In diesem Jahr wurden im Jerichower Land schon mehr als 200 Räder gestohlen. Dabei kann das richtige Schloss es dem Dieb sehr schwer machen.

Burg/Genthin l Ralf Meier* spaziert mit seinem Jutebeutel zum Supermarkt in Burg. Eigentlich ist er leidenschaftlicher Radfahrer und erledigt seine Einkäufe mit seinem geliebten Zweirad. Genau dieses wurde ihm allerdings vor ein paar Wochen gestohlen. Doch, wie es der Zufall eben so will, siegt auch manchmal die Gerechtigkeit - beziehungsweise: es verliert die Stumpfsinnigkeit. Denn da fährt doch tatsächlich sein Fahrrad an ihm vorbei - nur mit dem falschen Fahrer. Unvermittelt stellt Ralf Meier den vermeintlichen Dieb und es gelingt ihm, ihn festzuhalten, bis die Polizei eintrifft und den Verdächtigen mit auf die Wache nimmt. So passiert in Burg vor zwei Wochen.

Fahrraddiebstähle nehmen zu

Die Ausreden sind dann immer die gleichen, sagt Thomas Kriebitzsch: "Vorwände wie `Das Fahrrad hab ich von meinem Kumpel bekommen` glauben wir schon lange nicht mehr", erzählt der Polizeisprecher. Tatsächlich scheinen Fahrraddiebe es vermehrt aufs Jerichower Land abgesehen zu haben. "2012 hatten wir 220 gemeldete Fahrrad-Diebstähle, 2013 waren es 226 und in diesem Jahr haben wir dieses Niveau bereits erreicht", so Kriebitzsch weiter. Woran das liegen könne, ließe sich nur spekulieren. "Es wird immer mehr radgefahren, aus Fitness- oder Kostengründen fahren die Menschen vermehrt mit dem Rad zur Arbeit. Und je mehr Fahrräder im Umlauf sind, desto mehr wird wahrscheinlich auch geklaut."

Auch die Verkehrsunfälle mit Radfahrer-Beteiligung scheinen zuzunehmen. Besonders häufig ereignen sich diese montags und freitags. "Wir lagen 2013 bei 83 Unfällen mit 57 Verletzten, dieses Jahr sind es bereits 76 mit 61 Verletzten. Radfahrer haben natürlich keine Airbags und meistens leider nichtmal einen Helm, die Verletzungsgefahr ist also sehr hoch. Glücklicherweise ist bei diesen Unfällen niemand ums Leben gekommen."

Um Diebstähle und Unfälle einzudämmen, veranstaltete die Polizei Sachsen-Anhalt gestern einen Aktionstag. Unter der Leitung von Frank Eismann empfingen die Polizei, das Landeskriminalamt, die Verkehrswacht und erstmals auch die Verbraucherzentrale interessierte Radfahrer auf dem Gummersbacher Platz in Burg.

Der Kauf des richtigen Schlosses kann beim Diebstahlschutz eine entscheidende Rolle spielen: "Massive Bügel-, Panzerkabel- und Faltschlösser bieten sicherlich einen höheren Diebstahlschutz. Ungeeignet hingegen sind dünne Ketten oder Kabelschlösser, Diebe können diese meist ohne größeren Aufwand durchschneiden. Das richtige Schloss kann es einem Dieb schon schwer machen", erklärt der Polizeihauptmeister. Einen hundertprozentigen Diebstahlschutz gibt es nicht.

Codierung als Hilfe zur Aufklärung

Als Indizien für gute Schlösser sollte man Gewicht und Preis beachten: "Hochwertige Schlösser sind in der Regel recht schwer und können gut mal über ein Kilogramm wiegen, das sollte man jedoch in Kauf nehmen. Als Faustregel für den Preis gilt, dass das Schloss ungefähr zehn Prozent des Fahrradpreises kosten sollte", so Eismann, der solche Aktionstage seit Jahren durchführt. "Weiterhin sollte man den Rahmen seines Zweirads an einen festen Gegenstand schließen, damit es nicht einfach weggetragen werden kann."

Ist das Fahrrad schon gestohlen, hat man bessere Chancen es wiederzubekommen, wenn man es vorher codieren lassen hat. Das dauert gerade mal fünf Minuten und kostet etwa zwei Euro. Die Codierung wird zum Beispiel von der Verkehrswacht angeboten. Damit ist das Fahrrad individuell gekennzeichnet und enthält verschlüsselt Landkreis, Ort, Straße und Hausnummer, in dem der Besitzer wohnt, sowie dessen Initalien. "Derzeit liegt unsere Aufklärungsquote von Fahrraddiebstählen bei 15 bis 20 Prozent. Bei Kontrollen können wir mit der Codierung sofort sicherstellen, dass es sich um den Besitzer des Fahrrads handelt", sagt der Fachmann.

Kostenloser Tüv fürs Zweirad

Ein weiterer wichtiger Punkt der Fahrradsicherheit ist der Fahrrad-Tüv, der kostenlos angeboten wird. Hierbei werden unter anderem Bremsen, Beleuchtung, Steuerung, Pedalen, Tretlager und Ketten kontrolliert. Ein Zweirad, das den gesetzlichen Vorschriften entspricht, bekommt dann das Tüv-Siegel. "Räder, die nicht technisch einwandfrei sind, stellen natürlich ein höheres Unfallrisiko dar", mahnt Eismann.

Viele Interessierte besuchten den Aktionstag, um ihr Fahrrad vor Ort codieren oder kontrollieren zu lassen - einige holten sich auch einfach ein paar nützliche Tipps. Im nächsten Jahr wird die Aktion wieder stattfinden.

* Name geändert