Ende einer Tradition: Die Deutsche Telekom hat der Stadtverwaltung Möckern mitgeteilt, dass das vor dem Rathaus Möckern vorhandene Telefonhäuschen voraussichtlich im dritten Quartal dieses Jahres abgebaut werden wird.

Möckern l Damit gibt der Kommunikationskonzern einer Bitte der Stadtverwaltung nicht statt, die darum gebeten hatte, das entkernte Telefonhäuschen für kulturelle Zwecke weiter nutzen zu können.

"Einige Bürger haben die Idee, hier eine öffentliche und jedermann zugängliche Bibliothek einzurichten", hatte Möckerns Stadtbürgermeister Frank von Holly der Telekom mitgeteilt, nach dem der Kommunikationskonzern zum wiederholten Male darum gebeten hatte, die unrentable gelbe Telefonzelle doch endlich abbauen zu dürfen (Volksstimme berichtete). "Geht nicht", sagt der Konzern, der seit einiger Zeit überall im Lande die Telefonzellen abmontiert und in einem Waldstück bei Potsdam einlagert. Dabei ist die Idee, aus alten Telefonzellen eine frei zugängliche Mini-Bücherei zu machen der Telekom durchaus bekannt: "Die mit Abstand häufigste Verwendungs-Idee ist das Aufstellen von ausrangierten Telefonzellen als öffentliche Mini-Bibliothek", weiß auch Georg von Wagner, Pressesprecher der Telekom Deutschland.

Zellen-Lager im Wald

Von dem Lager im Brandenburgischen Dickicht könne sich die Stadt Möckern ja eine der bislang gut 3000 dorthin ausrangierten Telefonzelle wieder zurückorganisieren, schlägt ein Telekom-Mitarbeiter der Stadt Möckern in einem der Volksstimme vorliegenden Schreiben vor. Kostenpunkt für diese Anschaffung: 350 bis 450 Euro. Aber: Dafür bekommt man dann nur die schnöde Billig-08/15-Variante einer rundgelutschten Zelle in Telekom-Magenta-Weiß oder Postgelb.

Vor dem Rathaus Möckern zierte bisher jedoch ein kleines Ausnahme-Modell namens "TelH90S" mit Fachwerksprossen den Rathausvorplatz. Die schicke Variante, die im Aufbau an die typischen englischen roten Telefonzellen erinnert, jedoch in Postgelb daher kommt, würde sich der Post-Nachfolger mit einem vierstelligen Betrag bezahlen lassen wollen. Das haben Volksstimme-Recherchen schon vor einem Jahr ergeben. 5000 Euro soll die von jeder Technik befreite Telefonzelle dann immer noch kosten.

Anstatt der Stadt Möckern und einigen kreativen Bürgern der Stadt ihre Ideen zu ermöglichen, hat die Telekom bereits ihre Firma Fernmeldebau GmbH Magdeburg beauftragt, das gelbe Schmuckstück abzutragen. Wie hoch die dabei entstehenden Kosten für Rückbau sind, ist nicht bekannt.

Die Stadt Möckern hatte im Falle des Rückbaues die Wiederherstellung der Standfläche in der Form gefordert, wie sie ohne Telefonzelle entstanden wäre, inklusive Neusetzung Bordanlage und Auspflasterung des Standortes mit entsprechendem Pflaster. So wird es im Herbst also kommen.

Das Thema Telefonzellen-Rückbau war in Möckern bereits vor einem Jahr Thema. Schon damals hatte die Telekom gebeten, die öffentlichen Fernsprecher abbauen zu dürfen, weil sie keiner nutzt.

Noch Krüssau und Loburg

Ganz einfach abbauen geht aber auch nicht: Die Telekom ist an einen so genannten Versorgungsauftrag gebunden, der eine "Grundversorgung im Bereich öffentliche Telefonie" beinhaltet. Aus diesem Grunde muss die betroffene Kommune einem beantragten Rückbau des Fernsprechers zustimmen und die Bundesnetzagentur informiert werden.

Im Gebiet der Einheitsgemeinde Möckern gab es zuletzt noch vier öffentliche Fernsprecher der Telekom. Es handelte sich neben dem Häuschen am Rathaus Möckern um einen öffentlichen Anschluss an der neuen Turnhalle in Loburg, eine moderne Stele am Feuerwehrhaus Rosian sowie nach Angaben der Telekom eine weitere Stele in Krüssau am Landwarenhaus. Der Ortschaftsrat Rosian hatte bereits vor einem Jahr dem Rückbau zugestimmt, die Krüssauer weigern sich bis heute, sich von ihrem Anschluss zu trennen..