Etwa 50 Menschen sind im Laufe eines Jahres in der Stadt Burg von Obdachlosigkeit betroffen. Die meisten bleiben nur kurzzeitig in der Notunterkunft, nur wenige als Dauergäste.

Burg l Auch wenn es in der Kreisstadt keine sichtbare Obdachlosigkeit wie in Großstädten gibt, wo Menschen auf der Straße leben und betteln: Marina Döhlert von der Burger Stadtverwaltung hat aktuell neun Namen auf ihrer Liste, die Namen von neun Menschen zwischen 19 und 65 Jahren, die in keiner eigenen Wohnung leben, sondern ein Zimmer in einer Notunterkunft haben.

Etwa 50 Menschen sind pro Jahr in Burg von Obdachlosigkeit betroffen oder unmittelbar bedroht. Neben Miet- und anderen Schulden haben sie häufig auch Sucht- und andere Probleme. Für sie sind Marina Döhlert und ihre Kollegen von der Stadtverwaltung nicht nur von Amts wegen verantwortlich. Die Rathaus-Mitarbeiter sind Teil eines Netzwerkes, das Obdachlose auffängt und versucht, diesen Menschen wieder eigene vier Wände und eine Perspektive zu verschaffen.

Engster Partner der Stadt ist dabei seit 2006 das Diakonische Werk. In einem Objekt der Diakonie stehen sechs Wohneinheiten für je zwei Personen zur Verfügung. "Die Bewohner der Notunterkunft haben ein eigenes Zimmer, teilen sich in der Regel Küche und Bad aber mit noch einem anderen Bewohner", so Marina Döhlert, die in regelmäßigen Abständen auch Mitglieder des Burger Stadtrates über die Obdachlosen-Problematik in der Kreisstadt informiert, zu den Bedingungen in dem hiesigen Obdachlosen-Quartier.

Ziel aller Beteiligten ist es, dass die Aufenthaltsdauer in der Notunterkunft so kurz wie möglich gehalten wird. "Verliert jemand seine Wohnung und muss in die Notunterkunft einziehen, setzt das ein Räderwerk von Hilfsangeboten in Gang", beschreibt Marina Döhlert. Darin sind Freie Träger mit ihren Beratungs- und Therapieangeboten ebenso eingebunden wie Stadt, Landkreis, Jobcenter und Wohnungsunternehmen. "Die Leute bekommen alle Hilfe der Welt, wenn sie sie annehmen."

Wenn es gut läuft, bleiben die Betroffenen nur ein bis zwei Monate in der Notunterkunft. Aber: "Es gibt immer mehr, die die Hilfen nicht annehmen", muss Marina Döhlert feststellen. Und das sind nicht nur Männer über 50, in der Regel Alkoholiker, bei denen eine Wiedereingliederung fast unmöglich ist. Diese "Langzeitbewohner" bleiben dann solange in der Notunterkunft, wie sie ihr Leben noch einigermaßen selbstständig meistern können. Wenn jemand zum Pflegefall wird, muss eine andere Unterbringung erfolgen.

"Aber auch bei jungen Menschen wird eine Wiedereingliederung zunehmend schwieriger", berichtet Marina Döhlert. In diesen Fällen seien es oft psychische Probleme oder Erkrankungen, die einem "geregelten Leben" im Weg stünden. Auch Drogenkonsum spiele bei diesen Betroffenen eine Rolle. "Jugendliche sagen sich von ihrem Elternhaus los, kommen zuerst bei vermeintlichen Freunden unter, geraten in Kontakt mit Drogen, stehen dann irgendwann auf der Straße", beschreibt Marina Döhlert das Dilemma.

"Ein erster wichtiger Schritt wäre für diese Betroffenen häufig eine Therapie", so Marina Döhlert. "Doch dazu müssen sich Drogenabhängige wie auch Alkoholkranke freiwillig entscheiden", erklärt die Stadt-Mitarbeiterin die Krux.

Ein weiteres Problem für Marina Döhlert und ihre Mitstreiter: Immer schwieriger werde es, geeignete Wohnungen zu finden, um Bewohnern der Notunterkunft wieder eigene vier Wänden zu verschaffen.

Diese Aussichten bestärken Marina Döhlert und ihre Kollegen, durch präventive Maßnahmen Obdachlosigkeit erst gar nicht entstehen zu lassen. In einer Arbeitsgemeinschaft sind verschiedene Behörden, Freie Träger und andere Institutionen zusammengefasst, die sich regelmäßig austauschen. Eine erweiterte Runde zum Thema ist am 17. September um 18 Uhr im Konferenzraum der Burger Stadthalle geplant. Dann soll es besonders um die Suchtproblematik und um die verschärfte Situation auf dem Wohnungsmarkt gehen.