Zu einem Waldspaziergang hatte gestern Abend die Bürgerinitiative Naturfreundeweg eingeladen. Sie wollte ein Zeichen gegen die heute im Gemeinderat geplante Beschlussfassung zur Bebauung setzen.

Biederitz l Etwa 30 Frauen und Männer waren gestern Abend der Einladung der Bürgerinitiative (BI) Naturfreundeweg gefolgt. Gemeinsam mit den Sprechern Andreas Hille und Peter Specht machten sie einen Waldspaziergang zu mehreren Baufeldern.

Unterwegs kritisierte Peter Specht, dass die Gemeinde nie Stellung zu den 1057 von der BI gegen die Bebauung gesammelten Unterschriften bezogen habe. Er sagte, dass im B-Plan von "allgemeinen Wohnen" die Rede sei, nicht aber von einem Pflegeheim.

Nach Ansicht der Anwesenden geht die Biederitzer Bevölkerung davon aus, dass zur Bebauung im Naturfreundeweg neben Einfamilienhäusern ein Gebäude mit betreutem Wohnen gehört, wo die Bewohner die verbleibende Natur um sie herum für Spaziergänge nutzen können. Laut Bürgerinitiative ist aber ein Pflegeheim für die Stufen II und III geplant. Grob formuliert: Die Bewohner haben nicht mehr viel von ihrer Umgebung.

Oder, diese Befürchtung wurde ebenfalls geäußert, da der B-Plan allgemeines Wohnen vorsehe, könne der Wald auch für ein Mehrfamilienhaus mit exklusivem Wohnraum abgeholzt werden.

"Wo sollen die Baufahrzeuge lang fahren?", überlegten die Teilnehmer mit Blick in das Grün, das dem großen Gebäude weichen soll. Eine schlüssige Antwort fanden sie nicht.

Der Einladung ins Naturfreundehaus, um das weitere Vorgehen festzulegen, folgten fast alle Teilnehmer des Rundgangs.

Andreas Hille und Peter Specht gehen davon aus, dass der B-Plan heute im Gemeinderat beschlossen wird. Einzige Möglichkeit, noch etwas gegen das Vorhaben zu unternehmen, sei ein Einwohnerantrag. Andreas Hille erklärte das Prozedere. Innerhalb von sechs Wochen seien die Unterschriften von fünf Prozent der Einwohner der Gemeinde Biederitz zu sammeln.

Mindestens ein dutzend Finger schnellte in die Höhe, als es darum ging, beim Sammeln der Unterschriften zu helfen. Über den Antrag könnte der Gemeinderat veranlasst werden, sich erneut mit dem B-Plan zu beschäftigen. Zudem erwirkt der Antrag ein Einspruchsrecht bei der Kommunalaufsicht.

Die Investoren würden noch im Spätsommer mit der Erschließung beginnen, also das betroffene Stück des Naturfreundewaldes roden, gab Peter Specht zu bedenken. Er machte auch auf den Kompromissvorschlag der BI aufmerksam: Die Brachfläche vor dem Wald für ein Pflegeheim zu nutzen.

Anfang Juni war der Satzungsbeschluss im Bauausschuss, Ortschaftsrat und im Hauptausschuss behandelt worden. Alle Gremien hatten dafür gestimmt. Von Seiten der Unteren Naturschutzbehörde und der Forstbehörde (Landkreis) gibt es keine Vorbehalte. Der Ausgleich für die zu bebauende Fläche soll unter anderem in der Umflutaue bei Pechau geleistet werden. Das geht aus der Anlage zur Beschlussfassung hervor, die die Gemeinde auf ihrer Internetseite veröffentlicht hat.

Von offizieller Seite der Gemeinde nahm niemand am Termin der BI teil. Auf Anfrage erklärte Bürgermeister Kay Gericke (SPD) den Standpunkt der Gemeinde: "Die Unterschriften sind berücksichtigt worden. Der Ortschaftsrat hat dem B-Plan so zugestimmt. Es gab eine rege Beteiligung an der Abwägung. Viele Bürger kamen ins Verwaltungsamt, um sich die Pläne anzusehen."