Tag der offenen Tür beim Lebenshilfe-Kreisverband Burg - das heißt vor allem Trubel im Burger Brunnenfeld. Denn nicht nur die vom Verein betreuten Menschen mit Behinderungen feiern, sondern auch ihre Angehörigen, und zahlreiche andere Bürger kamen trotz des Rolandfestes, um sich zu informieren. 500 Menschen aus dem gesamten Jerichower Land werden hier betreut.

Von Roland Stauf

Burg l Reges Treiben herrschte am Sonnabendnachmittag zum Beispiel in der Kindertagesstätte. Zahlreiche junge Mütter waren hingekommen, um sich von den Betreuungsmöglichkeiten der integrativen Einrichtung zu überzeugen. Die Kindertagesstätte "Lummerland" ist nicht nur eine der schönsten und mordernsten Kindereinrichtungen der Stadt, sondern bietet den Sprösslingen auch eine sehr intensive Betreuung.

Kein Stuhl blieb im Speisesaal frei, als sich zum Nachmittagsprogramm die Rapper der beiden Hip-Hop-Gruppen "Little Others" und "Inspire Others" anschickten, zusammen mit einigen von der Lebenshilfe betreuten Jugendlichen, ihr Können zu zeigen. Toll, was da abging.

Allerdings muss das Projekt aus allerbestem Grund für mindestens ein Dreiviertel-jahr pausieren, erklärte Trainerin Laura Hausberg. Danach aber will die erngagierte junge Frau mit den Mädels weitermachen. "Ein gutes Beispiel, wie Inklusion funktioniert", meinte die Gruppenleiterin in der Wohnstätte, Daniele Ebers, zu dem Projekt. "Sie sind alle prima miteinander klargekommen."

Nach dem Tanz ging es hinaus ins Zelt, wo die Trommelgruppe unter viel Beifall ihr Können zeigte.

Unterdessen fanden Verwaltungsleiterin Regine Giebel und der Vereinsvorsitzende, Heinz-Joachim Wiehe, ein paar Minuten Zeit, inmitten des Trubels, etwas über den Verein zu erzählen. 1990 gründeten Eltern, Freunde, und Förderer von Menschen mit Behinderung die Lebenshilfe für Behinderte Kreisverein Burg e. V. Durch die Gebietsreformen 1994 änderten sich die Bedingungen. Der Verein nennt sich nun Lebenshilfe Burg e. V., obwohl viele der Betreuten aus dem gesamten Jerichower Land kommen.

Doch Einrichtungen außerhalb der Kreisstadt unterhält der Verein nicht. So konzentrieren sich die 110 Mitglieder und 98 Angestellten darauf, dass die von ihnen betreuten Menschen gleichberechtigt und so selbstständig wie möglich in der Gesellschaft leben können. Das geschieht auf unterschiedliche Weise und beginnt schon bei der Frühförderung. Damit soll Nachteilen, die man schon in frühester Kindheit feststellt, begegnet werden. Das kann in der Kindertagesstätte geschehen oder aber auch im persönlichen Umfeld.

Die integrative Kindertagesstätte "Lummerland" bietet 45 Plätze für Kinder mit Behinderungen und für Kinder ohne. Für die Behinderten gibt es zusätzliche Förderungen und alle zusammen lernen Toleranz und Achtung vor dem anderen. Integrativ eben.

Ein bedeutender Schwerpunkt der Tätigkeit des Vereins ist die Werkstatt. Hier werden 260 Behinderte in einem geschützten Bereich beschäftigt. Das bedeutet, sie nach ihren Möglichkeiten einzusetzen.

Wer etwas leistet, hat Grund, darauf stolz zu sein. Die Lebenshilfe erleichtert das und gibt den Menschen ihr Selbstwertgefühl. Zu den in der Werkstatt Beschäftigten kommen 18 Teilnehmer, die eine Berufsausbildung absolvieren.

Nicht nur das Arbeiten ist wichtig, auch wie die Menschen wohnen. Je nach dem Grad ihrer Selbstständigkeit können die Mitarbeiter sich für eine Wohnform entscheiden: 80 Plätze gibt es im Wohnheim und beim intensiv betreuten Wohnen, weitere 60 Plätze beim ambulant betreuten Wohnen.

Wie Heinz-Joachim Wiehe erklärte, betreut die Burger Lebenshilfe rund 500 Personen. "Wir sind ein gut organisierter und funktionierender mittelständischer Betrieb", sagte er.

Ein Tag der offenen Tür. Draußen Trubel. Würstchen wurden gegrillt, und laut ertönte die Musik. Gründe gibt es genug zum Feiern.

   

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