Wirtschaftsunternehmen werden von Eigentümern geleitet - oder von Geschäftsführern. Das Risiko trägt der Besitzer. Es gibt aber auch kommunal geführte Firmen. Hier fließen die Überschüsse in den Haushalt des Landkreises.

Burg/Genthin l Erfolgreiche Unternehmer haben eine gute Idee, ein noch besseres Produkt, die ideale Vermarktungs-Strategie und den optimalen Preis für dieses Produkt - nicht zu billig, nicht zu teuer. Für einige kommunale Firmen gibt es noch eine andere Stellschraube für den Erfolg - Gebühren. Oder Ticketpreise. Der Landkreis hat seine Finger unter anderem bei der Abfallwirtschaft und dem öffentlichen Nahverkehr im Spiel. Welche Gelder wohin fließen, veröffentlicht der Landkreis (zumindest auszugsweise) in einem sogenannten Beteiligungsbericht.

Die aktuelle Ausgabe des Beteiligungsberichts musste der Kreistag per Beschluss "zur Kenntnis nehmen". In den letzten Wochen seiner Amtszeit lässt sich Ex-Landrat Lothar Finzelberg so zitieren: "Fu¨r alle Gesellschaften gilt, dass sie sich auf einem soliden Kurs befinden und auf Marktentwicklungen reagieren." Ob das der Busfahrgast auch so sieht, der kürzlich schon wieder eine Fahrpreiserhöhung hinnehmen musste?

A wie Abfall

Ab in die Tonne mit der schmutzigen Windel. Vor jeder Haustür stehen Abfallbehälter in verschiedenen Farben für unseren Müll in allen Varianten. Gelb für Verpackungen (Grüner Punkt), blau für Papier, braun für Bio und schwarz für alles andere. Mit unseren Gebühren finanziert sich die AJL. Ausgeschrieben Abfallwirtschaftsgesellschaft Jerichower Land. Was übrig bleibt, überweist Geschäftsführer Dr. Hennig Gehm auf das Haushaltskonto des Jerichower Landes. Die AJL bewirtschaftet außer der Müllabfuhr (inklusive Sperrmüll, Kühlgeräte und Schadstoffen) auch die Kleinannahmestellen auf den Deponien in Burg und Parey. Es gibt zwei Umladestationen in Ziepel und Parey. Hier wird der gesamte Restmüll des Jerichower Landes für den Transport zum Müllheizkraftwerk in Magdeburg-Rothensee vorbereitet. Seit 2005 ist die Ablagerung dieses Mülls auf Deponien verboten.

Der Landkreis ist mit 51 Prozent Mehrheitseigner. Der Rest (49 Prozent) gehört dem Großentsorger Remondis. Interessant: Den Jahresüberschuss für das Jahr 2012 beziffert die Gesellschaft auf 1,13 Millionen Euro (Umsatz; 7,6 Millionen). Kritiker fragen: "Zahlen Grundstücksbesitzer zu hohe Gebühren?" Die AJL verfügt über eine Kapitaldecke in Höhe von 2,2 Millionen Euro. Das entspricht einem Fünftel der Bilanzsumme. Im Jahr 2012 beschäftigte das Unternehmen 33 Mitarbeiter plus Azubis und Geschäftsführer.

B wie Bus

Die Nahverkehrsgesellschaft Jerichower Land (NJL) ist hundertprozentiges Tochterunternehmen des Landkreises. Dies gilt auch für die beiden PNV in Burg und Genthin. Geschäftsführerin aller drei Firmen ist Jutta Frömmrich. Die beiden PNV vermieten ihre Fahrzeuge an die NJL inklusive den Fahrern. Die Gesellschaft hat laut dem Beteiligungsbericht des Landkreises den öffentlichen Busverkehr auf 4,1 Millionen Fahrplankilometern innerhalb eines Jahres absolviert.

Die NJL mit einem Stammkapital in Höhe von 480000 Euro ist seit 1995 hundertprozentige Gesellschafterin der PNV Burg und Genthin. Beide Gesellschaften wurden der NJL vom Landkreis übertragen.

Die Personenbeförderung lässt die NJL durch die beiden PNV-Betriebe auf vertraglicher Grundlage wahrnehmen. Hinzu kommen als weitere Anbieter private Taxiunternehmen, die unter anderem einen Teil des Rufbusverkehrs mit kleineren Fahrzeugen übernehmen.

