Burg l Mitten auf dem Betriebsgelände hat Holzbau-Firmenchef Kay-Ebe Schnoor seinen Oldtimer abgestellt - einen Citroen DS. Die Franzosen nennen das stromlinienförmige Fahrzeug auch "La Déesse" - Die Göttin.

Dieses Auto ist das ganz große Hobby meines Vaters", erzählt Julia Schnoor, während der Chef seine Besucher durch die Werkhallen des Unternehmens mit derzeit mehr als 120 Mitarbeitern führt.

Seine Gäste beim Tag der Architektur können eine gewisse Ähnlichkeit zwischen dem ehrwürdigen Auto und seiner großzügigen Garage nicht abstreiten. Für die außergewöhnliche architektonische Form der Fahrzeughalle stand die charakteristische Silhouette der Göttin Pate.

Bauherr und Architekt entwickelten die Idee, das avantgardistische Design dieses Fahrzeugs in Architektur umzusetzen. Oder wie Julia Schnoor sagt: "Das haben mein Vater und Architekt Ulrich Kirchner gemeinsam ausgeheckt." Schnoor brachte die Idee ein, Kirchner hat sie architektonisch umgesetzt. Dann kam wieder Kay-Ebe Schnoor ins Spiel, der das Projekt mit seinen Fachleuten Leben eingehaucht hat. Schnoor sagt: "Wir haben das innerhalb von zwei Monaten umgesetzt."

Tragwerk der Halle bilden parallelgurtige Rahmenbinder in Nagelplattenbauweise. Wände und Decke sind in Holztafelbauweise gefertigt. Schnoor: "Wir haben die Fahrzeughalle aus 32 Einzelelementen zusammengesetzt."

Beim Besichtigungstermin am Sonnabend hatte er jede Menge Wissenswertes zu aktuellen Holzbautechnologien erklärt: "Man muss nicht immer in Stein und Beton denken."

Die Fahrzeughalle bietet Platz für sieben Automobile und einen kleinen Lagerbereich. Neben der Göttin aus dem Baujahr 1974 parkt unter anderem ein Oldtimer-Mercedes 280 SE. Der Fußboden ist mit rotem Kunststoffbelag beschichtet. Die Halle wird beheizt, "weil unter anderem die Lederbezüge sehr empfindlich gegen Temperaturschwankungen sind", erzählt Julia Schnoor.

Architektur bewegt, heißt das bundesweite Motto des Tags der Architektur. "Die Architektenkammer Sachsen-Anhalt veranstaltete Besichtigungstouren mit vielen Einblicken in das aktuelle Planen und Bauen im Land", erklärt Kammer-Sprecherin Nancy Eggeling. Und: "Zahlreiche Büros boten zwischen Arendsee und Zeitz Führungen durch Einfamilienhäuser, durch öffentliche Gebäude wie Schulen, Pflege- und Forschungseinrichtungen an, um Besucher und Architekten miteinander ins Gespräch zu bringen. Gewerbebauten öffnen ebenfalls ihre Türen."

Im Mittelpunkt stehen zeitgenössische Architektur ebenso wie der Umgang mit historischer Bausubstanz, wie ein Projekt in Mansfeld zeigt. Dort eröffnete die Stiftung Luthergedenkstätten Sachsen-Anhalt kürzlich "Luthers Elternhaus" und präsentierte eine Ausstellung zur Kindheit des Reformators.

Zu Schnoors Besuchern in Burg zählte neben Wolfgang März der Präsident der Architektenkammer, Prof. Ralf Niebergall. Obwohl der Architekturtag in Sachsen-Anhalt 30 Programmpunkte anbot, "wollte ich mir diese Fahrzeughalle in Burg nicht entgehen lassen", sagte er zur Volksstimme.

Die Göttin in Burg bewohnt seit anderthalb Jahren ihr hölzernes Schlösschen am Tuchmacherweg. Nur ein paar Schritte entfernt hat das Unternehmen kürzlich sein neues Bürogebäude eingeweiht. Julia Schnoor: "Im alten Haus gab es massive Platzprobleme." Aus dem Bürofenster gibt es einen prima Blick auf die göttliche Fahrzeughalle.

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