Gerwisch l Petra und Roland Seve- riens aus Gerwisch begingen vor einigen Tagen das Fest der goldenen Hochzeit. Da sie dieses Jubiläum am schönen Gardasee verbrachten, hatte sich die Gerwischer Ortsbürgermeisterin am Mittwoch zur offiziellen Gratulation angemeldet. Mit einem Glas Sekt ist im gepflegten Garten hinter dem Haus auf die Gesundheit und auf noch viele gemeinsame glückliche Jahre angestoßen worden.

Die Eheleute Severiens waren nach der Wende aus Hannover nach Sachsen-Anhalt gekommen. Roland Severiens hatte hier das Bundesvermögensamt mit aufgebaut. Er war schon ab 1990 in Magdeburg tätig. Seine Frau zog vier Jahre später hinterher. Im Domblick wurde ein kleines Häuschen bezogen. Vom Osten wussten sie vor der Wende so gut wie nichts. Nur eine Nachbarin hatte entfernte Verwandte, die mit Päckchen versorgt wurden. Da wussten sie wenigstens, was fehlt im Osten.

So waren die Berichte, die Roland Severiens nach seiner Arbeitswoche in der Wohnung in Hannover ablieferte, für Petra Severiens die reinste "Märchenstunde". Und doch hatte einst die Existenz der DDR die beiden Jubilare zusammengebracht. Denn an einem bundesdeutschen Feiertag, dem 17. Juni (Tag der Deutschen Einheit von 1954 bis zur Wiedervereinigung), lernten sie sich im Schwimmbad kennen.

Die Hochzeit fand seinerzeit in Bremerhaven statt, an einem "tierisch heißen" Tag. Aber in der Kirche sei es schön erfrischend gewesen, erinnert sich Petra Severiens. Die Silberhochzeit wurde in Hannover gefeiert. Die beiden Kinder wohnen noch dort. "Wir sind schon eine komische Familie", sagt Petra Severiens. "Während bei den meisten die Kinder ausziehen, sind wir, die Eltern, ausgezogen."

Sie hebt das Glas und meint mit einem Lächeln zu ihrem Mann und einem Blick in den Garten, sie würden auch hier im ruhigen Gewisch bleiben.