Die Internetplattform Couchsurfing.org bietet Reisenden eine kostenlose Schlafgelegenheit an. Eine Möglichkeit, auch in der Fremde nette Menschen kennenzulernen. Daniel Hayes ist leidenschaftlicher Couchsurfer. Er zeigt Fremden gern Burg.

Friedensau l Daniel Hayes kann seine Übernachtungen auf fremden Sofas gar nicht zählen. Nur gehostet - so heißt das Beherbergen eines Gastes unter Couchsurfern - hat er noch nicht so oft. Seit Oktober 2013 lernt der Amerikaner Deutsch an der Theologischen Hochschule. In seinem kleinen Zimmer hat er nur sein Bett, keine Couch, die er anbieten könnte. "Einen männlichen Couchsurfer würde ich mein Bett anbieten und im Gemeinschaftsraum schlafen", sagt er. Mädchen dürfen leider nicht im Männerwohnheim übernachten.

Die Surfergemeinde umfasst laut Angaben auf der Webseite gut sieben Millionen Mitglieder. Anmelden kann sich jeder. "Man muss sich nicht verpflichten, Surfer aufzunehmen", erklärt Daniel. Gestartet ist die Seite 2004 in den USA. "Couchsurfing halte ich für die beste Erfindung seit der Erfindung des Rads", erzählt der Weltreisende Daniel. Mit seinen 22 Jahren hat er schon 46 Länder besucht. Auch dank des Couchsurfens waren es sehr schöne Reiseerlebnisse. "So lernt man die Orte mit den Augen eines Einheimischen kennen", erklärt er.

Sicherheitsbedenken beim Übernachten bei völlig Fremden habe er nicht. Bislang habe er nur eine negative Erfahrung gemacht beim Übernachten auf einer fremden Couch. Nicht, dass er ausgeraubt worden wäre. Sein isländischer Gastgeber habe einfach nicht mit ihm geredet.

Die Leute kennenlernen, das möchte Daniel. Er freut sich auch über andere Couchsurfer, die einfach nur einen Kaffee trinken möchten. Wie man bei Couchsurfing mitmacht, gibt der "Surfer" auf seinem Profil auf der Internetplattform an. Wer keine Schlafgelegenheit hat, kann sich auch mit anderen zum Kennenlernen und Quatschen treffen. "So bekommt man gute Insidertipps für die Reise. In einem Hostel oder Hotel kann man ja dann immer noch übernachten", erklärt Daniel.

Selbst in Friedensau gibt es was zu entdecken. Die Ruhe rund um den Campus mag Daniel. "Ich gehe gern im Wald spazieren", sagt der Amerikaner. Doch auch Burg oder Magdeburg bieten sich für einen Ausflug mit Couchsurfern an.

Zu erzählen hat der 22-Jährige eine Menge. Er ist in Kalifornien geboren, aufgewachsen in Trinidad-Tobago, wo sein Vater als Biologe forschte. Seine Mutter stammt aus Peru. Daniel Hayes spricht fließend Spanisch und Englisch. Ein Jahr hat er in Paris studiert, um Französisch zu lernen, ein Jahr in Beirut, Libanon, gelebt und Arabisch gelernt. Während seiner längeren Auslandsaufenthalte hat er viel gejobbt und kann so seine viele Reisen finanzieren. Couchsurfen ist dabei nicht zuletzt auch eine gute Möglichkeit, Geld zu sparen.

"Ich bin einfach gern unterwegs", erzählt Daniel Hayes. Reisen sei einfach so vielfältig. Irgendwo heimisch fühlt er sich wegen seiner internationalen Familie sowieso nicht. Im Moment besucht er seine Familie in den USA. Der nächste Flug in die Ferne ist allerdings schon gebucht. In der Ukraine macht er sich auf die Suche nach spannenden Menschen. Und natürlich hält er auch Ausschau nach der passenden Couch.