Er ist Zuwanderer und kennt das Gefühl, in der neuen Heimat sprachlos zu sein. Einmal die Woche unterrichtet Bright Nyerembe Migranten in deutscher Sprache. Für die Neuankömmlinge ist das Gesprächscafé nicht nur eine Unterrichtsstunde, sondern auch ein Hoffnungsschimmer.

Burg l Wenn Bright Nyerembe über einen schönen, schwarzen Pullover spricht, muss er sich konzentrieren. Ein weiches `sch` ist zu hören, das `ö` ist mit Absicht langgezogen. Er ist kein Muttersprachler. 1995 kam er aus Tansania, um in Friedensau zu studieren.

Mit seinen drei Kindern spricht er heute zu Hause in Burg nur Deutsch.

Lernstunden für die Integration

Vor ihm sitzen sechs Menschen unterschiedlicher Herkunft, jung und alt, die aufmerksam lauschen, wie Bright Nyerembe `schön` sagt.

Sie wollen deutsch lernen, um in ihrer neuen Heimat Burg nicht mehr sprachlos zu sein. Ob sie ihre Sprachkenntnisse auch auf lange Sicht gebrauchen werden, ist nicht sicher. Bright Nyerembe unterrichtet Flüchtlinge. "Wie lange sie noch da sind, ist nicht sicher", sagt der ehrenamtliche Lehrer.

Er möchte, den Flüchtlingen mit seinem Angebot zumindest das Gefühl geben, angenommen zu werden. Die Sprache ist der erste Weg, "um einen Ort des Willkommens zu schaffen", sagt er.

Für die sechs Gesprächscaféteilnehmer ist der Ort des Willkommens das Gemeindehaus Sankt Petri. Sie kommen aus Mali, der Elfenbeinküste oder Afghanistan. Ein `ö` ist für sie alle schwer auszusprechen. Langsam gehen sie den Dialog durch. Ein Gespräch in einem Modegeschäft.

Es soll um Alltagssituationen gehen. "Behördendeutsch lassen wir bewusst außen vor", erklärt der ehrenamtliche Lehrer. Dreimal wiederholt Mamadou Baldek aus Mali das Wort `schön`. Es klingt bei ihm wie `zohn`. Er lächelt, als es besser gelingt.

Berthe Savadogo tut sich schwer mit dem Konjugieren von `können`. "Was kannst du?", fragt Bright Nyerembe und blickt den jungen Mann aus der Elfenbeinküste auffordernd an. Der ist seit 2013 in Burg, floh vor kriegerischen Unruhen, verlor seine Mutter, als er klein war und kann ... Berthe möchte sagen, dass er Autos reparieren kann. Das hat er gelernt. Doch der Sprachschüler kommt nicht auf die richtige Form des Verbs. Der Lehrer und seine Mitschüler helfen ihm. Als Mechaniker arbeiten, das würde Berthe Savadago gern. "Arbeiten, das heißt gebraucht werden", sagt Bright Nyerembe. "Viele Asylbewerber fühlen sich einfach nur nutzlos", erklärt er.

Seit März bietet die Gemeinde Migranten und Flüchtlingen den Sprachkurs montags um 14.30 Uhr an. "Der soll nicht den offiziellen Sprachkurs des Landkreises ersetzen", betont Christel Menz, Leiterin der Freiwilligenagentur in Burg, die das Gesprächscafé gegründet hat. Von der Idee, eine offene Runde zum Deutschlernen anzubieten, sei "unser Bright", wie sie ihn nennt, sofort begeistert gewesen.

Gesprächscafé ist gut besucht

Der Kurs ist immer gut besucht, sagt der Lehrer. Die Gesichter, die vor ihm sitzen, haben seit März oft gewechselt. "Hinterher erfährt man, wenn jemand abgeschoben worden ist", sagt Bright Nyerembe.