In Möckern und Loburg ist der Zug eigentlich längst abgefahren. Umso mehr stauen sich Unmut - und ewig lang auch die Fahrzeuge - immer dann auf, wenn sich doch mal die Schranken entlang der Bahnlinie Magdeburg - Loburg senken.

Möckern/Loburg l Es ist still geworden auf der Strecke zwischen der Landeshauptstadt und dem Truppenübungsplatz Altengrabow. Dazwischen liegen die Orte der Einheitsgemeinde Möckern, die durchaus gerne weiter Gleisanschluss haben würden. Auf Nachfrage der Volksstimme verrät die Pressestelle der Deutschen Bahn: "Wir verhandeln derzeit mit einem potentiellen Pächter für die Strecke. Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen."

Zum Verkauf stand die Strecke schon seit dem Jahr 2012. Die DB Netz AG hatte die Eisenbahninfrastruktur der Strecke Biederitz-Möckern-Loburg-Altengrabow zur Übernahme und zum Weiterbetrieb angeboten. Die Ausschreibung richtete sich an Interessenten, die als Eisenbahn-Infrastrukturunternehmen die Strecke u¨bernehmen und fu¨r den öffentlichen Verkehr in eigener Verantwortung weiter betreiben wollen. Bis Juli 2012 konnten sie ein Angebot bei der DB Netz AG anfordern. Als Hoffnungsträger für alle Bahnbefürworter hatte sich nach Abbestellung durch die Nahverkehrsgesellschaft des Landes (Nasa) Dr. Ralf Böhme, Geschäftsfu¨hrer der Regio Infra GmbH mit Sitz in Putlitz herausgetan.

Girlanden statt Schranken

Es sind nur ein paar Storchenhof-Sonderzüge, sporadische Wartungsfahrten und einige Militärtransporte, die überhaupt noch für Bewegung im hiesigen Gleisbett sorgen. Und immer dann, wenn tatsächlich mal die Signalhörner das Herannahen eines Zuges ankündigen, rollt am Bahnübergang Möckern ein Sondereinsatzkommando von Schrankenwärtern an. Mit rot-weißen Plastegirlanden sperren die Bahnmitarbeiter dann den Kreuzungspunkt von Straße und Gleise für den Straßenverkehr. Denn die moderne Schrankenanlage, die erst vor wenigen Jahren für viel Geld eingebaut worden war, ist seit einiger Zeit schon nicht mehr in Betrieb zu nehmen.

Die Pressestelle der Deutschen Bahn räumt ein: "Die Absicherung der Schrankenanlage erfolgt derzeit durch Posten, da bereits mehrfach Technik im Gleisbereich gestohlen wurde." Es geht um den Diebstahl von Kupferkabeln, die dazu gedient haben, den Schranken den Impuls zum Schließen und Öffnen zu geben. An einem erneuten Einbau der Technik ist die Deutsche Bahn derzeit offenbar nicht interessiert.

Halbe Stunde Wartezeit

"Da ein regelmäßiger Zugverkehr nicht gegeben ist, finden vor den Sonderfahrten Kontrollfahrten statt, um die sichere Durchführung des Eisenbahnverkehrs zu gewährleisten", informiert die Deutsche Bahn.

Dass die improvisierte Plastikschranke bei Zugdurchfahrten aber für bis zu einer halben Stunde für verkehrstechnischen Stillstand in der Ortschaft Möckern sorgt, kommt bei Anwohnern und den durchreisenden Kraftfahrern überhaupt nicht gut an. Durch die ungünstige Vorfahrtregelung im Ortskern geht schlichtweg nichts mehr. Auch der Busfahrplan der Nahverkehrsgesellschaft im Jerichower Land kommt bei solchen Vollsperrungen durcheinander.

Dazu teilt die Pressestelle der Deutschen Bahn mit: "Die beobachtete lange Sperrung des Bahnüberganges bedauern wir. Aber im Rahmen der Kontrollfahrt wurden Hindernisse im Gleis festgestellt, die erst beseitigt werden mussten. Diese verhinderten, dass die Kontrollfahrt den Abschnitt in der vorgegebenen Zeit passieren konnte." Da diese Verzögerungen nicht vorherzusehen gewesen seien, habe auch keine Information der Verkehrsbetriebe erfolgen können.

Bis Ende 2007 wurden auf der Strecke erhebliche Investitionsmittel für die Erneuerung der Gleisanlagen (Schienen, Schwellen, Schotter) aufgewendet. Das bestätigte die Landesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion. Weiterhin wurden veraltete Bahnübergangssicherungsanlagen (Schranken mit Blinklicht) durch neue Bahnu¨bergangssicherung- systeme ersetzt. Insgesamt wurden in den vergangenen über zehn Jahren etwa 7,2 Millionen Euro in die Realisierung von Infrastrukturmaßnahmen investiert. Diese Maßnahmen dienten zur Erhaltung des Streckenzustandes, informierte die Landesregierung.

Weiterhin wurden durch die DB Netz AG jährlich zwischen 105 000 und 125 000 Euro fu¨r die Instandhaltung der Anlagen aufgewendet. Anfang der 2000er-Jahre wurden durch die DB Station Service AG die Zugangsstellen fu¨r etwa eine Million Euro erneuert.