Das ehemalige Konzerthaus in Burg begeistert noch heute all jene, die damals die dortigen Veranstaltungen besuchten oder selbst Mitwirkende bei Darbietungen waren.

Burg l Das Foto vom Konzerthaus in Burg weckte traumhafte Erinnerungen bei unseren Lesern. "Dort gab es Karnevalsveranstaltungen und Tanz. Meinen Mann habe ich dort auch kennen gelernt", sagte Sigrid Marquardt aus Burg. Auch Zitti Jauch aus Schartau war als junges Fräulein Gast im Konzerthaus in Burg. Eine weitere Burgerin schwärmte vom schönen Tanzboden, von den Varieté-Veranstaltungen und von den Orchesteraufführungen, "wo Herr Emmelmann dirigierte". Gerhard Hintzmann aus Burg besuchte ebenfalls die Tanzabende im Konzerthaus. Außerdem sah er sich dort die Boxveranstaltungen an. Da es in Burg einen Boxsportverein gab, standen auch deren Boxer im Ring. Des Weiteren führten so manche Betriebe ihre internen Feiern im Konzerthaus durch.

Wer in die Räumlichkeiten - dazu gehörten unter anderem ein Saal, eine Bühne und eine Galerie - des Konzerthauses wollte, musste durch das Hoftor gehen. Das machte auch Hannelore Thiem mit 15 bzw. 16 Jahren. Sie ist noch heute restlos begeistert von den damaligen Aufführungen und Veranstaltungen. "Trotz schlechter Zeiten war es eine herrliche Zeit", erinnert sie sich. "Wenn der Vorhang auf der Bühne aufging und dort saßen 50 bis 60 Männer in weißen Anzügen ... Das war herrlich ...", schwärmt Hannelore Thiem. Da gab es das Orchester Schwarz-Weiß, das Orchester Fischer, das Orchester Henkel u.a. Es wurde ein Theater gegründet, für das auch Balletttänzerinnen und Chormitglieder gesucht wurden. Hannelore Thiem nutzte die Chance und freut sich noch heute, eine von ihnen gewesen zu sein. Sie führten Operetten im großen Stil auf. Der Saal war ausverkauft. Ebenso kamen die Gäste der Tanzabende in Abendkleidern und Anzügen, ganz chic und elegant. Der Eintritt kostete eine Mark, ein Schwarzbier 30 Pfennige. Man hatte nicht viel, aber man war glücklich!

Das Konzerthaus war ausgebucht. Feuerwehrbälle, Kleingärtnerbälle, Tierzüchterbälle - es gab bestimmt kaum jemanden, dem das Burger Konzerthaus kein Begriff war.

Erika Göricke aus Burg kann noch hinzufügen, dass es das Konzerthaus seit 1877 gab. Vorher war es eine Tuchfabrik. Im Jahr 1906 brannte dieses Gebäude ab, wurde aber wieder neu aufgebaut. Außerdem weiß Erika Göricke, dass Grete Weiser im Jahr 1939 auf der Bühne des Konzerthauses in Burg stand. Erika Göricke selbst hatte dort Jugendweihe und ihren Tanzabschlussball.

Erna Skowronnek aus Möser hatte einst auch für ein großes Jugendtreffen mit ihren Schülern ein Stück namens "Heulsuse" einstudiert. Das wurde den Gästen im Konzerthaus vorgeführt. Als ehemalige Lehrerin erinnert sie sich auch daran, dass am Ende der Ferien die Kreislehrerkonferenz in den dortigen Räumlichkeiten stattfand. Sie selbst fand auch die Aufführungen des Magdeburger Theater-Ensembles immer sehens- und hörenswert.

"Wunderschön", mit diesem Wort beschreibt Annegret Schmidt aus Burg ihre Erinnerungen an das Konzerthaus. Sie wohnte gegenüber und war dort regelmäßig zum Tanz.

Geschichtliches zum Konzerthaus

In diesem Haue eröffnete der Schuhmacher und Schankwirt Emanuel Wiggert am 29. September 1877 eine Restauration mit französischen Billard. Es entwickelte sich im Laufe der Jahre eines der bekanntesten Ballhäuser Burgs. Das Foto entstand um 1900.

Die eigentliche Geschichte des Konzerthauses beginnt im Jahre 1879 - mit der Fertigstellung des Konzertsaales. Am 1. Weihnachtsfeiertag wurde der Saal mit einem Streichkonzert des hiesigen Trompetencorps eingeweiht. Interessant die Auflagen, die der Baugenehmigung beigefügt wurden. So wurde vermerkt, dass Wiggert nie die Erlaubnis für Tanzveranstaltungen erhalten werde. Es liegt kein Bedürfnis vor, die Brutstätten des Lasters zu vermehren, da es an Polizeikräften zur Überwachung fehlt. Die Nachbarn werden in empfindlicher Weise belästigt und Prügeleien im Herzen der Stadt sind schwer zu bewältigen. Und letztendlich: Die Stadt hat bereits zehn Tanzsäle. 1885 übernimmt Friedrich Pabst den Komplex, der der Einrichtung den Namen Konzerthaus gibt. 1889 weht ein frischer Wind. Neuer Besitzer ist der aus Berg-Genthin stammende Paul Basigkow.

Er entwickelt seinen Gastronomiebetrieb zum bekanntesten Ballhaus unserer Gegend. Auch ein verheerender Brand im Jahre 1906 konnte den Enthusiasmus des kleinen Monarchen, so der liebevolle Spitzname Basigkows, nicht bremsen. Ein halbes Jahr dauerte der Wiederaufbau der Brandruine. Sie entstand schöner und moderner als je zuvor. Weihnachten 1906 wurde im neuen Saal wieder gefeiert.

Das Ende des Hauses wurde 1977 mit der endgültigen Schließung eingeläutet. Vor 40 Jahren wurde das Konzerthaus gesprengt.

Den Stock-Regenschirm hat Hannelore Thiem gewonnen. Er liegt in der Lokalredaktion Burg abholbereit.

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