Burg/Stendal l "Der Angeklagte hat seine Opa-Position schamlos ausgenutzt." Mit diesen Worten begründete Richter Ulrich Galler gestern in Stendal die viereinhalbjährige Freiheitsstrafe wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs für einen 56-Jährigen. Demnach hat dieser seine Enkelin zweifach missbraucht und das auch noch gefilmt und fotografiert. "Widerliche Bilder", wie der Vater des Mädchens und Sohn des Angeklagten als Zeuge ausgesagt hatte.

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der gebürtige Tangermünder, der bis zu seiner Festnahme im Jerichower Land lebte, sich im Sommer 2012 an dem Mädchen vergangen hat. Mit einer als Feuerzeug getarnten Kamera filmte und fotografierte er das Geschehen. "Es tut mir leid, ich weiß auch nicht, warum ich das gemacht habe; das ging automatisch", gab der Angeklagte an.

Der geschiedene und bislang nicht vorbestrafte Angeklagte lebte mit seinem Sohn, dessen Ehefrau und der Enkelin zur Tatzeit unter einem Dach. Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Jahre Haft gefordert und den Angeklagten als "Jammerlappen" bezeichnet, der die Schuld auf andere schiebe. Der 56-Jährige hatte die Taten gestanden, als Ursache Familienstreitigkeiten und Alkohol genannt. Ein Gutachter hatte ihm volle Schuldfähigkeit bescheinigt. Die Richter sprachen dem Mädchen 5000 Euro Schmerzensgeld zu.

Der Vater des Mädchens hatte die Kamera per Zufall gefunden. Und noch weitere Bilder auf dem PC des Angeklagten. Er habe seinem Vater vertraut und ihm die Tochter bei Abwesenheit zur Beaufsichtigung in Obhut gegeben. Und diese sei gerne bei ihrem Opa gewesen. Fast 20 Minuten währte das den zweifachen Missbrauch dokumentierende Video, das sich das Gericht gestern anschaute.