Die noch bessere Integration von Behinderten war gestern Thema bei einem Besuch der Bundestags-Vizepräsidentin Ulla Schmidt (SPD) in Burg. Bei der Burger Lebenshilfe standen dabei besonders die Bedingungen für Menschen aus der Fördergruppe im Fokus.

Burg l Der Burger Lebenshilfe-Geschäftsführer Erik Dietzel konnte neben der ehemaligen Bundesgesundheitsministerin, die Vorsitzende der Bundesvereinigung Lebenshilfe ist, auch die Lebenshilfe-Landesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Waltraud Wolff (SPD), Landrat Steffen Burchhardt (SPD) und Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD) am Brunnenfeld begrüßen. Im Norden der Stadt betreibt der Kreisverein Burg der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Werkstätten, Wohneinheiten und seit kurzem auch ein öffentliches Café. Die Burger Lebenshilfe betreut über 500 Menschen mit Unterstützungsbedarf, davon fast 250 in der Werkstatt. Zu den Lebenshilfe-Schützlingen gehören auch die 18 Frauen und Männer, die in der seit 20 Jahren bestehenden Fördergruppe speziell betreut werden. Diese Schwerstbehinderten, die nicht in der Lage sind, in einer der Werkstätten zu arbeiten, werden von Fördergruppen-Leiterin Kerstin Junge und ihren Kollegen tagsüber beschäftigt und gefördert. Die Tagesbetreuung der 18- bis 56-Jährigen wechselt mit der Wohnbetreuung der Behinderten in ihren Familien, was aber mehr und mehr zum Problem wird. Kerstin Junge: "Einige der Eltern der Behinderten haben inzwischen das Rentenalter erreicht und schaffen die Betreuung nicht mehr."

Für solche Fälle gebe es bisher keine befriedigende Lösung, waren sich Ulla Schmidt und die anderen Teilnehmer des Rundgangs einig. Denn eine Unterbringung dieser Menschen in einem Pflegeheim, wie es vom Gesetzgeber vorgesehen ist, sei alles andere als optimal. "Wir müssen andere Wohnformen ermöglichen", so die Forderung von Waltraud Wolff. "Die baulichen Voraussetzungen für ein intensiv-betreutes Wohnen dieser Menschen sind bei uns gegeben", ergänzte Erik Dietzel.

Die Burger Lebenshilfe hält derzeit 80 Wohnheimplätze vor, die momentan allerdings nur an Werkstatt-Mitarbeiter vergeben werden können. Waltraud Wolff: "Auch für die Mitglieder der Fördergruppe müssen Wohnheimplätze vorhanden sein. Dass Behinderte lebenslang bei den Eltern wohnen, ist in vielen Fällen weder für die Behinderten noch für die Eltern optimal. Jeder muss das Recht haben, seine eigene Wohnform zu finden."

Ulla Schmidt machte deutlich, dass auch dieses konkrete Problem im neuen Bundes-Teilhabe-Gesetz im Sinne der Betroffenen geregelt werden müsse. "Wir brauchen ein modernes Teilhabe-Gesetz, das Bund, Länder und Kommunen gleichermaßen in die Verantwortung nimmt", so Ulla Schmidt. Die Bundevereinigung Lebenshilfe habe ihre Forderungen in den parlamentarischen Prozess eingebracht. Das Gesetz soll voraussichtlich Mitte 2016 beschlossen werden.

Trotz der unbefriedigenden Situation für die Menschen aus der Fördergruppe schätzte Burgs Bürgermeister Jörg Rehbaum ein, dass die Burger Lebenshilfe seit 1990 bei der Integration von Menschen mit geistiger Behinderung sehr viel geleistet hat und man auf einem guten Weg sei. Der "geschütze Bereich" am Brunnenfeld sei dabei genau so wichtig wie die Außenstandorte, so Rehbaum, der als Beispiel die Kantine der Stadtverwaltung nannte, die Lebenshilfe-Mitarbeiter betreiben. Landrat Steffen Burchhardt lobte, dass die Burger Lebenshilfe mit der Inklusion schon im Kindergartenalter beginne und sprach damit das Konzept der Lebenshilfe-Kita "Lummerland" an.