemal, einen Helm zu tragen, da die Verletzungswahrscheinlichkeit im Gegensatz zum Pkw-Fahrer wegen der fehlenden Knautschzone höher sei, sagt Kriebitzsch.