Der Ortschaftsrat Möckern hält von einem Auszug der Möckeraner Stadtbibliothek aus ihren derzeitigen Räumen an der Kita "Birkenhain" gar nichts. So lautet das Fazit einer Beratung am Dienstagabend.

Möckern l Wie die Volksstimme berichtete, möchte die Wohnungsbaugesellschaft Möckern den Jugendclub als künftige Hauptgeschäftsstelle nutzen. Weil der Platz aber nicht ausreicht, soll auch die daran angrenzende Bibliothek ausgeräumt und rund hundert Meter weiter in der leeren Baracke des ehemaligen Broilerverkaufes am Kreisverkehr eingerichtet werden.

Kita soll Rücksicht auf Wobau nehmen

Aus mehreren Gründen stößt dieses Vorhaben bei den Möckeraner Ortschaftsräten auf Unverständnis. So wird der derzeitige Standort der Bibliothek auf dem umzäunten Kita-Gelände im Hohenziatzer Weg für optimal befunden. Die direkte Nähe zu den Kindern als gewollte Nutzer der Einrichtung könne besser nicht sein. Dem Nachbarschaftsverhältnis zwischen Bürobetrieb und Kinderspielplatz direkt vor den Fenstern der neuen Wobau-Zentrale wird dagegen mit Skepsis entgegengeblickt. Zumal im schon erarbeiteten Mietvertrag festgehalten ist, dass Wobau und Kindergarten zu gegenseitiger Rücksichtsnahme angehalten werden sollen. Den betreffenden Paragrafen im Mietvertrag lehnen die Ortschaftsräte durchweg ab.

Auch birgt eine Räumung des ehemaligen Jugendclubs ein Raumproblem für den Kita-Hausmeister. Der Raum wurde von ihm zuletzt als Lager und Werkstatt genutzt.

Möckerns Ortsbürgermeister Detlef Friedrich wagte in der Diskussion zu bezweifeln, dass der Plan der Stadt realistisch ist, die neu angedachten Bibliotheksräume im Hähnchenverkauf für 50 000 Euro angemessen herzurichten: "Da müssen doch die sanitären und elektrischen Einrichtungen erneuert werden und eine Dämmung erfolgen. Und das alles für nur 50 000 Euro?"

Umbaukosten in Höhe von über 250 000 Euro

Die Wohnungsbaugesellschaften Möckern und Loburg als 100-prozentige Tochtergesellschaften der Stadt Möckern hatten seit ihrer fortschreitenden Zusammenlegung zu einer sogenannten Organschaft nach neuen Räumlichkeiten für eine Hauptgeschäftsstelle gesucht und schnell entschieden, dass diese im Wohngebiet Möckern liegen sollte, weil hier die meisten Mieter sind. Nach dem jüngst erfolgten Anbau eines Aufzuges an einen Hauseingang im Hohenziatzer Weg hätte dafür dort die oberste Etage genutzt werden können - Räume, die aber auch gut als altengerecht vermietet werden könnten. Es blieb die Variante Jugendclub/Bibliothek, da auch diese Räume der Stadt gehören.

Ortsbürgermeister Detlef Friedrich erinnerte daran, dass es bei dem Stadtratsbeschluss zur Zusammenführung der Wohnungsbaugesellschaften Loburg und Möckern geheißen habe, es entstünden der Stadt Möckern dadurch keine Kosten. Nach seiner Kenntnis schlage der nun von der Stadt und der Wobau angestrebte Umbau von Jugendclub und alter Bibliothek mit über 250 000 Euro in den Büchern der Wobau zu Buche. Stadtbürgermeister Frank von Holly gab gestern auf Volksstimme-Nachfrage die Baukosten für die neue Wobau-Zentrale mit über 200 000 Euro an. Mit Blick auf die Einsparungen, die durch die Zusammenlegung der Wohnungsbaugesellschaften entstünden, sprach von Holly von einer erwiesenen Wirtschaftlichkeit des Umbauvorhabens.

Im Ortschaftsrat Möckern kam am Dienstag die Frage auf, ob man für dieses Geld nicht vielleicht ein Gebäude des in Möckern ansässigen Unternehmens Heinz von Heiden errichten lassen könnte. Ein Musterhaus des Bauunternehmens gebe es bislang ja nicht im Ort, so die Ansicht einer Ortsrätin.

Andere Überlegungen zielten darauf ab, andere leerstehende Gebäude im Wohngebiet zu nutzen, etwa den Konsum.

Nicht einverstanden sind die Ortschaftsratsmitglieder auch mit dem von der Stadtverwaltung angedachten Verfahren bei der Umsetzung der Büchereiumzuges: Für die Dauer des Umbaus sollen die Bibliothek im Herbst geschlossen bleiben und die Bücher in ungeheizten Baustellenbereichen untergestellt werden. "Dann nehmen sie doch Schaden", befürchten die ehrenamtliche Bibliotheksleiterin Regina Falke und der Ortschaftsrat unisono. Die Empfehlung der Räte lautet daher: "Wenn überhaupt ein Umzug, dann muss gelten: Erst werden die neuen Räume saniert, dann wird der alte Standort ausgeräumt."

Der Ortschaftsrat Möckern wird in der Angelegenheit allerdings nur angehört und hat keine Entscheidungsmacht. Als nächstes berät zum Thema der Haupt- und Finanzausschuss.

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