Rotes Dach, gelbe Fassade, so strahlt die evangelische Kirche von Biederitz jetzt durch die grünen Baumkronen. Mit dem Abschluss der Sanierungsarbeiten vollendet sich nach 20 Jahren das letzte große Bauprojekt im Kirchspiel Biederitz.

Biederitz l Pfarrer Johannes Henke steht die Zufriedenheit ins Gesicht geschrieben. Ja, einige Kleinigkeiten wären noch zu erledigen. Zum Beispiel werden die beiden hölzernen Eingangstüren gründlich aufgearbeitet und mit neuen metallenen Beschlägen versehen. Auch eine Mauer ist noch zu streichen und die Epitaphe sind wieder aufzurichten. Aber im Großen Ganzen ist die Kirche jetzt fertig, sagt er und schaut zum neuen roten Dach hinauf. Die Biberschwänze sind breiter als ihre Vorgänger. Damit ließen sich die gerundeten Dachgauben nicht so optimal decken, aber extra gebrannte Dachziegel, die wären viel zu treuer geworden. Und eine Dachsanierung war dringend erforderlich.

"Als die alten Ziegel runter kamen, wurde sichtbar, dass sie eigentlich nur noch durch das Moos zusammen- und festgehalten worden sind", berichtet Johannes Henke. Der Pfarrer meint, dass das Dach etwa in den 1970er Jahren das letzte Mal gedeckt worden sei. Damit wäre die Grenznutzungsdauer nun wirklich überschritten. Die erneuerte Fassade, die mit ihrem strahlenden Gelb zum roten Dach eine angenehme Farbkombination bildet, könnte zur Zeit der Wende zuletzt angestrichen worden sein. Damals habe auch eine Innensanierung stattgefunden.

Nun hat das Gotteshaus auch wieder eine Dachrinne. Zu DDR-Zeiten untersagte das der Denkmalschutz, was eine Durchfeuchtung des Mauerwerkes zur Folge hatte. Auch die Biederitzer Kirche hat darunter gelitten. Nun wird das Regenwasser in eine neu angelegte kleine Mulde geführt und in einen Graben abgeleitet. Vor dem Haupteingang ist eine schiefe Ebene gebaut worden, damit auch Kinderwagen und Rollstühle bequem ins Gotteshaus gelangen können.

Bis dato hatte hier ein steinerner Tritt zur Überwindung des Höhenunterschiedes gedient. Als der Block ausgegraben worden ist, stellte man fest, dass es sich offenbar um eine Grabplatte handelt, die als Relief einen Domgeistlichen zeigt. Der Göttinger Kunsthistoriker Christian Scholl wagte in einer Ferndiagnose die Einschätzung, dass es sich um eine Grabplatte etwa aus der Zeit von 1500 handelt. Die Grabplatte hat ihren würdigen Platz nun in einer Mauernische des Kirchgartens erhalten. Nur mit ihrer sichtbaren Befestigung ist der Pfarrer noch nicht so richtig zufrieden.

Natürlich hat die Sanierung von Fassade und Dach viel Geld gekostet. 160 000 Euro waren notwendig. Neben Eigenmittel des Kirchspiels flossen Gelder aus dem Kirchenkreis und aus dem Fördertopf des europäischen Leader-Programms. Doch zusätzlich musste Biederitz beim Kirchenkreis einen Kredit in Höhe von 30 000 Euro aufnehmen. "Der ist aus eigenen Mitteln innerhalb von zehn Jahren zurückzuzahlen", macht Pfarrer Johannes Henke auf die Finanznot der Kirche in den nächsten Jahren aufmerksam. Doch der Gottesmann weiß auch, dass viele - nicht nur Kirchgänger - weiterhin mit Spenden helfen werden. Diesen Spendern wird auch eine außergewöhnliche öffentliche Würdigung zuteil. Wer 100 Euro spendet, bekommt seinen Namen auf einen kleinen hölzernen Dachziegel graviert. Das "Spenderdach" ist in der Biederitzer Kirche ausgehängt. Insgesamt sind 12 000 Euro an Spenden notwendig, um zum Schluss die Baukosten bezahlen zu können.

Pfarrer Johannes Henke lädt alle herzlich ein, dass Spendendach Stück für Stück zu decken (Kirchspiel Biederitz, Sparkasse Jerichower Land; IBAN: DE38 8105 4000 0511 0026 45; Stichwort "Kirchendach Biederitz" Name und Anschrift auch wegen der Spendenbescheinigung).

Beim Erntedank-Gottesdienst am 5. Oktober werden die Biederitzer Kirchgemeinde und Pfarrer Johannes Henke die fleißigen Handwerker und die Spender in ihren Dank mit einbeziehen.