Loburg l Wie kommt ein norwegischer Künstler in das kleine und beschauliche Loburg? Ganz einfach, er hat in Norwegen einen Bericht über die Kahrling-Orgel gelesen und ist danach einfach nach Loburg gekommen. In gutem Deutsch begrüßte Tim Rishton die Besucher und wünschte allen einen "guten Appetit". Das erinnerte ein bisschen an den finnischen Sänger Samu Haber, der mal sagte "Ich habe Hühnerhaut". Nach dem brillanten Konzert mit Zugabe erhielt er als Dankeschön "nur drei Rosen, aber eingebunden sind sie viel".

"Warum sind Sie heute hergekommen?" fragte Roland Theuring die Besucher. "Weil Sie den Künstler sehen wollen oder weil Sie die Musik auf der Kahrling-Orgel genießen möchten?" Sicher traf beides zu und die Konzert-Philosophie des Norwegers wurde auch in Loburg umgesetzt.

"Nähe und Kommunikation. Hier gibt es wunderschöne Musik. Sei dabei und erleb sie," ist der erste von drei wichtigen Grundsätzen des Dom- und Konzertorganisten. "Lass die Musik erzählen. Ich spiele nur Musik, die ich wirklich mag und die ich gerne mit anderen teilen möchte", lautet der zweite Grundsatz "Programmwahl". Gute Musik habe eine Geschichte, die man erzählen können muss. Tim Rishton: "Wenn Musik nichts zu erzählen hat, so kann man es sein lassen, sie zu spielen." Und auch der dritte Grundsatz des Künstlers "Historische Orientierung" traf für das Konzert zu: Technik und Aufführungspraxis müssen der Musik dienen, nicht umgekehrt.

Debüt mit 18 Jahren in London

Schon als 18-Jähriger debütierte Tim Rishton mit großem Erfolg in London. Er studierte bei Susi Jeans und an den Universitäten von Reading, Manchester und Wales. Nach seiner Promotion über die Musik des 18. Jahrhunderts lehrte er an der Universität von Wales.

Bekannt wurde Tim Rishton vor allem als Interpret deutscher Barockmusik. Sein Repertoir reicht von Poulencs Orgelmusik und den englischen Konzerten des 18. Jahrhunderts bis zum Gesamtwerk Johann Sebastian Bachs und von Franz Schmidt bis hin zu skandinavischer Musik.

Er hielt Vorlesungen und Meisterkurse an vielen Universitäten in norwegischer, englischer und walisischer Sprache. Sowohl für den norwegischen Sender NRK als auch für die BBC, HTV und S4C produzierte er regelmäßige Radio- und Fernsehsendungen.

Der Norweger spielte zahlreiche CD ein, sowohl als Solist als auch mit Aled Jones, Simon Roberts und anderen. Aufgenommen hat er eine Reihe CDs von der Musik einiger Yorkshire-Komponisten. Dazu kommt eine Doppel-CD mit Bachs "Kunst der Fuge".

Tim Rishton schrieb neben der Publikation von Orgelmusik und zahlreichen Artikeln in wissenschaftlichen Zeitschriften, in "Die Musik in Geschichte und Gegenwart" und im "The Revised New Grove" einige Bücher über Kirchmusik, norwegische Kultur und Musikverständnis.

Nächstes Konzert mit Bengt Tribukait

Zu hören waren in der Loburger Kirche die Werke von Johann Sebastian Bach (Toccata d-moll "Dorische", Astor Piazolla ("Ave Maria", von Tim Rishton für die Orgel bearbeitet), Georg Böhm (Suite Nr 8 in f-Moll), Bjarne Slogedal (Variationen über das norwegische religiöse Volkslied "A hvor salig det skal blive"), Egil Hovland (Lux seterna sowie Interludium "Den vakreste rosen") und Kjaerlighet er lysets kilde), Felix Mendelssohn Bartholdy (Sonate IV B-Dur op. 65) und Kjell Mork Karlsen (norwegische religiöse Volkslieder).

Beim nächsten Konzert im Rahmen des "Loburger Orgelsommers" am Sonntag, 24. August, wird wieder ein Gast aus Skandinavien erwartet. Dann überbringt Konzertorganist Bengt Tribukait aus Stockholm schwedische Grüße. Er wird ab 17 Uhr Musik aus dem 16. Jahrhundert, William Byrd, bis zum 19. Jahrhundert, Robert Schumann über B-A-C-H, auf der Karling-Orgel präsentieren.

 

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