Über hundert Besucher haben am Sonntag in der Loburger Sankt-Laurentiuskirche ein beeindruckendes Handglocken-Konzert erlebt. 15 junge Musiker aus Gotha waren zu Gast und erlaubten im Rahmen des Loburger Orgelsommers neue Hörerlebnisse.

Loburg l Noch vor der offiziellen Begrüßung durch den Loburger Altkantor Roland Theuring stellten die 15 Handglockenspieler mit einem ersten Stück klar: Was nun folgt, hat nichts mit Kuhglockengeschepper zu tun. Im Gegenteil: Statt Almauftrieb-Begleitmelodie erlebten die Zuhörer in der gut besuchten Kirche zauberhafte und sehr filigrane Klangkompositionen, die eher an das erste zarte Schneegestöber im Winter erinnern.

Mit über 60 aus Bronze gegossenen Handglocken, die zusammen fünf Oktaven abdecken, kamen die Musiker nach Loburg. Den Glockenspielsatz hatte man 1987 von der Partnergemeinde der Augustinerkirche in Dayton/Ohio geschenkt bekommen. Der Handglockenchor der Augustiner-Gemeinde Gotha ist somit der erste Handglockenchor der DDR gewesen.

"Jeden Ton gibt es nur einmal", erklärte der Chorleiter Matthias Eichhorn. Aufgabe der Handglockenspieler ist es dabei, ganz genau zu wissen, wann welcher Ton im Stück zu hören sein muss - also Handglocken-Cho(o)rdination auf höchstem Niveau.

Die edel anmutigen und überraschend leise klingenden Glocken lassen sich vielseitig anschlagen, und so entstehen mal kurze geschlagene Töne, dann wieder sich langsam aufbauende Tonsäulen. Der Zuhörer taucht dabei in kaum beschreibbare Klangbetten ein, glaubt sich manches Mal irgendwo zwischen "Stille Nacht" und tibetanischen Tempel-Klangschalen.

Zu hören waren überwiegend Originalkompositionen für Handglocken sowie Arrangements internationaler klassischer wie auch populärer Musik. Dazwischen setzte sich ein Mitglied des Ensembles zwei Mal an die Loburger Kahrlingorgel, bei einem anderen begleitete eine Geige die Glocken.

Beeindruckt zeigte sich nach dem gut anderthalbstündigen Konzert nicht nur das Publikum, das mit stehenden Ovationen eine Zugabe einforderte, sondern auch Roswitha Müllenhaupt, die stellvertretend für die gastgebende Loburger Kirchengemeinde nach vorne trat: "Wie hell muss es einem in der Seele sein, wenn er vom Klang dieser Glocken erfüllt sein darf." Sie zeigte sich besonders beeindruckt, wie der Gothaer Handglockenchor so viele junge Leute für dieses Instrumentarium begeistern kann, obwohl dahinter doch soviel konzentrierte Arbeit steckt.

Das hatten wohl auch schon die Gothaer Stadtobersten zu würdigen gewusst, als sie die Ensemble-Gründerin Elke Eichhorn mit einer Ehrenmedaille der Stadt auszeichneten. Dank der Kirchenmusikdirektorin haben über 100 Kinder und Jugendliche des Handglockenchores eine kostenlose musikalische Ausbildung und Unterricht mit den Instrumenten erhalten. Aktuell spielt der Handglockenchor Gotha mit vier Gruppen: Einer (Jugend-)Konzertgruppe, zwei Nachwuchsgruppen und einer Erwachsenengruppe. In der Konzertgruppe, die auch in Loburg zu erleben war, spielen Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 13 bis 27 Jahren.

Nach dem Konzert in der Loburger Kirche erlaubten die Gothaer Musiker auch noch einen näheren Blick auf die Handglocken.

Wer mochte, konnte sich selber daran versuchen, aus den Glocken einen Ton herauszubekommen.