Welche Geschichte das Herrenhaus Möser zu erzählen hat, lässt sich heute nur noch schwer rekonstruieren. Der frühere Ortschronist Wolfgang Gabbert hat das ausgiebig versucht, aber: In den Archiven finden sich keine Unterlagen.

Möser l Bis 1817 war Möser noch ein Vorwerk des Rittergutes Schermen gewesen. Der Magdeburger Kaufmann, der das Vorwerk erwarb, war der erste von gut zwei dutzend Eigentümern, die im Laufe der Jahre scheiterten. "Als landwirtschaftlicher Erwerbsbetrieb funktionierte es nicht", sagt Wolfgang Gabbert. Der Möseraner war jahrelang Vorsitzender des Heimatvereines und beschäftigte sich ausführlich mit der Ortsgeschichte.

1929 ersteigerte die Genthiner Sparkasse das Vorwerk und kümmerte sich um die Aufteilung. Neben den 16 Gärtnereien, die nicht zuletzt zur Versorgung Magdeburgs mit Gemüse entstanden, wurden Flächen zur landwirtschaftlichen Nutzung und zur Bebauung freigegeben.

Um der Geschichte des Herrenhauses, das sich in der Thälmannstraße befindet, auf die Spur zu kommen, war Wolfgang Gabbert im Grundbucharchiv in Barby. Er wollte herausfinden, wann das Gebäude gebaut worden war und welche Eigentümer es hatte. Allein an Unterlagen mangelte es. "Nach 1945 ist das Herrenhaus in englisches Eigentum übergegangen und war nicht unter die Bodenreform gefallen." Da sich auch in allen anderen Archiven, in denen er recherchiert hat, keine Dokumente auftreiben ließen, geht er davon aus, dass sämtliches Material mit nach England gegangen ist. "Ich habe mich sehr bemüht, was herauszufinden", blickt er zurück. "Schwammig" sei alles geblieben, bedauert Wolfgang Gabbert. Er hat das Schreiben der Chronik inzwischen aufgegeben. Zu viel Zeit nahm die Recherche in Anspruch, während Familie und andere Verpflichtungen zurückstanden. Mitstreiter ließen sich auch nicht finden.

Bekannt ist, dass die Ansiedler zwischen 1929 und 1939 fast alle im Gutshaus wohnten. Nach Kriegsende kamen dort Flüchtlinge unter.

1914 gegründete William Hahlo die Gartenstadt AG. Seine Geschäftsidee war, Bauplätze für Villen für die vielen Führungskräfte in Magdeburger Unternehmen zu schaffen. Sie sollten abseits der Industrie und ihrem Dreck in Ruhe und einem angenehmen Umfeld wohnen können. Alte Plakate werben: "Ihre Freuden sind größer - durch Wohnen in Möser!" oder "Sie kaufen doch bald - in Möser am Wald!". Zählte der Ort um 1900 noch keine hundert Einwohner, waren es 1930 etwa 800 - eine "einzigartige Entwicklung". Bis Kriegsende wuchs Möser auf 1200 Einwohner.

Viele Ideen konnten die Hahlos nicht mehr realisieren. Weil Wilhelmine Hahlo Jüdin war, zwangen die Nazis sie zur Aufgabe. "Hätte die Familie Hahlo weitermachen können, hätten sie Möser zum Schmuckkästchen gemacht", ist sich Wolfgang Gabbert sicher. Er wünscht sich, dass die Hahlos in Möser eine größere Wertschätzung erfahren.

Bislang gibt es nach Auskunft von Ortsbürgermeister Michael Bremer noch keine Vorstellung, ob und wie das hundertjährige Bestehen der Gartenstadt Möser in diesem Jahr begangen werden soll.