Nicht nur Schulanfänger erhielten zum Schulstart eine Zuckertüte, sondern auch Vati, Mutti, Oma oder Opa - wenn sie am gestrigen Montag den Sprössling per Auto zur Schule gebracht hatten.

Burg l Geschehen zwischen 7 und 8 Uhr vor Grundschulen in Möser, Gommern, Genthin und Burg. Polizei-Hauptmeister Siegfried Weiß, zuständig im Polizeirevier Jerichower Land für Verkehrserziehung, begründete gegenüber Volksstimme: "Das ist heute Morgen eine Gesamtaktion in Sachsen-Anhalt, an der wir uns natürlich gern beteiligen. Sinn und Zweck ist es, den Erwachsenen direkt vor der Schule zu sagen: Fahrt stets vorsichtig vor Schulen und vermeidet Halte- und Parkchaos vor dem Schulgelände, wenn ihr die Kinder bringt oder abholt.

Da wusste die Schulleiterin der Burger Einstein-Grundschule, Andrea Golz, sofort einzuhaken: "Es ist tatsächlich so, dass es leider Eltern gibt, die der Ansicht sind, vor einer Schule kann man kreuz und quer parken, auch wenn es nur eine Minute dauert. In einem zurückliegenden Fall musste ich einem Vater mehrmals klar machen, dass er mit seinem Pkw nicht vor den Schuleingang halten, sondern die daneben befindlichen Parkfläche nutzen soll. Irgendwann hatte er es dann begriffen."

Brenzlig wird es jeden Tag gegen 7.45 Uhr, wenn bei dem Pkw-Ansturm auch noch der Schulbus eintrifft und zusätzlich bis zu 50 Mädchen und Jungen zur Schule eilen. Im Übrigen geht die Schulleiterin davon aus, dass rund die Hälfte ihrer Schüler mit dem Auto gebracht oder abgeholt werden. Am Sonnabend habe sie zur Einschulungsfeier vorbeugend an die "neuen" Eltern mahnende Worte gerichtet, beim Bringen ihrer Abc-Schützen mit dem Pkw auf die ausgeschilderte Parkordnung vor dem Schultor zu achten.

Aurelia, Lia, Wiebke, Elias und Philip aus den 4. Klassen waren es am Montag, die die Zuckertüten an "ordentlich haltende und parkende Muttis und Vatis" mit einem Dankeschön in Form einer kleinen Tüte übergaben. Es ist nicht nur Lolliball-Behältnis, sondern vorrangig ein zusammengefaltetes Blatt, auf dem zu lesen ist, was die "lieben Kraftfahrer und Kraftfahrerinnen" beachten sollten, um Kinder vor Gefahren des Straßenverkehrs zu schützen.

Der wichtigste Hinweis aus Sicht der Kinder war wohl dieser: "Wir können die Verkehrswelt der Erwachsenen nicht beherrschen, weil wir viel kleiner als Erwachse sind und einen kleinen Blickwinkel haben." Gefragt, ob sie auch die eigene Mutti oder den Vati ermahnen würden, wenn sie nicht so vorsichtig fahren, wie sie es von anderen Kraftfahrern erwarten, gab es ein einstimmiges "Ja".

Hauptmeister Siegfried Weiß war mit der Wirkung der Zuckertütenaktion zufrieden. "Sie war sehr wichtig, da die Muttis und Vatis von Kindern unmittelbar aufgefordert wurden, stets StVo-gerecht zu fahren und das nicht nur zum Schulauftakt." Zum Glück sei es in den zurückliegenden Jahren vor keiner Grundschule zu einem Unfall gekommen, setzte er nach. Auf die Frage, ob es trotzdem hin und wieder ernsthafte Verkehrssituationen vor Schulen gibt, antwortete Weiß: "Zum Glück sind das Ausnahmen. Vor zwei Jahren gab es den Fall in der schmalen Gartenstraße vor der Grundschule Möser, wo wir fast drei Wochen vor der Schule kontrollieren mussten. Kam der Schulbus, konnte er kaum durchfahren, da das Parkchaos der Elternautos enorm war. Vor allem die Kleinen wussten oft nicht, wie sie ungefährdet den Schulhof erreichen konnten. Der Fall ist inzwischen Geschichte."