Bis Sonntag findet in Friedensau das diesjährige "G-Camp" statt. Das Treffen von Adventisten aus ganz Deutschland mit diesmal über 550 Teilnehmern geht bereits zum 17. Mal über die Bühne. Dabei konnte gestern auch eine Wanderausstellung zum Thema "Bausoldaten in der DDR" eröffnet werden.

Friedensau l "Wir freuen uns, dass das Interesse am Missionskamp der Adventisten in Deutschland ungebrochen scheint", freut sich Wilfried Schulz, Leiter der Veranstaltung.

Nachdem das eigentlich alle zwei Jahre stattfindende Treffen aus personellen Gründen im zurückliegenden Jahr verschoben werden musste, begrüßt der Ort Friedensau seit Dienstag fast 600 Teilnehmer. Zum Wochenende werden gut 200 weitere Besucher aus der ganzen Republik erwartet.

Zelte in Friedensau, mit Menschen, die ihren Glauben leben und mit anderen teilen wollen, das gibt es streng genommen schon seit über 100 Jahren, als auf dem Gebiet der damaligen "Klappermühle" ein Missionarsseminar aufgebaut wurde.

In dem Missionscamp von heute holen sich die Teilnehmer bei Andachten, Workshops und Gesprächskreisen Impulse für ihr geistliches Leben. Fast 20 Workshops bieten den Teilnehmern Gelegenheit, sich im Bereich Mission weiter zu bilden. Modernste Medien kommen dabei zum Einsatz, Gottesdienste werden live vom "Hope Channel" ins Netz ausgestrahlt. Die Teilnehmer sind im Alter von acht bis 80 Jahren, sagt der Pressereferent des G-Camps, Stephan G. Brass. Das diesjährige Motto des Treffens lautet "Unwiderstehlich - Hoffnung gewinnt".

Nachdem in diesem Sommer die Nutzung der Arena auf dem Zeltplatz nicht möglich ist, mussten die Camp-Organisatoren umplanen und organisierten aus der Not heraus ein "Camp der kurzen Wege", da sich das Geschehen hauptsächlich im Bereich der Bibliothek, Mensa und alten Scheune abspielt

Direkt gegenüber der Bibliothek wurde ein großes Veranstaltungszelt aufgebaut, das mehrere hundert Gäste fasst. Hier finden auch dieAnsprachen statt. Ein Sprecher der Tagung ist Gary Krause, der Leiter von Adventist Mission, einer Abteilung der Freikirche der Siebenten-Tags Adventisten. Für das nach Ende der Abendveranstaltung stattfindende Youth Special ab 22 Uhr konnte Pastor Miki Jovanovic aus München gewonnen werden.

Für die Kinder unter den Gästen findet am Freitag eine Kinder-Uni an der Theologischen Hochschule statt.

Ausstellung macht spontanen Zwischenstopp

Dem Zufall ist es geschuldet, dass spontan eine Wanderausstellung in das Camp integriert werden konnte: Dietmar Eißner lenkte die aus 24 Info-Tafeln bestehende Ausstellung "Briefe von der waffenlosen Front. Bausoldaten in der DDR" auf ihrem Weg von Merseburg nach Wittenberg über Friedensau. Eröffnet wurde sie am Mittwoch durch den Vorsteher der Freikirche in Nord- und Ostdeutschland, Johannes Naether. Hier ist sie für alle Interessierten bis Sonnabendabend zu besichtigen.

Die Ausstellung ist den Bausoldaten, den Waffendienstverweigerern in der Nationalen Volksarmee der DDR, gewidmet. Seit 1964 war diese Form des Wehrdienstes ohne Waffen in der DDR möglich, jedoch war die Entscheidung mit persönlichen Einschränkungen und Repressionen verbunden. Dennoch entschieden sich bis zum Jahr 1990 über 25 000 junge Männer (bis 26 Jahre konnte man eingezogen werden) in der DDR für diesen Weg: aus christlicher sowie friedensethischer Verantwortung. "Das sorgte für eine Art Subkultur", weil die verschiedenen Konfessionen sich hier näherkamen und Vorurteile abgebaut werden konnten", sind sich Naether und Dietmar Eißner sicher. Auch junge Adventisten wählten oft den Weg des unbewaffneten Armeedienstes.

Erarbeitet hat die Ausstellung das Thüringer Archiv für Zeitgeschichte. Im Zentrum der Ausstellung stehen Briefe von Bausoldaten, die sie an ihre Familien, Freunde und Bekannten schrieben. Fotografien und weitere Dokumente verweisen auf den Kontext der Briefe.

Nährboden für Subkultur des Kennenlernens

"Es ist ein Kapitel, das auch unsere Freikirche betrifft", sagt Johannes Naether. Denn die offizielle Haltung der Adventisten zum Wehrdienst drohte in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg die damals noch junge Adventisten-Bewegung zu spalten. "Heute vertritt unsere Freikirche einen nichtkämpferischem Standpunkt, akzeptiert aber abweichende Gewissensentscheidungen jedes Einzelnen. In Amerika haben wir sogar viele Mitglieder, die Berufssoldaten oder Militärpfarrer sind", so Naether.

Die Ausstellung "Briefe von der waffenlosen Front. Bausoldaten in der DDR" ist nur noch bis zum Sonnabend täglich bis 21 Uhr in der Kapelle von Friedensau im Otto-Lüpke-Haus zu besichtigen.

Am heutigen Donnerstag findet im G-Camp unter dem Zeltdach vor der Mensa in Friedensau eine öffentliche Lesung mit Gesprächsrunde zum 1. Weltkrieg statt. Christian Eißner liest um 18.30 Uhr ein Kapitel aus dem Buch "In Stahlgewittern" von Ernst Jünger.

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