Für den "Lebensraum Kirchturm" erhielt der Förderverein St. Nikolaus Kirche Nedlitz eine Auszeichnung vom Nabu. Die Mitglieder setzen sich dafür ein, dass Turmfalken, Schleiereulen und Fledermäuse im Kirchturm nisten können.

Nedlitz l Mike Jandl machte sich Sorgen um die Schleiereulen. Vor drei Jahren kehrten sie nicht zum Brüten in den Nedlitzer Kirchturm zurück. Er erkundigte sich beim Naturschutzbund, ob im Turm vielleicht der Kasten falsch hänge oder sonst ein Fehler gemacht worden war. Die Ursache für das Ausbleiben war jedoch keine spezifisch Nedlitzer, erfuhr Mike Jandl. Die Population der Schleiereulen war so geschrumpft, dass einfach kein Paar für den Kirchturm der St. Nikolaus übrig geblieben war. "Ich habe dann gefragt, ob wir noch mehr machen können", blickte Mike Jandl zurück. Er ist Mitglied im Vorstand des Fördervereins St. Nikolaus Kirche Nedlitz und hat sich als Jäger auch dem Naturschutz verschrieben.

Sven Königsmark, Vorsitzender des Nabu-Kreisverbandes Jerichower Land, schickte per E-Mail eine Bauanleitung für Fledermauskästen, von denen zwei Stück für den Kirchturm angefertigt wurden. Jochen Rudolph und Claus Bierhals erhielten von Tischlermeister Dennis Mickelun tatkräftige Unterstützung, da beispielsweise für die Nuten das Können eines richtigen Tischlers gefragt war. Horst Styhler baute zudem zwei Eulenkästen für den Nedlitzer Kirchturm, so dass mit den Turmfalken insgesamt sechs Paare im Turm nisten können.

"Wir hoffen auf reichlich Dauergäste im nächsten Jahr", sagte Mike Jandl. Die Kästen werden angebracht, wenn die Kirche im Herbst ihre dritte Glocke erhält. Die wird Ende des Monats in Lauchhammer unter Beisein vieler Nedlitzer gegossen, informierte Dr. Peter Weber, Vorsitzender des Fördervereins.

Für ihr Engagement erhielten die Nedlitzer am Dienstag von Sven Königsmark eine Plakette, die sie für den "Lebensraum Kirchturm" auszeichnet, den sie den Tieren bieten.

Selbstverständlich sei dieser Einsatz heute nicht mehr, erklärte Sven Königsmark. Seit dem die Kirchen vielerorts saniert worden seien, wurden die Zugänge für die Vögel in die Kirchtürme verschlossen, um den Dreck zu vermeiden, den die Tiere unvermeidlich mitsichbringen.

Im Jerichower Land gibt es mit Parey nur noch eine zweite Kirche, die ein "Lebensraum Kirchturm" ist.

Die Nabu-Mitglieder nahmen im Anschluss gern die Einladung von Dr. Peter Weber an, sich durch die Kirche führen zu lassen, ihre wechselvolle Geschichte kennenzulernen und auch einen Blick in die Gruft zu den Nedlitzer Mumien zu werfen.

Wichtig sei es ihnen zu Beginn einer jeden Führung, die Kerze im Taufstein, dem wahrscheinlich ältesten Stück der Kirche, anzuzünden. "Denn wir sind in einer lebendigen Kirche und nicht in einem Museum", erklärte der Fördervereinsvorsitzende. Nach einer Führung seien die Teilnehmer stets eingeladen, noch einige Minuten in der Kirche zu verweilen und beispielsweise, angeregt durch die Mumien und ihre Geschichte, über Leben und Tod und unseren heutigen Umgang damit nachzudenken.

Der 1996 gegründete Förderverein St. Nikolaus Kirche Nedlitz hat derzeit 28 Mitglieder und verfolgt kontinuierlich Projekte wie derzeit die dritte Glocke. Zu den nächsten Vorhaben gehört laut Dr. Weber die Restaurierung des Gemäldes von 1616, das wiedergefunden worden war. "Ich bin sehr froh über die Leute, die sich im Förderverein immer wieder für die Kirche einsetzen." Auch die Nedlitzer hätten stets ein offenes Ohr, wenn ihre Kirche Hilfe benötigte.