Richtig was zu feiern hatte am Wochenende der Freebikerclub Burg. Club-Präsident Ralf "Ralle" Kruttke und seine Mitstreiter hatten 20-jähriges Gründungsjubiläum und ließen es zünftig krachen.

Detershagen l "Alles begann 1992/93 irgendwie in einer Burger Garage", lässt Ralf Kruttke, heute Präsident Freebiker Clubs Burg in Detershagen, seine Erinnerungen auf die - hoppla - nun schon über 20 Jahre zurückliegenden Anfänge des Clubs zurückschweifen. Wenig später, 1994, entsteht der Club. Zeitweilig hat er über 30 Mitstreiter. Heute zählt er noch 15 Getreue. Fünf der Gründungsköpfe sind immer noch dabei. "Ja, der Nachwuchs. Wer fährt heute mit Anfang 20 Motorrad? Wer kann sich das leisten? Frau oder Freundin müssen mitspielen oder mit dabei sein", weiß der Freebiker-"Präsi".

Zum 20. Treffen seit der Gründung vor 20 Jahren rollt am Wochenende eine stattliche Anzahl blitzender und gechromter Motorräder aller Art nach Detershagen hinein. 640 Kilometer hat ein Club-Freund aus Myrska (Tschechien) auf sich genommen, um dabei zu sein. Auch Dortmund oder Rostock liegen nicht gleich hinter der nächsten Kurve. Biker aus Kassel haben im Internet vom Treffen gelesen und sich auf den Weg gemacht.

Gut 250, 300 Gäste, darunter auch Detershagener, überschlägt Kruttke später die Teilnehmerzahl. Tagesgäste fahren abends wieder. Alle anderen haben Zelte dabei, campieren auf den großen Wiesen. Kruttke und seine Mitstreiter haben das Gelände in und um den alten Konsum vorbereitet.

"Peu a peu haben wir hier seit 1994 das Gelände hergerichtet. Es hat klein angefangen mit einem Mini-Standgrill und Mugge aus dem Kofferradio und wuchs Stück für Stück", erinnert sich Kruttke. Das hat viel mit dem Selbstverständnis der Freebiker zu tun. Keiner gehört einem organisierten MC (Motorclub) an. "Natürllich gibt es auch bei uns einige Regeln, ganz ohne geht es eben nicht. Auch eine Probezeit gibt es, um herauszubekommen, ob einer zu uns passt", erläutert der "Präsi". Aber der wichtigste Leim, der den Laden zusammenhält, ist das Familiäre, das eine Gemeinschaft schafft, über die gemeinsame Leidenschaft fürs Motorradfahren hinaus. "Wir wollen auch nicht größer werden, damit dies so bleibt", sagt Kruttke.

Dass zu den Treffen stets 100, 200 oder mehr Leute kommen, hängt damit zusammen, "dass man über die Jahre doch überall Leute kennengelernt hat." "Ralle", wie er gerufen wird, war schon in Frankreich, Italien, Tschechien oder Griechenland. "Der Weg ist das Ziel. Losfahren und schauen, wo man ankommt", lautet seine Devise. "Du triffst Menschen und kommst in Ecken, die ein Fliegertouri nie kennenlernt. Genau das ist es", kommt der Mitvierziger ins Schwärmen.

Dann dreht er wieder ab. Weitere Biker treffen ein, entweder kehren sie von Rundtouren in der Gegend zurück oder reisen an. Der Freund aus Tschechien hat Probleme mit seiner Harley Davidson, eine dieser Kultmaschinen. Er wird erst nach Brandenburg, dann nach Potsdam gebracht, wegen eines wichtigen Teiles. "Wenn er es nicht bekommt, werden wir ihn nach Hause bringen, nach dem Fest. Da muss er gar nicht fragen, so sind wir hier. Diese Gemeinschaft, das ist es, was es ausmacht", sagt der Präsident. Später steht fest: Das Teil gibt es. Die Harley rollt wieder.

Das Treffen geht zum Abend auf seinen Höhepunkt zu. Rustikale Spiele und Wettbewerbe sind angesagt. Da wird eine Fußwaage mit den Händen gedrückt. 105 Kilogramm ist der Siegerwert an diesem Abend. Als hätte ein Bär sich auf die Waage gestellt ...

Der Kracher aber ist: Wer schafft im Quartett und mit Körperkraft den 15-Tonnen-Laster von Trucker Andy über 20 Meter zu ziehen? Fünf Teams wagen es. Die Kasseler sind am Zackigsten. Sie schaffen es in knapp 20 Sekunden. Das sind 3,6 Sachen - in der Stunde.

Am Abend heizen "Voku-hila" (nach dem Haarschnitt-Glamrock-Motto der 60er und 70er Jahre: "Vorne kurz, hinten lang") aus Quedlinburg und "Second Hand" aus Burg mit Handgemachten vom Feinsten dem Publikum ordentlich ein. Lagerfeuer prasselt. Deftige Düfte von Grill und Gulaschkanone wirken als Appetit- und Durstverstärker - ziemlich erfolgreich. Und als "Ralle" zum späten Abend noch eine Show-Stripperin aus dem Ärmel zaubert, sind die Biker mit und ohne Anhang gänzlich aus dem Häuschen. Erst weit nach Mitternacht verziehen sich die Unentwegtesten in ihre Zelte. Man wird eben nur einmal 20.

Eine Nachtwache wird patrouillieren, ein Auge auf die Maschinen haben, wegräumen, wo der eine oder andere Gast auf den Straßen und Wegen etwas fallenlassen hat ...

Am späten Sonntagmorgen kehrt das Leben langsam ins Biwak hinterm Club zurück, Da spürt der eine oder andere doch, dass der Abend gelungen, aber so mancher Knochen, in die Jahre gekommen von vielen 10 000 Asphalt-Kilometern, doch schon knackt und knirscht ...

Dass Biker ein großes Herz haben, zeigt eine Spendenaktion für krebs- und schwersterkrankte Kinder (dazu in der nächsten Ausgabe mehr).

   

Bilder