Der eingetragene Naturschutzverein "Arbeitsgruppe für Umwelttoxikologie" will über Wasser- und Bodenqualität informieren. Kürzlich waren Mitarbeiter wieder im Jerichower Land zu Gast. Die Gutachten, die erstellt werden, haben vor Gericht allerdings keine Gültigkeit. Das zugehörige Labor ist nicht akkreditiert für die Trinkwasser-untersuchung.

Burg/Genthin l Sorgfältig packt Kerstin Tröger von der Arbeitsgruppe für Umwelttoxikologie e.V. (AfU) ihr Equipment aus. Sie leitet die Beratungsveranstaltung, die "den Bürgern die Möglichkeit gibt, sich zu Fragen der Wasser- und Bodenqualität, der Wasseraufbereitung und einer optimalen Bodendüngung zu informieren". Vor Ort, in der Burger Kreisvolkshochschule, können Interessierte ihr Trinkwasser und ihre Erde von Tröger testen lassen.

Neun verschiedene Wasser-und sieben Bodenuntersuchungen stehen dazu auf der Preisliste. Die "Wasseranalyse 1" zum Beispiel wird für 70 Euro angeboten. Hierbei wird das Wasser auf Nitrat, Nitrit, Leitfähigkeit, pH-Werte und weitere Parameter getestet. Nitratgehalt und pH-Wert kann Tröger sofort messen - Kostenpunkt: zehn Euro. Dem ersten Besucher ist das zu viel. Er verlässt die Veranstaltung. Claus-Dieter Reich hingegen sorgt sich um seine Gesundheit. Unweit von seinem Brunnen gibt es eine Schweinemast und eine Müllkippe. Er möchte sein Wasser testen lassen, denn man wisse heutzutage ja gar nicht mehr, wie man sich verhalten soll: "Früher hieß es abkochen, dann nicht mehr und jetzt?"

Er hat sein Brunnenwasser in einer Mineralwasserflasche abgefüllt und diese mitgebracht. "Ihr Nitratgehalt liegt bei 5,8 Milligramm pro Liter, der Grenzwert sind 50 Gramm. Der pH-Wert liegt bei 6,9, hier gilt der Grenzbereich von 6,5 bis 9,7. Damit sind ihre Werte nahezu perfekt", versichert Tröger dem verunsicherten Reich. Doch viele Fragen bleiben offen. Kerstin Tröger ist, so wie ihre sieben Kollegen, ehrenamtlich für die AfU unterwegs. Etwas in Richtung Chemie oder Biologie hat sie nicht gelernt oder studiert. "Wir sind angelernt. Man ist bestrebt, viel zu lesen", gibt sie zu. Ob das Brunnenwasser nun auch als Trinkwasser geeignet ist, weiß Claus-Dieter Reich, gerade um zehn Euro ärmer, nicht. Nitrat- und pH-Wert allein reichen nicht aus, um dies festzustellen. "Für Trinkwassernutzung ist diese Vorgehensweise natürlich auf keinen Fall ausreichend", erklärt Kreissprecher Henry Liebe. Für die Beprobung von Trinkwasser seien spezielle Probenahmegefäße erforderlich, um Verunreinigungen und Verfälschungen der Werte auszuschließen. Eine Mineralwasserflasche, wie vom eingetragenen Naturschutzverein gefordert, sei also kein geeignetes Gefäß.

Keine offiziellen Gutachten, nur Protokolle

Diese konkrete Analyse der Trinkwasserqualität bietet die AfU über den Beratungstermin hinaus an. Dafür bräuchte es dann die bakteriologische Trinkwasseruntersuchung für 57 Euro plus Anfahrt, die laut Tröger meistens mit fünf bis zehn Euro berechnet wird. Die Probe wird dann steril entnommen und an ein geeignetes Labor geschickt. Hinter dem Verein steht nämlich die Firma Biotec, ein Unternehmen, das "hygienische Dienstleistungen und Produkte anbietet". Biotec-Geschäftsführer ist unter anderem Jörg Weißer, der auch Mitbegründer und Vorsitzender der AfU ist. Genauso wie Dr. Andreas Bermpohl, Geschäftsführer von Biotec und der AfU. Auch Ramona Stephan ist sowohl bei Biotec als auch der AfU angestellt.

Die Diplomingenieurin gibt zu: "Biotec ist nicht akkreditiert für Trinkwasseruntersuchungen. Wir stellen Protokolle aus." Das bedeutet, dass keine richtigen Gutachten erstellt werden, die vor Gericht standhalten würden. Lässt man sein Wasser auf Nitrit und pH-Wert testen, bekommt man eine Art Zeugnis der Wasseranalyse, auf dem die AfU hinweist: Diese Untersuchung ersetzt nicht die nach Trinkwasserverordnung geforderte amtliche Analyse, zu der Eigentümer einer Wasserversorgungsanlage verpflichtet sind." Die amtliche Analyse bekommt man nur bei akkreditierten Laboren oder beim Gesundheitsamt.

Ob eine Untersuchung des Vereins Arbeitsgruppe für Umwelttoxikologie dadurch sinnvoll ist, hänge von der Nutzung der Ergebnisse ab, so Liebe. Eine rein bakterielle Untersuchung im Gesundheitsamt kostet knapp 100 Euro, ist aber dadurch ein offizielles Gutachten. AfU und Biotec sind also etwas günstiger. Aber: "Die Firma Biotec ist auf der Liste der akkreditierten Trinkwasserlabore in Sachsen-Anhalt nicht geführt", bestätigt auch der Kreissprecher.

An einer Akkreditierung hat die Firma Biotec auch gar kein Interesse: "Unser Service ist für den Hausgebrauch gedacht", erzählt Ramona Stephan. Die AfU bestehe seit 1991 und einen Versuch sich zu akkreditieren, habe man nie gestartet, das sei "nie infrage gekommen", so Stephan. Das System funktioniere dann nicht, die AfU und Biotec muss darauf vertrauen, dass es sich bei mitgebrachtem Brunnenwasser auch wirklich um das der Person handelt, die es mitbringt.

Seitens des Ministeriums für Arbeit und Soziales habe es bislang noch keine Zusammenarbeit mit dem Verein gegeben. Doch Sprecher Holger Paech betont: "Ich verweise noch einmal auf die Eigendarstellung des Vereins, wonach lediglich orientierende Untersuchungen angeboten werden, die keine behördliche oder gerichtliche Anerkennung genießen. Für ein derartiges Arbeiten ist eine Zertifizierung des Labors nicht zwingend."