Im Jahr 2012 hat der Landkreis keine Zuschüsse gezahlt. Den Jahresüberschuss der NJL beziffert der Landkreis auf 223000 Euro. Die PNV in Burg beschäftigt dem Beteiligungsbericht zufolge 55 Mitarbeiter. Beim Genthiner Pendant sind es 34. Die NJL hatte 2012 elf Mitarbeiter und zwei Auszubildende. Das Unternehmen verfügt über eine Million Euro Eigenkapital, hatte 2012 einen Umsatz von 8,3 Millionen Euro.

T wie Transport

Als hundertprozentige Tochter der AJL sitzt die Elbe-Havel-Logistik-GmbH ebenfalls in Genthin am Mühlenfeld. Die EHL erfasst, sortiert, verpresst und vermarktet Wertstoffe von den Industriekunden der Muttergesellschaft AJL. Fachleute sprechen von Subunternehmerverträgen. Das Unternehmen beschäftigt auch einige Fahrer, die auch für die AJL unterwegs sind. Henning Gehm ist neben der AJL auch hier der Geschäftsführer. Im Jahr 2012 hat das Unternehmen einen Umsatz von 870000 Euro erzielt. Einen Jahresgewinn von 128000 Euro erwirtschaftete die Firma mit 25 Mitarbeitern. Interessant: Mitarbeiter, die aus Altersgründen bei der AJL ausgeschieden sind, wurden durch Mitarbeiter bei der EHL ersetzt. Mit welchen tariflichen Konsequenzen?

V wie Verkehr

Unter dem Markenzeichen Marego ist der Regionalverkehrsverbund eine Service- und Managementgesellschaft des öffentlichen Verkehrs in Magdeburg sowie den Landkreisen Börde, Jerichower Land und Salzlandkreis. Die Gesellschaft erstellt Konzepte, legt einheitliche Tarife fest und kümmert sich um Marketing. Das Jerichower Land ist mit knapp acht Prozent beteiligt. Sechs Mitarbeiter und eine Aushilfe waren 2012 beschäftigt - mit einem Jahresüberschuss von 11000 Euro.

E wie Existenz

Mit 48,4 Prozent ist der Landkreis am Technologie- und Gründerzentrum (TGZ) in Genthin beteiligt. Die Firma vermittelt Betriebsräume und Gemeinschaftseinrichtungen. Zu den Dienstleistungen gehören Beratungen unter anderem für Existenzgründer und (ganz wichtig) die Vermittlung von öffentlichen Fördergeldern. Beschäftigt waren 2012 sieben Arbeitnehmer, davon zwei in Teilzeit. Eigenen Angaben zufolge haben die TGZ-Leute 600 Gründungsberatungen absolviert - 66 weniger als im Jahr zuvor. Entsprechend hat sich der Umsatz verringert auf 600000 Euro.

I wie Innovation

Das TGZ ist mit zehn Prozent am Magdeburger Erfinderzentrum Sachsen-Anhalt (ESA) beteiligt. Es geht um die Förderung und Sicherung von Erfindungen sowie Unterstützung beim Urheberrecht. Beteiligt sind zudem das TTI (Technologietransfer und Innovationsförderung) Magdeburg, die Gemeinde Mittelland und die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises Quedlinburg. Geschäftsführer ist Dr. Günter Ihlow.

G wie Geld

Nicht Anteilseigner sondern Träger der Sparkasse ist der Landkreis. Fachleute sprechen von einer Gewährs- trägerschaft. Der Gewinn der Sparkasse fließt nicht wie bei NJL und AJL in die Landkreiskasse, aber wie dort wird der Verwaltungsrat mit dem Landrat an der Spitze aus dem Kreistag rekrutiert. Die Sparkasse beschäftigte 2012 insgesamt 204 Mitarbeiter und 22 Auszubildende. Außer der Hauptgeschäftsstelle in Burg gibt es 15 Filialen im Landkreis, eine fahrbare Geschäftsstelle und zwei Selbstbedienungs-Filialen. Die Bank verwaltet Kundeneinlagen in Höhe von 645 Millionen Euro. Den 2012er Gewinn beziffert das Geldinstitut auf 827000 Euro.

L wie Lohn

10000 Euro - das ist die Summe, die die NJL im Laufe eines Jahres an die Mitglieder des Aufsichtsrates ausschüttet. Die zehn Mitglieder des Sparkassenverwaltungsrates erhalten jährlich insgesamt 29000 Euro.