Der Loburger Storchenhof und eine Menge Kinder aus Loburg und Magdeburg schaffen in regelmäßigen Abständen immer wieder, was die Einwohner der Einheitsgemeinde in den vergangenen Jahren nicht zu schaffen vermochten: gut genutzten Bahnverkehr zwischen der Landeshauptstadt und Loburg.

Loburg l Es passiert wie aus heiterem Himmel: Obwohl seit dem Jahr 2012 doch eigentlich kein Regionalverkehr auf den Schienen zwischen Magdeburg und Loburg verkehrt, sperren Mitarbeiter der Deutschen Bahn die Bahnübergänge zwischen Möckern und Magdeburg, um einen roten Zug der Elbe-Saale-Bahn passieren zu lassen. "Wie konnte das passieren?", fragen sich dann alle, die von dem rot-weißen Flatterband zum kurzzeitigen Zwischenstopp gezwungen worden sind.

Die Antwort gibt Evelyn Boht vom Storchenhof Loburg: "Das sind zumeist Kinder aus Magdeburg, die den Storchenhof besuchen." Und mehr noch: Der in Loburg entleerte Regionalzug wird am Bahnhof Loburg gleich wieder mit Kindern aufgefüllt. Es sind Kinder der Grundschule, des Hortes oder des Kindergartens von Loburg, die ihrerseits in Magdeburg ins Kino gehen oder das Hundertwasserhaus besuchen möchten. Am Ende eines ereignisreichen Tages passiert das Ganze dann andersherum noch einmal: Der Sonderzug aus Magdeburg bringt dann die Loburger Ausflügler wieder heim nach Loburg und nimmt auf dem Rückweg ins Bahndepot die Storchenhofbesucher mit zurück in die Landeshauptstadt.

Auch der Traditionszug könnte bestellt werden

Auf Nachfrage bei der landeseigenen Nahverkehrsservicegesellschaft (Nasa) bestätigt deren Pressesprecher Wolfgang Ball, dass diese städteübergreifende Fahrgemeinschaft zwischen Magdeburg und Loburg in der Vergangenheit schon mehrfach angewandt worden ist: "Es gab bereits einige solche Anträge von Reisegruppen, bei denen es Sinn machte, solche Sonderverkehre auf der Schiene einzusetzen, zumal die Strecke ja nicht stillgelegt ist und sich in einem nutzbaren Zustand befindet. Nach eingehender Prüfung der Anträge können wir einen solchen Sonderzug bestellen. Wir finanzieren diesen dann zum Teil auch. Ideal ist es da natürlich, wenn die Züge in beiden Richtungen ausgelastet werden können."

Bestellt wird der Sonderzug in der Regel bei der "Elbe-Saale-Bahn", einem Unternehmen der Deutschen Bahn AG. Möglich wäre es für die Nasa theoretisch auch, den Historischen Traditionszug der Loburger Dampfzugbetriebsgemeinschaft für so eine Sonderfahrt zu bestellen, sofern alle rechtlichen Auflagen erfüllt werden können - etwa die Kenntnis der Strecke durch den Lokführer.

Immer - oder mal eben auf Zuruf - geht das mit dem Sonderzug nach Loburg aber auch nicht. Eine kleine Geburtstagstruppe zum Beispiel dürfte sich wenig Hoffnung auf einen Sonderzug machen dürfen. "Der Zug muss schon voll werden", sagt Wolfgang Ball, ohne genaue Zahlen zu nennen.

Im zurückliegenden Fall waren 32 Kinder und vier Erwachsene der Magdeburger Kindertagesstätte "Kuschelbären" sowie die Grundschule Ottersleben mit 20 Kindern und zwei Erwachsenen mit dem Sonderzug nach Loburg gereist.

Nötig ist ein besonderes Mobilitätsbedürfnis

Nasa-Sprecher Wolfgang Ball spricht hier von der "Notwendigkeit eines Mobilitätsbedürfnisses, das nicht dem vorhandenen Verkehrskonzept entspricht". Das zwischen Loburg und Magdeburg vorhandene Verkehrskonzept nennt sich Landesbus 720, wurde zu Beginn mit der "Rasenden Rosi" beworben und fährt seit Abbestellung des schienengebundenen öffentlichen Nahverkehrs im Dezember 2012 mehr oder weniger rasend zwischen Loburg und Magdeburg.

Mal so eben 60 Fahrgäste zusätzlich einzupacken, das schafft selbst die "Rasende Rosi" nicht so ohne Weiteres. Daher mahnt Wolfgang Ball: "Der Verantwortliche einer solchen Ausflugsfahrt sollte den Bedarf mit den gegebenen Möglichkeiten abwägen und im Bedarfsfall rechtzeitig genug mit uns in Verbindung treten."

Gewinn macht die hundertprozentige Tochter des Landes Sachsen-Anhalt eigenen Angaben zufolge bei solchen Sonderfahrten mit dem Zug übrigens nicht, spart aber dafür die Kosten für eine ständige - aber kaum genutzte - Vorhaltung von teurem Eisenbahnverkehr auf der Strecke.

Ein gerollter Zugkilometer kostet etwa zehn Euro

Auf schlecht ausgelasteten Strecken, zu denen auch die Verbindung Magdeburg - Loburg zuletzt zählte - entspricht der Preis eines Einzelfahrscheines nur etwa einem Prozent der tatsächlichen Reisekosten für die Bahnbetreiber. Bei gut genutzten Strecken sollen es maximal 25 Prozent sein. "Generell kostet uns ein vom Zug gefahrener Streckenkilometer etwa zehn Euro", nennt Nasa-Sprecher Wolfgang Ball einen Richtwert.