Burg l Sollen die Löcher Badeseen als Ersatz für das fehlende Burger Freibad werden? Spaßvögel könnten auf den Gedanken kommen, wenn sie an den ausgebaggerten Gruben in Tuchfühlung zur Landstraße nach Parchau, der nahen Kanalbrücke und den Elbe-Havel-Kanal vorbeikommen. Sarkastisch gedacht, aber vollkommen daneben.

Projektleiter Wilfried Golze und Bauleiter Reinhard Bräutigam vom Wasserstraßen-Neubauamt Magdeburg können für fachgerechte Aufklärung sorgen. Beide traf die Volksstimme direkt vor Ort. "Diese künftigen Absatzbecken sind mit ihrem Standort an dem Platz eine Ausnahme. Normalerweise befinden sich solche Beckenanlagen in und auf Wald- und Wiesengebieten in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kanalverlauf, wie zum Beispiel die Absatzlöcher bei Seedorf/Nielebock. Praktisch sind sie in den meisten Fällen für Passanten, Spaziergänger und Wanderer `unsichtbar`", klärt Wilfried Golze auf.

Benötigt werden sie für den geplanten weiteren Ausbau des Elbe-Havel-Kanals im Bereich des Jerichower Landes. Das Gesamtunternehmen erstreckt sich von der Alten Schleuse Niegripp bis nach Zerben. Die entstandenen Absatzbecken an der Burger Straße Richtung Parchau sollen die Erdmassen des Planfeststellungsabschnittes 3, wie er in den Projektunterlagen offiziell bezeichnet wird, aufnehmen.

So geheimnisvoll die Bezeichnung klingen mag, so einfach ist sie zu verstehen. Die "3" steht für einen Abschnitt von den zusammengerechnet sieben, in die der Kanalausbau von Niegripp bis Zerben eingeteilt wurde.

Geplant ist bekanntlich Zeit Jahren und bisher verwirklicht auf einen großen Teil des Wasserstraßenverlaufes die Verbreiterung des Kanalbettes von 30 Meter auf 55 Meter. "Nicht überraschend, dass bei solchen aufwendigen Arbeiten eine Menge Erdreich anfällt, die irgendwo deponiert werden muss. Aus dem alleinigen Grund wurden seit dem vorigen Jahre auf dem Gelände die vier Löcher ausgebaggert. Übrigens auf einer Fläche, die als landwirtschaftlich minderwertig eingestuft ist, also kein Verlust an Anbau oder Weidehektar bedeutet", stellt Reinhard Bräutigam vorsichtshalber klar. Er zeigt mit seinem Kollegen die Riesengruben, deren Seiten gute fünf Meter in die Tiefe reichen und in denen sich bereits kleine Teiche gebildet haben, von erstem Grün umwachsen.

Ausgelegt ist das Fassungsvermögen aller Becken auf rund 270 000 Kubikmeter Abraum. "Die Masse wird aber der Abschnitt 3 nicht hergeben. Es werden zum Schluss rund 240 000 Kubikmeter Baggergut, die die vier `Löcher` aufnehmen müssen", erläutert Bauleiter Bräutigam. Die Logistik wird so ablaufen, dass das heran-transportierte Nassbaggergut von Schuten entladen und in die vier Mulden gekippt wird. Es kann dann langsam entwässern. Breite Fahrspuren für die benötigten Lastkraftwagen zur finalen Verkippung des Erdreiches sind angelegt.

Ende 2017 soll das Quartett komplett gefüllt sein. Es wird lediglich ein künstlicher Hügel in der Ausdehnung von zirka 20 mal 20 Meter, der mit Sträuchern und Kleingewächsen gepflanzt werden soll, zu sehen sein. "Oben werden dann nur zwei kleine Mulden zu sehen sein, die sich mit Wasser füllen können und sicherlich in der Folge Biotope bilden", erklärt Wilfried Golze das Ende des Projektes.