Heyrothsberge l Viola Striewe wird ab 1. Januar 2015 Wehrleiterin in Reichardtswerben sein. Die 48-Jährige aus dem kleinen Örtchen im Burgenlandkreis hat am Institut für Brand- und Katastrophenschutz Heyrothsberge (IBK) erfolgreich den dafür nötigen Lehrgang "Leiter einer Feuerwehr" abgeschlossen.

Nun hat sie die fachliche Qualifizierung, die kleine Truppe, 24 Köpfe stark, zu führen. Erst seit vier Jahren ist Striewe in der Feuerwehr aktiv. Und nun schon Wehrleiterin? ,,Wir sind ein kleiner Ort, wir brauchen die Feuerwehr. Man hat mich gefragt, traut es mir zu, auch menschlich. Ich mir auch", sagt Viola Striewe. ,,Wir haben eine Jugendgruppe mit neun Mitgliedern." Das gibt ihr Hoffnung. Ihr Arbeitgeber, sie arbeitet bei einer großen Fastfoodkette, steht ihrem Engagement aufgeschlossen gegenüber.

Zum Lehrgangsabschluss wurde Viola Striewe überrascht. Seit der Umbenennung und Neustrukturierung der Fachschule der Feuerwehr im Jahr 1991, vormals als Feuerwehrschule der Provinz Sachsen am 22. Mai 1938 gegründet, ist sie die 100.000 Lehrgangsteilnehmerin. Da gab es dann zusätzliche Glückwünsche, eine Urkunde und eine kleine Erinnerung, verbunden mit Worten des Dankes und der Anerkennung, die wertschätzen und ermutigen sollen.

,,Wehrleiter sind Manager, auch und gerade in freiwilligen Feuerwehren, die ehrenamtlich sind, ist das nicht hoch genug zu schätzen", sagt Hartmut Eipper. Er ist Referent im Innenministerium für den Brand- und Katastrophenschutz.

Im Land geht man davon aus, dass die zahl der Wehren sinken wird. Erhebungen gehen davon aus, dass pro Jahr ein Prozent der Wehren verschwindet. Gerade im ländlichen Bereich sinkt die Einsatzbereitschaft am Tage weiter ab. Nur jede dritte Wehr kann das noch gewährleisten. Da sind neue Formen der Zusammenarbeit benachbarter Wehren gefragt. Zunehmend wird ein Gedanke wichtig, sagt Frank Mehr, Chef der Stabsstelle Weiterentwicklung und amtierender Direktor des Instituts für Brand- und Katastrophenschutz Heyrothsberge: ,,Frauen für die Feuerwehr zu gewinnen."

Zwischen 4000 und 5000 Feuerwehrleute und Mitglieder von Hilfsorganisationen wie dem Technischen Hilfswerk gehen im Jahr in Heyrothsberge ,,in die Schule". Die ehrenamtlichen Kräfte sind der absolute Schwerpunkt, die auszubilden sind. Berufsfeuerwehrleute werden hier jedoch ebenso fit gemacht wie etwa Einsatzkräfte in dem seit 1987 bestehenden Ausbildungszweig Höhenrettung. Hier gibt es sogar internationale Zusammenarbeit. Aus den deutschsprachigen Alpenländern lassen sich immer wieder Höhenretter in Heyrothsberge schulen. Zunehmend wichtig in der Ausbildung wird auch der Einsatz an Windrädern.

,,Die beachtliche Zahl von 100000 Lehrgangsteilnehmern in 23 Jahren Brandschutz- und Katastrophenschutzschule der "neuen Zeit" zeigt, dass die Bildung der Kameraden der Feuerwehren und Hilfsorganisationen des Katastrophenschutzes nichts an Bedeutung verloren hat, im Gegenteil, für die Sicherheit im öffentlichen Leben nicht mehr wegzudenken ist", betonte Frank Mehr. Das IBK sei gut aufgestellt und voll ausgelastet.

Vor allem bei der Ausbildung von Führungskräften könne man aktuell den Bedarf nicht decken. Zunehmend wichtig in der Ausbildung wird der Katastrophenschutz. ,,Wir bilden zunehmend Mitarbeiter aus kommunalen Verwaltungen aus, die im Katastrophenschutz tätig sind. Das ist eine der Konsequenzen aus den Hochwasserfluten vor allem vom Juni 2013", erklärte Mehr. Das Zusammenspiel aller Kräfte zu organisieren sei enorm wichtig, um Notsituationen erfolgreich zu bewältigen. Dazu diene diese neue Ausbildung.