Burg l "Das Schlimmste war der Schuss!" Birgit B. (51) steht der Schock ins Gesicht geschrieben. Sie hat kaum geschlafen. Vor ein paar Stunden wurde die Kassiererin Opfer eines Raubüberfalls. "Der Mann kam mit einigen Jugendlichen in die Filiale, wahrscheinlich um nicht aufzufallen. Wenig später trat er allein an die Kasse und legte eine Tafel Schokolade auf das Band." Was dann geschieht, kennt man sonst nur aus Fernseh-Krimis: "Ich kassierte ihn ab und wollte ihm noch einen schönen Abend wünschen. Plötzlich zog er eine Waffe und richtete sie auf mich. `Geld her! Geld her!`, rief er und fuchtelte mit der Pistole herum."

Doch da sie gerade abkassiert hat, ist die Kasse zu und lässt sich eigentlich erst beim nächsten Kunden wieder öffnen. Langsam verliert der Täter die Geduld und kommt Birgit B. näher. "Mach auf!", schreit er und plötzlich fällt ein Schuss. "Er streifte mich am Bein", erzählt die Mitarbeiterin. Einen blauen Fleck habe sie an jener Stelle, ob der aber vom Schuss stammt, kann sie nicht genau sagen, er könne auch schon vorher dort gewesen sein. In Panik gelingt es ihr, die Kasse mit einer Münze zu öffnen. "Ich gab ihm erst die Fünf- und Zwanzig-Euro-Scheine. `Alles, alles!`, forderte er dann. Also gab ich ihm auch die Fünfziger."

Birgit B. hat absolut richtig gehandelt. "Die Anweisung ist ganz klar: Wird ein Mitarbeiter derartig bedroht, soll er sofort das Geld herausgeben", erklärt Markt-Leiterin Magdalene Behrens. Auch sie hat die Nacht kaum ein Auge zugemacht und ist noch immer aufgewühlt. "So etwas ist uns noch nie passiert. Wir werden uns nun noch stärker wappnen."

Polizei bittet die Bevölkerung um Mithilfe

Die Polizeibeamten trafen nur wenige Minuten nach dem Vorfall ein - mit Spürhunden. Derzeit gehen sie von einem 40- bis 50-jährigen Täter aus. "Der normal bis kräftig gebaute Mann, ca. 1,70 bis 1,75 Meter groß, sprach mit einem wahrscheinlich russischen Akzent, der jedoch vorgetäuscht gewesen sein könnte", teilt Polizeisprecher Thomas Kriebitzsch mit. Bei sich führte er einen kleinen Stoffbeutel. Bisher verlief die Suche ergebnislos.

Mit zittriger Stimme schildert Birgit B. das Horror-Szenario weiter: "Der Täter machte einen gepflegten, normalen Eindruck. Jeans, helles Shirt und eine blaue Jacke darüber, ein Basecap auf dem Kopf. Er war nicht maskiert, da konnte man nichts ahnen." Nachdem er den Supermarkt mit seiner Beute von über 1000 Euro verlassen hat, eilen die Jugendlichen, mit denen er die Filiale betreten hatte, zu der Kassiererin: "Sie fragten mich, ob mir etwas passiert wäre. Ich glaube, sie waren es auch, die dann die Polizei gerufen haben."

Unternehmen sichert dem Opfer Hilfe zu

Birgit B. wird von ihren Kollegen gedrückt, es wird ihr über die Schulter gestreichelt. Das gesamte Team steht unter Schock, aber es hält fest zusammen, ist tapfer, allen voran Birgit B. - vielleicht wird sie einige Zeit brauchen, um sich von dem Schock zu erholen. Doch hinter dem noch besorgten Gesicht lässt sich eine lebensfrohe, starke Frau erkennen, die auf die Unterstützung ihres Teams bauen kann. "Sie wird auch seitens des Unternehmens alle Hilfe bekommen, um das Ganze zu verarbeiten", verspricht Markt-Leiterin Behrens.

Hinweise, welche zur Aufklärung der räuberischen Erpressung beitragen könnten bzw. direkt zum derzeitig noch unbekannten Täter erbittet die Polizei in Burg unter der Telefonnummer 03921/9200.