Soldbuch, Fotografien, Ansichtskarten, Feldspaten und Handbuch der kriegschirurgischen Technik: Einen Einblick in das (Soldaten-)Leben während des Ersten Weltkrieges ermöglicht die am Sonnabend eröffnete Ausstellung des Heimat- und Kulturvereins Dannigkow.

Dannigkow l Mit 15 Mark Marschgeld, 50 Mark Entlassungsgeld, Hemd, Hose, Strümpfe, Mütze und Mantel wurde Grenadier Otto Naul am 13. Dezember 1918 nach Pretzien/Elbe entlassen. So exakt ist das auf seinem Entlassungsschein vermerkt, der in der Ausstellung des Heimat- und Kulturvereins Dannigkow 1142 e.V. einzusehen ist.

Der regionale Bezug der Exponate ist das Herzstück der Ausstellung zum Ersten Weltkrieg, die seit Sonnabend in Dannigkow zu erleben ist. Zur Eröffnung dankte Heinz-Hellmer Wegener, Vorsitzender des Heimat- und Kulturvereins Dannigkow 1142, allen Familien, die Leihgaben zur Verfügung stellten. Der Vereinschef und Ortsbürgermeister hat aus seiner eigenen Familie ebenfalls Erinnerungsstücke rausgesucht.

Dann habe er "mit dem gesprochen und mit dem gesprochen" und schließlich hatten so viele Leute Leihgaben, die sie zufällig auf dem Dachboden entdeckt oder wegen der eindringlichen Schilderungen ihrer Großeltern sorgfältig aufbewahrt hatten, nach Dannigkow gegeben, dass letztlich nur ein Querschnitt gezeigt werden kann. Mehr Platz gab der Raum neben der Heimatstube nicht her.

Dort fanden sich am Sonnabendnachmittag zur Ausstellungseröffnung zahlreiche Besucher ein, die zu einem Glas Sekt oder Wasser die Exponate besichtigten und miteinander ins Gespräch kamen.

Aber schon der Querschnitt der gesamten materiellen Zeitzeugen bietet einen spannenden Rundgang, der mit dem Titelblatt der Illustrierten Kronen-Zeitung vom 30. Juni 1914 beginnt, das mit dem Attentat von Sarajevo (am 28. Juni) aufmacht.

"Fast jeder sechste Soldat ist im Ersten Weltkrieg gefallen", erklärte Heinz-Hellmer Wegener. Neben den rund zehn Millionen Toten habe es etwa 20 Millionen Verletzte gegeben. "Unsere Ausstellung soll erinnern, mahnen und gedenken." Dass alles getan werden müsse, um einen Krieg zu verhindern. Denn, und da bezog sich Heinz-Hellmer-Wegener auf den Historiker Christopher Clark - der in seinem Buch "Die Schlafwandler" die Gründe für den Ersten Weltkrieg aufgearbeitet hat - "einen Krieg wollte eigentlich keiner". Aber der europäische Konsens sei 1914 vollkommen zerstört gewesen. Das habe sich verheerend ausgewirkt.

Mahnend sind für den Dannigkower Ortsbürgermeister auch die Worte seines Amtsvorgängers, der 1913 den Gedenkstein 1813 zum "Mahnen und Gedenken" einweihte. Kaum ein Jahr später war der Krieg ausgebrochen. 24 Männer aus Dannigkow verloren ihr Leben.

Während im Rundgang die Soldaten vor ihrer Einziehung noch stolz in die Kamera schauen und anfangs Ansichtskarten von der "Einbringung der ersten eroberten Geschütze und Kriegstrophäen" mit dem Brandenburger Tor in Berlin im Hintergrund verschickt wurden, werden eine Schautafel weiter die Folgen des Krieges deutlich: Immer mehr Frauen müssen in der Produktion arbeiten, die Bevölkerung wird aufgerufen, Obstkerne zu sammeln, Kriegsanleihen sind notwendig. In den Vitrinen liegen beispielsweise Fotografien von der Front, ein Korps-Tagesbefehl, ein Soldbuch und auch das Feldgesangbuch für die evangelischen Mannschaften des Heeres.

Heinz-Hellmer Wegener bedankte sich für die Unterstützung des Heimat- und Kulturvereins, vor allem bei Barbara Schulze, und bei den Sponsoren, die die Anschaffung der neuen Vitrine möglich machten. Dort sind anschaulich Feldspaten, Tornister und chirurgisches Besteck angeordnet.

Die Ausstellung kann noch bis zum Jahresende besichtigt werden. Eine Anmeldung bei Heinz-Hellmer Wegener unter (039200/5 37 96) ist notwendig.

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