Loburg l "Um Gottes Willen, ich habe zwei Schrotthäuser gekauft!", soll der Besitzer der beiden Loburger Häuser vor gut drei Jahren gesagt haben, als er seinen Neuerwerb das erste Mal in natura sah. So behauptet es der Magdeburger Architekt Dr. Friedhelm Ribbert, dessen Büro die Sanierung von Guts- und Verwalterhaus mitbetreut.

Und wenn man Fabian Lipfert, dem Betriebsleiter der Gut Barby GbR, Glauben schenken mag, dann könnte es im September endlich Wirklichkeit werden, mit den Walnusstörtchen und dem Kaffee vis-a-vis zum Loburger Markt.

Es ist ja nicht irgendein Café, das da seit einem Jahr seiner Eröffnung entgegenblickt. Nein, es geht um das neu aufgebaute Verwalterhaus neben dem historischen Gutshaus derer von Barby. Und deshalb fanden die beiden Gebäude auch Eingang in die Liste jener Immobilien, die am Sonnabend, dem Tag der Architektur, besichtigt werden konnten. Architekt Dr. Friedhelm Ribbert führte durch die beiden Gebäude. An die 100 Teilnehmer wollten allein bei der ersten Führung am Sonnabend mit von der Partie sein.

Die beiden Objekte könnten unterschiedlicher nicht sein: Da ist das im 15. Jahrhundert erbaute und mehrfach erweiterte und umgebaute Gutshaus. Bis 1947 wurde es von der Familie von Barby bewohnt, danach erfolgte die Enteignung.

Seitdem diente das Gutshaus als Wohnhaus, als Unterkunft für die PGH und als Ausweichstätte für die Grundschule in den 60er-Jahren. Die letzten Mieter zogen in den 90er Jahren aus. Danach dümpelte das Haus vor sich hin. Schlimmeres verhinderte ein Verein.

Ganz anders dagegen das Verwalterhaus: Es ist eigentlich ein Neubau, frei von Denkmalschutz. Denn im Zuge der geplanten Sanierung des alten Verwalterhauses brach die alte Bausubstanz zusammen und der Besitzer entschloss sich zu einem Neubau, der in Optik und Ausmaßen des historischen Vorbildes entsprach. Dafür finden sich jetzt im Inneren eine "auf alt gemachte" Café-Einrichtung sowie Überbleibsel der historischen Ur-Substanz. Etwa ein Brunnen, der sich schon zu früheren Zeiten mitten im Verwalterhaus befand.

Robert Dahl, der Enkel des letzten aktiven Gutsherren Boguslav von Barby erwarb das Gebäude im Jahr 2011 und möchte den Familiensitz neu beleben. Der 42 Jahre alte Unternehmer, der in Mecklenburg-Vorpommern erfolgreich Erlebnisdörfer, Bauernmärkte und Erdbeerhöfe betreibt, sicherte sich den ehemaligen Familiensitz in Loburg, nachdem die um 1660 erbaute Immobilie im Internet angeboten wurde.

Das Café: Laut Betriebsleiter Fabian Lipfert gibt es eine neue Betreiberin für das Café. Angestrebter Termin für die mehrfach verschobene Eröffnung des Cafés ist jetzt der September. Aber festlegen will man sich inzwischen nicht mehr.

Architekt Ribbert und Gut Barby-Betriebsleiter Lipfert bestätigten am Architekturtag vorgestern jedoch die bereits bekannten Planungen, nach denen im Herbst mit der privatfinanzierten Sanierung des Barby-Gutshauses weitergemacht werden soll. Geplant sind drei Bauabschnitte bis in das Jahr 2016 hinein. Danach wird das 1664 erstellte Haus zwar fertig sein, aber nicht einer breiten Öffentlichkeit zugänglich sein. "Es wird zu einem der Wohnsitze des Eigentümers werden", erklärte Architekt Dr. Ribbert. Womöglich wird der große Saal im Obergeschoss aber zu mieten sein. Vor zwei Jahren fand auf der Baustelle des Verwalterhauses ein erstes Familientreffen statt. Damals reisten Mitglieder derer von Barby aus vielen Teilen der Welt an, so Dr. Ribbert.

Unter den Besuchern am Sonnabend waren etliche Loburger, darunter auch solche, die einst im Haus oder der Nachbarschaft gelebt hatten oder hier zur Schule gegangen sind. Ihnen versicherte Architekt Dr. Ribbert, dass der ehemalige Zustand des Hauses hergestellt werden soll. Dazu gehört, dass die nachträglich eingezogenen Wände entfernt werden, um den großen Saal mit einer beeindruckenden Stuckdecke wieder herzustellen. Dazu gehört aber auch, dass ein im 19. Jahrhundert nachträglich errichteter Anbau wieder eingerissen werden soll. Eine Genehmigung liegt vor, sagt Architekt Friedhelm Ribbert. "Danach sehen beide Flügel des Gutshauses wieder gleich aus, erklärt Dr. Ribbert. Der gemeinte Anbau gehört zu den meistgeschädigten Gebäudeteilen. Doch auch durch das historische Haupthaus ziehen sich derzeit Spannanker, weil die ursprüngliche Fachwerkkonstruktion die nachträglich hinzugefügte Mauerwerksschale nicht mehr halten kann. In der jüngeren Vergangenheit hatten sich an den Außenwänden schon Ausbauchungen gebildet.

Zum Areal gehört auch der gotische Turm. Der wird erhalten bleiben und der Durchgang bleibt öffentlich.

   

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