Maulwürfe sind possierliche Tierchen und dazu noch sehr nützlich, weil sie Engerlinge und andere Schädlinge vertilgen. Beim Anlegen ihres Höhlensystems können sie manchen Grundstücksbesitzer zur Weißglut bringen und zig Telefonate bescheren - wie in Burg.

Burg l Die städtischen Behördennummern und zuständigen Mitarbeiter kennt Wolfgang Meyer mittlerweile aus dem Kopf, wenngleich sie im Handy ohnhin alle gespeichert sind. Bei den Gesprächen via Funk dreht sich seit Wochen alles um einen tierischen Besucher in der Deichstraße. Dort ist Meyer Besitzer eines Hauses direkt an der Ihle - idyllisch gelegen. Nachdem alle Eigentumsverhältnisse jetzt geklärt sind, soll das Haus Nummer 24d, das 1932 errichtet wurde, gründlich saniert werden. Geplant sind mehrere Wohnungen. Zurzeit legt Meyer in viel Eigenleistung Hand an, "im kommenden Jahr soll es richtig losgehen", sagt er.

Die Fellnase, die jetzt Stadtverwaltung, Bauhof und Kreisverwaltung beschäftigt, ist nichts Geringeres als ein ziemlich vitaler Maulwurf. Seine Hügel sind auf dem Nachbargrundstück, das der Paasche AG gehört, deutlich zu sehen und ziehen sich wie ein roter Faden Richtung Ihle. Wäre der wendige Geselle nur dort zu Hause, gäbe es vermutlich kein Problem. Er bevorzugt allerdings den Bürgersteig an der Deichstraße und hebt Richtung Mehrgenerationenspielplatz die kleinen Mosaiksteine an. Wolfgang Meyer muss dem Treiben mehr oder weniger hilfslos zusehen.

Aus zwei Gründen: Der Gehweg gehört der Stadt und der Maulwurf ist eine geschützte Tierart.

So gehören die Anrufe beim städtischen Bauhof schon zur Routine. "Die Mitarbeiter kommen auch so schnell wie möglich und verlegen die Steine wieder neu", sagt Meyer. "Aber das kann ja keine Dauerlösung sein."

Wie die genau aussehen könnte, ist derzeit noch nicht klar. Die Stadt hat bereits Schädlingsexperte Peter Schmelter aus Burg eingeschaltet. Der Fachmann sollte abklären, ob es sich tatsächlich um einen Maulwurf handelt. "Das ist eindeutig", sagte er gestern auf Nachfrage der Volksstimme und verwies auf den Schutzstatus. Wolfgang Meyer vermutet hingegen, dass möglicherweise auch Wühlmäuse ihr Unwesen treiben könnten, was Schmelter und Bauhof-Chef Horst Pötter verneinen. Die würden die Steine nicht in dieser Größenordnung anheben.

Der Zustand soll jetzt noch weiter beobachtet werden, sagte Jens Rosczka von der Stadtverwaltung: "Wir hoffen, dass sich der Maulwurf aus dem Gehwegbereich zurückzieht, weil er dort keine Nahrung findet." Wenn nicht, müsste sogar die obere Naturschutzbehörde eingeschaltet werden - sprich das Landesverwaltungsamt Halle.

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