Landesweit nehmen die von Zecken verursachten Borreliose-Erkrankungen wieder zu. Im Saalekreis als Spitzenreiter wurden bis Ende Juli 29 Fälle festgestellt. Im Jerichower Land waren es 19. Redakteur Tobias Dachenhausen sprach darüber mit Amtsarzt Dr. Henning Preisler.

Volksstimme: Ist der landesweite Anstieg auch im Jerichower Land zu verzeichnen?

Dr. Henning Preisler: Im vergangenen Jahr wurden im Landkreis insgesamt 28 Borreliose-Fälle gemeldet. Bis Ende Juli dieses Jahres wurden bereits 19 Fälle gemeldet. Es ist davon auszugehen, dass wir den Vorjahreswert der Borreliose-Erkrankungen überschreiten werden.

Welche Ursache gibt es dafür?

Die Zahl der Borreliose-Fälle ist abhängig von den Zeckenaktivitäten, die erfahrungsgemäß nach milden Wintern, wie dem vergangenen, besonders früh im Jahr einsetzen. Daher kommt es zu einer größeren Zahl an Zeckenbissen, was die Gefahr einer Borreliose-Erkrankung ansteigen lässt. Mir sind allerdings keine Tatsachen bekannt, dass unser Landkreis ein überdurchschnittlich hohes Zeckenaufkommen hat.

Wie kann man sich denn am besten schützen?

Da es gegen eine Borreliose-Erkrankung keine Schutzimpfung gibt, sind andere Schutzmaßnahmen von besonderer Bedeutung. Bei Aktivitäten in Wald und Flur sollten keine Körperpartien unbedeckt bleiben, insbesondere im Bereich der Beine. Nach längeren Aktivitäten in diesen Bereichen sollte der Körper nach Zecken abgesucht werden, insbesondere Achselhöhlen, Haaransatz, hinter den Ohren, Leistenregionen und Kniekehlen.

Was mache ich, wenn ich mir nun doch eine Zecke eingefangen habe?

Zecken sollten so schnell wie möglich und fachmännisch entfernt werden, da das Erkrankungsrisiko mit der Zeit des Verbleibes der Zecke am Körper ansteigt. Die Bissstelle muss danach ungefähr 14 Tage beobachtet werden und jede Rötung ist einem Arzt vorzustellen. Das ist besonders wichtig, weil hier eine Entscheidung über eine eventuell erforderliche Antibiotika-Behandlung getroffen werden muss. Gerade eine Behandlung in diesem Anfangsstudium einer Borreliose ermöglicht gute Therapieerfolge und verhindert die gefährlichen Komplikationen an Gelenken, Herz, und Nervensystem.