Dalchau/Möckern/Zeppernick l Welch seltener Anblick. Ein Exemplar der vom Aussterben bedrohten Großtrappen ist am Donnerstag auf einem Stoppelfeld bei Dalchau gesichtet worden. Vom Straßenverkehr ließ sich das als scheu geltende Tier kaum stören.

Nach Angaben von Dorothée März, Projektkoordination beim Förderverein Großtrappenschutz im Fiener Bruch, handelt es sich bei der Henne um ein Tier, das im Jahr 2013 einen Peilsender erhielt und somit auch den Menschen gewöhnt ist. 2013 waren mehrere Tiere mit Peilsendern und Fußringen ausgestattet worden. Zwei Sender hatten schon vor der üblichen Laufzeit von 24 Monaten den Dienst quittiert. Ein Sender war bei dem gesichteten Tier erkennbar.

"Die Henne lief mehrere Stunden auf einem Feld zwischen Zeppernick und Möckern entlang", berichtet Henry Bartholomäus, Sprecher der Bürgerinitiative (BI) "Unsere schöne Heimat". Auch er hatte das Tier auf dem Stoppelfeld bemerkt: "Es war ein tolles Erlebnis, diesen großen Vogel einmal in Natura zu erleben. Also es lohnt sich, dass wir uns für den Erhalt unserer schönen Heimat einsetzen." Die BI hat in ihrem Kampf gegen einen geplanten Windpark bei Zeppernick stets auf eine "Trittstein-Funktion" des betroffenen Gebietes für Trappen hingewiesen. Die Region zwischen Dalchau und Zeppernick gilt als Trappengebiet, wird derzeit aber auch als Standort eines Windparks gehandelt. Das Unternehmen Lorica Windpark Stegelitz GmbH Co. KG möchte hier zwölf Windkraftanlagen errichten.

Wiederholte Beobachtungen

Auch Dorothée März sieht sich durch die jüngste Beobachtung in ihrer Ansicht bestätigt: "In der Region hat die Großtrappe einen Lebensraum, das ist durch mehrere Beobachtungen belegt. Die Menschen sind inzwischen sensibilisierter und nehmen die Vögel jetzt bewusster wahr." Dorothée März gehört zum Schutzprojekt "Großtrappe", das seit 2009 mit Hilfe von EU-Fördergeldern den Bestand der seltenen Tiere aufpäppeln will.

Im Jahr 2001 gab es in Sachsen-Anhalt nur noch fünf Großtrappen. Inzwischen ist es gelungen, den Bestand in Sachsen-Anhalt wieder auf knapp 60 Tiere zu erhöhen. Das Fiener Bruch und angrenzende Flächen bilden derzeit den Kernlebensraum des Großtrappen-Restvorkommens in Sachsen-Anhalt. Im Fiener Bruch wurde ein Schutzareal errichtet, in dem die Vögel erfolgreich brüten können. Wenn die Jungtiere flu¨gge sind, begeben sich die Trappen auf Reisen und landen auch auf den landwirtschaftlichen Flächen zwischen Loburg, Zeppernick und Brietzke.

"Die Beobachtung macht klar, dass die Tiere die alten Flugkorridore immer noch nutzen. Solche traditionell genutzten Einstände außerhalb der existierenden Kernlebensräume besitzen eine wertvolle Trittsteinfunktion, die für eine Wiederbesiedlung ehemals ständig genutzter und nach wie vor potenziell für Großtrappen geeigneter Flächen unbedingt erhalten bleiben muss", erklären die Trappenschützer aus dem Fiener Bruch.

Dorothée März weiß: "Windkraftanlagen sind Störfaktoren fu¨r die Tiere, denen schon jetzt nur noch ein Prozent ihres ursprünglichen Lebensraums zur Verfu¨gung steht. Wo solche Anlagen errichtet werden, geben Großtrappen ihre Aufenthaltsplätze auf." Der geplante Windpark, liegt nach Einschätzung des Fördervereins vollständig in einem regelmäßig genutzten Lebensraum der Großtrappen. Das benachbarte Europäische Vogelschutzgebiet "Zerbster Land" ist ehemals von den Großtrappen zur Brut genutzt worden und zählt zu den "Großtrappen-Schongebieten" Deutschlands.

Die Großtrappe zählt zu den am stärksten bedrohten Vogelarten Deutschlands und ist weltweit vom Aussterben bedroht. Die Großtrappe ist im Anhang I der EU-Richtlinie über die Erhaltung wild lebender Vogelarten gelistet. Für die hier geführten Arten sind besondere Schutzmaßnahmen hinsichtlich ihrer Lebensräume anzuwenden, um ihr Überleben und ihre Vermehrung in ihrem Verbreitungsgebiet sicherzustellen. "Um einen günstigen Erhaltungszustand der Großtrappe in Deutschland zu sichern, darf die Qualität des Lebensraumes in den verbliebenen Einstandsgebieten nicht beeinträchtigt werden", mahnt Dorothée März.

Erwachsene Hähne gehören mit einem Körpergewicht von bis zu 17 Kilogramm zu den schwersten flugfähigen Vögeln der Erde. Wer Großtrappen sichtet, möge sich beim Förderverein Großtrappenschutz unter 0174/71 41 683 melden.

www.grosstrappe.de