Burg l Nach der langen Sommerpause gingen nun am Sonnabend auf der Burger Kleinkunstbühne im evangelischen Gemeindehaus endlich wieder die Lichter an. Simon Wahl aus Bonn war angekündigt worden. Sologitarrist - so stand es auf den Plakaten. Aber wer kennt den schon? Solo ... ? Vielleicht hat er ja was drauf? Man kann es sich ja mal anhören.

Wahrscheinlich dachten die rund 60 Musikfreunde ebenso, die sich dort eingefunden hatten. Schön, dass es dann doch so viele geworden sind. Schön, dass sie diesen Abend nicht verpassten, denn der junge Mann studiert im österreichischen Linz Gitarre und kam direkt aus Kroatien nach Burg. Pünktlich zwar, doch mit erheblicher Zugverspätung, denn die Eisenbahner streikten. Die drei Stunden machten ihm so viel nicht aus, denn er versprach den Burger Zuhörern, er sei fit fürs Konzert. Das war er. Was die Burger am Sonnabend erlebten, war einzigartig. Wie willst du das in Worte fassen?, fragte ein Journalistenkollege.

Man kann es nicht. Nur so viel: Simon Wahl war eins mit seinem Instrument und entlockte ihm Klänge, wovon wohl niemand vermutet hätte, dass so etwas mit einer Akustik-Gitarre möglich ist. So war das Publikum fasziniert und staunte über das, was dieser junge Mann fertigbrachte. Ein Song nach dem anderen, Kompositionen aus eigener Feder bis hin zu Stücken der Beatles, die er seine vier guten Freunde nannte, verzückten die Leute und ließen sie still und gespannt lauschen und bewundern, was Simon Wahl mit seiner Gitarre machte. So war dann auch gelegentlich eine ganze Band zu hören, die das Solo komplettierte: die Percussions, Melodie und Rhythmus - alles auf einem einzigen Instrument, virtuos und dynamisch gespielt, als hätte er eine dritte Hand, von einem Kerl, den nichts glücklicher zu machen schien, als seine Gitarre zu zupfen, zu streichen, zu schlagen ..., dem man sein großartiges Talent so nicht anzusehen vermag, der aber eine große Herzlichkeit verströmte, trotz seines Könnens bescheiden wirkte und der nun in Burg eine Fan-Gemeinde haben dürfte.

Die Gäste im Gemeindehaus feierten ihn auf eine angemessene, erhabenere Weise. Sie jubelten nicht, verzichteten auf Schreie und Pfiffe, wie es sonst bei Konzerten inzwischen Gewohnheit geworden ist, sondern applaudierten heftig und voller Bewunderung. So gab er dann auch einige schöne Zugaben.

Cat-Stairs-, Gemeindehaus- und Kleinkunstbühnenchef Dominik Patté hatte Simon Wahl zu Beginn als eine Perle der Gitarrenkunst angekündigt. Der Abend gab ihm Recht. Dass solch große Kunst auf unserer Burger Kleinkunstbühne möglich ist und dass wir dies hier für kleines Geld erleben dürfen, stellt jedes Samstagabend-TV-Programm in Frage und verdient Respekt.

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