Katjas große Leidenschaft ist das Tanzen. Schon 2004 hegte sie den Wunsch, irgendwann zur Weltspitze zu gehören. Nach Jahren harter Arbeit, Niederlagen und Erfolgen liegt dieses Ziel in nicht mehr allzu weiter Ferne.

Burg l Die ersten Musiktöne erklingen. Unzählige Scheinwerfer richten sich auf das Tanzpaar. Still - wie zu Eis erstarrt - stehen sie in ihrer Startpose. Im nächsten Moment wirbeln sie übers Parkett. So schnell, dass der Zuschauer ihren eleganten Bewegungen kaum folgen kann.

Die Tänzerin in dem glitzernden roten Kleid heißt Ekaterina Kalugina (Künstlername Katja Kalugina). Ihr Tanzpartner ist der ehemalige DSDS-Kandidat Ardian Bujupi. Bei der ersten Live-Show der RTL-Sendung Let`s Dance ist Katja gerade mal 18 Jahre alt. Doch wenn sie tanzt, strahlt sie so viel Selbstbewusstsein aus, dass man die Augen nicht von ihr abwenden kann. Heute ist die aus Burg stammende Katja 21 Jahre alt und gehört schon länger zu Deutschlands erfolgreichsten Tänzerinnen.

Als Kind pendelte Katja für den Unterricht nach Berlin

Angefangen hat alles ganz unspektakulär. Beim TSC Blau-Gold in Burg nimmt die neunjährige Katja ihre ersten Tanzstunden. Etwas später bescheinigt ihr die Magdeburger Tanztrainerin Margit Diefert: "Du hast Talent." Um dieses Talent zu fördern, pendelt die kleine Katja für den Unterricht drei bis viermal die Woche von Burg nach Berlin. Nebenher macht sie als Kindermodel Fotos für Textilunternehmen. Zudem spielt sie eine Rolle in einem Musikvideo der Sängerin Jeanette Biedermann. Ihre große Liebe ist und bleibt aber der Tanz. "Mein Riesenwunsch ist es, Weltmeister im Lateintanz zu werden", sagte die elfjährige Katja dem Volksstimme-Reporter Bernd Körner schon damals.

Seitdem sind zehn Jahre vergangen. Zusammen mit ihrem Tanzpartner Dmitry Dabrov belegt Katja mittlerweile den 35. Platz der Weltrangliste. Bei der Deutschen Meisterschaft in Gießen im Mai 2014 ertanzte sich das Paar mit ihrer Kür "Two White Birds" den vierten Platz. Erst im vergangenen Jahr haben die beiden sich zudem selbstständig gemacht. Sie treten nicht nur bei Turnieren an, sondern geben auch selbst Tanzunterricht, entwickeln Choreographien und treten auf Modeshows und privaten Veranstaltungen auf.

"Mein großes Ziel ist es immer noch, als Profitänzerin irgendwann zu den Besten der Welt zu gehören", sagt die hübsche, 1,65 Meter kleine Tänzerin mit den strahlend blauen Augen.

Nach ihrem ersten Auftritt bei Let`s Dance im Jahr 2012 war sie auch in der diesjährigen Show wieder dabei, diesmal an der Seite von Schauspieler Dirk Moritz. "Die Zeit bei Let`s Dance war anstrengend, hat aber auch sehr viel Spaß gemacht", erzählt die 21-Jährige. Das Performen vor Publikum ist nichts Neues für sie, jedoch sei eine Fernsehsendung etwas ganz anderes als ein Turnier. "Da zählt eben nicht nur das Können, sondern auch der Promi-Status", erklärt sie. Mit Ardian Bujupi erreichte sie die sechste Live-Show, 2014 schafften sie und Dirk Moritz es nur bis zur dritten Sendung. Dieses zweite Ausscheiden ging ihr besonders ans Herz. "Dirk war so ehrgeizig. Als wir rausgeflogen sind, waren wir beide sehr enttäuscht." Der Schauspieler und sie sind seitdem gut befreundet. Zusammen mit ihren jeweiligen Partnern haben sie in Köln Dirks Geburtstag gefeiert.

Durchs Tanzen fand sie ihre zweite große Liebe

Apropos Partner: Ja, gesteht sie, ihr Tanzpartner Dmitry Dabrov ist ihr fester Freund. Sie und der 26-Jährige kennen sich schon seit zehn Jahren. Immer wieder sahen sie sich auf Turnieren oder bei öffentlichen Veranstaltungen. Sie wurden ein Paar, aber erst seit 2013 tanzen sie auch zusammen. "Ich wollte eigentlich nicht mit ihm tanzen", erzählt Katja. Das Risiko, dass die Beziehung durch die Probleme des Berufsalltags auseinanderbricht, war ihr zu groß. Doch nach den ersten gemeinsamen Versuchen als Tanzpaar waren diese Ängste wie weggefegt. "Und es funktioniert bisher ohne Probleme", erzählt sie freudestrahlend.

