Wie ist es mit dem Wald in Sachsen-Anhalt bestellt? Darüber soll eine Waldzustandserhebung Aufschluss geben. Bis zum Freitag wurden landesweit über 6600 Bäume bewertet, auch in einem Waldstück bei Detershagen.

Detershagen l Mit Fernglas und Bewertungsbogen gehen Andreas Goldschmidt und Frank Zeiseweiß zu den mit weißen Nummern markierten Bäumen in einem Wald bei Detershagen. Zeiseweiß blickt durch das Fernglas. "Hier ist ein Teil des Triebes abgestorben, er hat viele braune Nadeln, und weist links Trockenreisig auf. Ich gebe ihm eine 2,4." Goldschmidt, der Neuling bei der Waldzustandserhebung, nickt und notiert. Wäre die Kiefer gesund, hätte sie eine 3,0 bekommen. Weiter geht es zum nächsten Baum.

Pro Punkt auf der Landkarte müssen sie 24 Bäume begutachten, 65 Punkte liegen in ihrem Zuständigkeitsbereich. Landesweit sind vier Teams unterwegs, die vom 27. Juli bis zum 22. August insgesamt 276 Punkte abgefahren sind. "Eine Kiefer allein kann leider keine wissenschaftlichen Ergebnisse liefern", verdeutlicht Thomas Winter, einer der Hauptverantwortlichen für die Erhebung. Die Daten fließen dann in den Waldzustandsbericht des Jahres ein, der im Herbst vorgestellt wird. "Letztendlich ist es eine Inventur der Hauptbaumarbeiten wie Kiefer, Buche oder Eiche", erklärt er. Jedes Jahr wird diese Erhebung durchgeführt.

Im vorigen Jahr gab vor allem der Zustand der Eiche Anlass zur Sorge. "Bei der sogenannten Eichenkomplex-erkrankung spielen Witterungsextreme in Kombination mit wiederholtem, starken Blattfraß eine große Rolle. In vielen Gebieten hatten die Eichen keine Erholungs- phasen", heißt es in dem Bericht. Eine Tendenz für das laufende Jahr kann dagegen noch nicht aufgestellt werden. "Da laufen insgesamt so viele Daten zusammen, so dass das jetzt noch nicht möglich ist. Allerdings hatte das niederschlagsreiche Jahr sicher einen positiven Einfluss auf den Zustand des Waldes", prognostiziert Winter.

Zurück in Detershagen: Andreas Goldschmidt und Frank Zeiseweiß sind mittlerweile beim Baum Nummer fünf angekommen. Sie schauen sich vor allem den Kronenzustand der Kiefer an. "Wenn ich da durchgucken kann, stimmt was nicht", sagt Zeiseweiß und verändert seine Position, um einen besseren Blick zu bekommen. Bäume reagieren auf Umwelteinflüsse unter anderem mit Änderungen in der Belaubungsdichte und der Verzweigungsstruktur. "Die Klimaveränderung hat eben auch Auswirkungen auf die Bäume", erklärt Winter.

Um ihre Bewertung abzuschließen, schauen Goldschmidt und Zeiseweiß auch auf den Vergilbungsgrad der Nadeln, die aktuelle Fruchtbildung sowie auf Insekten- und Pilzbefall. Neuling Goldschmidt hebt einen Zweig vom Boden auf. "Der ist hohl. Hier hat der Waldgärtner zugeschlagen. Das sieht man", sagt er und das Tier krabbelt aus seinem "Versteck" auf seine Hand. Auch das wird entsprechend notiert und fließt in die Daten des Berichtes mit ein.

Ohne forstliche Ausbildung wäre diese Aufgabe nicht zu bewältigen. "Es braucht viel Erfahrung, aber vor allem den förstlichen Götterblick", sagt Zeiseweiß mit einem Augenzwinkern.

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