Er liegt unscheinbar am Rande der Kreisverwaltung, der so genannte Haseloffsche Privatfriedhof. Das gesamte, etwa 300 Quadratmeter große Grundstück wird neu gestaltet und ein Beitrag für die Landesgartenschau (Laga) sein.

Burg l Das Areal, das dem Landkreis gehört, ist in den letzten Jahrzehnten verwildert und war dem Vandalismus preisgegeben. Dieser Zustand soll sich nun ändern, betont Kreis-Pressesprecher Henry Liebe. Auch deshalb, weil die Außenanlagen der Kreisverwaltung neu gestaltet und zuvor die alten Garagen und eine Baracke abgerissen werden sollen.

Eine Landschafts- und Gartenbaufirma hat damit begonnen, den Wildwuchs zu beseitigen und das ehemalige Grundstücksniveau wieder herzustellen. "Die umgestürzten und zum Teil verschütteten Grabsteine sollen geborgen und in Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde saniert, wieder aufgestellt oder liegend gelagert werden. Die Spuren von Graffiti werden beseitigt", ergänzt Liebe.

Geplant ist auch, die Umfassungsmauer zur Friedhofstraße einschließlich der anschließenden Grundstücksmauer der Kreisverwaltung zu sanieren. "Auch die marode Einfassung zur Kreisverwaltung hin wird beseitigt und das Friedhofsgelände in diese Richtung abgeböscht."

Ziel ist es, dieses Kulturgut denkmalgerecht zu erhalten und - im Hinblick auf die Landesgartenschau in Burg - auch zu präsentieren. Die Planungen des Landkreises sind allerdings noch nicht abgeschlossen. Unabhängig davon soll das Vorhaben zum Jahresende abgeschlossen sein.

Eine Präsentation zur Laga wird sich auch deshalb lohnen, weil der Tuchfabrikant Haseloff eng mit der Industriegeschichte der Stadt verbunden ist.

Rückblick auf Tuchfabrikation

Im 18. und 19. Jahrhundert entwickelte sich Burg zu einer Hochburg der Tuchfabrikation. Zum Produktionsprozess gehörte das Walken der Tuchballen, um den Filz zu verdichten. Das geschah zu dieser Zeit nicht vor Ort, sondern in den Walkmühlen, die sich entlang der Ihle befanden. Walkmühlen waren damals die Jürgensmühle, Grünthalmühle und die Klappermühle bei Friedensau. Die Tuchballen wurden auf Handkarren dorthin transportiert. Der Burger Tuchmacherweg erinnert an diese Zeit. Der Transport war eine schwere Arbeit, die Sommer wie Winter von den Lehrlingen, durchgeführt wurde. Besonders der Rücktransport der nassen und nun schweren Tuchballen zu den Rähmgärten in der Stadt Burg war eine Schinderei. In dem Begriff Rähmgarten steckt das Wort Rahmen. Auf diesen Rahmen wurden die Tuchballen zum Trocknen ausgerollt. Diese Rähmgärten verteilten sich im Stadtgebiet. Allein in der Scheunenstraße gab es vier davon. Es waren die Trockenplätze der Tuchfabrikanten Steinle, Gebrüder Salefsky und Schmelz. An Letzteren erinnert das alte, heute schön sanierte Wächterhaus Scheunenstraße 16. Auch damals konnte man die Tuche in den Gärten nicht unbeaufsichtigt lassen. Auch auf dem Weinberg und auf dem Gelände des heutigen Landratsamtes gab es diese Trockenplätze. Letzterer gehörte dem Tuchfabrikanten Haseloff, dessen Fabrik sich Ecke Lazarettstraße/Brüderstraße befand. Haseloff nutzte einen kleinen Teil des Areals zur Anlage einer kleinen privaten Familienbegräbnisstätte und bediente sich dazu eines alten Mühlenhügels, der heute noch erkennbar ist.

Eine weitere Windmühle stand bis zum Ende des 18. Jahrhunderts hinter der heutigen Schwimmhalle. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden mit dem Aufkommen der Dampfmaschine die Tuche an Ort und Stelle gewalkt und wohl auch getrocknet. Die Rähmgärten wurden überflüssig. Haseloff verkaufte das Gelände an den Landkreis, der dort das neue Landratsamt errichten ließ. Es wurde am 1. April 1899 eröffnet. Der kleine Friedhof führte seitdem wohl ein Schattendasein, aus dem er jetzt entrissen wird.