Schon als Kind hat Katja hart gearbeitet. Um nicht mehr von Burg aus pendeln zu müssen, zog sie noch als Schülerin mit ihrer Mutter nach Berlin. Bis heute teilen Mutter und Tochter sich dort eine Wohnung. Ihr Hauptwohnsitz ist aber immer noch in Burg, wo die fünf Jahre ältere Schwester wohnt und arbeitet. In Berlin besuchte Katja zunächst die Sportklasse der Oberschule Poelchau und belegte den Leistungskurs Tanzen.

Nach dem Abschluss begann sie eine Ausbildung zur Bühnentänzerin. Diese beendete sie aber bereits nach drei Semestern, als das Angebot von Let`s Dance kam. Auf die Frage nach ihren Freizeitaktivitäten zuckt sie lächelnd mit den Schultern. Ihr Beruf ist ihre Freizeit und umgekehrt. Auf öffentlichen Veranstaltungen, bei Tanzevents trifft sie Freunde und Bekannte, knüpft neue Kontakte. "Das ist für mich wie feiern gehen, ich schminke mich, trage ein schönes Kleid und ziehe los."

Für Trainingscamps oder Turniere reist das Paar häufig in andere Länder. Vor kurzem erst nahmen sie an einem Turnier in Italien teil. Danach blieben sie noch für drei Tage und machten dort Urlaub. Das zeigt: Geschäftliches und Freizeit gehen bei der Burgerin nahtlos ineinander über. Ist ihr das nicht manchmal zu anstrengend? "Ich habe mir das ja so ausgesucht", erwidert sie "Tanzen ist alles für mich, Leidenschaft und Spaß, aber eben auch Berufung." Um vom Tanzen leben zu können, muss man am Ball bleiben, sich immer wieder ins Gespräch bringen. "Zwischen den Auftritten und Turnieren vergehen manchmal Monate, in denen wir kaum etwas verdienen", erzählt Katja.

Ihre fröhliche und ausgelassene Ausstrahlung will so gar nicht zu Katjas anstrengenden Alltag passen. Manchmal ist es schon hart, sagt sie, denn wenn man in der Branche weiter kommen wolle, müsse man immer 100 Prozent geben, "auch wenn man Schmerzen hat oder es einem nicht gutgeht." Bei so vielen Terminen ist es gut, dass Mutter Nadja sich um das Management kümmert. Schon damals hat sie die Castingtermine organisiert, heute filtert sie die Angebote, bucht Flüge und Tickets.

Nicht abgehoben: "Ich bin immer noch auf dem Weg"

Obwohl sie so viel unter Menschen ist, hat Katja nur sehr wenige gute Freunde. "Die ehrlichen Freunde werden weniger, je erfolgreicher man wird", erklärt Katja. Aber dafür wisse sie, die wichtigen Menschen besser zu schätzen. Dazu gehören in erster Linie ihre Familie und ihr Freund.

Das letzte Projekt von Katja und Dmitry war die Berlin Fashion Week Mitte Juli. Für die Lederdesign-Marke Rodan, sowie für den Designer Robin Rayanian eröffnete das Tanzpaar die Catwalk-Show. Für die Marke Battaglia trat Katja sogar als Model auf. Trotz ihres Erfolges ist sie bodenständig geblieben. "Für ein richtiges Model bin ich viel zu klein und sehe auch nicht gut genug aus", sagt sie lachend. Im Gespräch wirkt Katja für ihre 21 Jahre sehr reif. Sie weiß genau, was sie will und ist bereit, für ihren Traum vieles aufzugeben.

Wenn sie jetzt zurückblickt auf das ehrgeizige Mädchen von damals, hat sie selbst noch gar nicht das Gefühl, so viel erreicht zu haben. "Ich bin immer noch auf dem Weg und das Ende scheint mir noch sehr weit weg."

Platz vier in Deutschland, Platz 35 auf der Weltrangliste - was Katja und Dmitry erreicht haben, ist schon mehr als viele andere zu wünschen wagen. In den kommenden zehn Jahren kann viel passieren. Vielleicht erreicht Katja bis dahin ihr großes Ziel. Das Zeug dazu hat sie.