Wie lange braucht es wohl um zwei Müllbeutel mit Unrat am Straßenrand der B 1 zwischen Burg und Genthin zu füllen? Für die Volksstimme machten Jana Lang und Falk Heidel den Test.

Burg/Genthin l Schuhe, Waschmaschinen, Matratzen - in den Straßengräben unseres Landkreises gibt es nichts, was es nicht gibt. Volksstimme machte den Test auf der B 1 zwischen Burg und Genthin: Wie lange dauert es, zwei Müllsäcke mit Abfall zu füllen?

Man muss nicht weit gehen, um Abfall zu finden, den Autofahrer im Graben entsorgen. Etwa 500 Meter und keine 30 Minuten - schon waren die Müllsäcke von Jana Lang und Falk Heidel voll - vor allem mit Zigarettenschachteln und Kaffeebechern. Aber auch mit Milchtüten, Deodorant-Dosen, Handschuhen, Socken und Lebensmittel-Verpackungen aller Art und jeglicher Fast-Food-Ketten. Ganze Einkaufstüten voll mit ungetrenntem Unrat, sorgfältig zugeknotet.

Auch mehr als zehn Glasflaschen fanden den Weg aus dem Graben in die Müllsäcke, allerdings nur eine Pfandflasche, wahrscheinlich kein Zufall.

"Es reicht von Waschmaschinen und Kühlschränken, bis zu diversen Artikeln aus dem Erotikfachhandel."

Hartmut Pöhlert, Straßenbaubehörde

Laut Hartmut Pöhlert wird Abfall "regelmäßig bei groben Verunreinigungen durch die Straßenwartung eingesammelt". Er ist Regionalbereichsleiter der Landesstraßenbaubehörde. Die Straßenmeisterei hat alle Hände voll zu tun: "Zweimal wöchentlich werden alle zu betreuenden Straßen kontrolliert. Zusätzlich erfolgt das Einsammeln von Müll jährlich vor und nach der Winterperiode", erklärt Pöhlert. Dabei mussten seine Mitarbeiter schon die absurdesten Dinge aus den Gräben holen: "Autoreifen, Matratzen, Einwegspritzen. Was wir finden, reicht von Waschmaschinen, Kühlschränken bis hin zu diversen Artikeln aus dem Erotikfachhandel. Anscheinend verwechseln Bürger die Straßengräben mit Abfalldeponien", vermutet Pöhlert.

Dass viele Menschen Gräben mit Deponien "verwechseln" erschreckt besonders an der B 1 zwischen Burg und Genthin. Neben vollen Müllsäcken stießen Jana Lang und Falk Heidel auch auf Wellasbest - direkt gegenüber der Deponie vor dem Friedhof in Burg.

Dr. Henning Gehm, Geschäftsführer der Abfall- wirtschaftsgesellschaft, kann darüber nur mit dem Kopf schütteln: "Asbest kann gegenüber des Friedhofs abgegeben werden. Der Preis für eine Tonne beträgt 157 Euro und muss zudem in einem Asbestsack, dem sogenannten `BigBag`, verstaut werden, der an Kleinannahmesstellen oder im Dachdeckerbedarf erhältlich ist." Bei ein paar Platten kommt man damit vielleicht auf 15 Euro - umso unverständlicher, dass Menschen Giftmüll einfach am Straßenrand entsorgen und so auch ihre Mitmenschen in Gefahr bringen.

Auch wenn mal mehr Hausmüll als üblich anfällt, wegen einer Renovierung oder Feier, kennt Dr. Gehm eine Lösung: "Dafür kann man spezielle Beistellsäcke mit 90 Liter Fassungsvermögen kaufen. Die kosten drei Euro und können dann einfach neben die Tonne gestellt werden. Wir haben auch schon Neonröhren direkt vor der Deponie gefunden. Ich vermute, dass jemand diese vorbeibringen wollte, die Deponie aber geschlossen war. Anstatt wiederzukommen, wurden sie dann einfach abgestellt."

Dabei verfolgt das Jerichower Land mit seiner Abfallwirtschaft ein Solidarprinzip: "Wir haben es bewusst nicht eingeführt, dass der Bürger pro Entsorgung zahlt, so wie viele andere Landkreise es handhaben. Das fällt auf. Die Landkreise, die pro Entsorgung kassieren, haben oft mit noch mehr Müll am Straßenrand zu kämpfen. Die Öffnungszeiten unserer vier Annahmestellen versuchen wir so zu gestalten, dass auch Berufstätige die Möglichkeit haben, diese zu nutzen", so Dr. Gehm weiter.

Bei Jana Lang und Falk Heidel sorgte der Versuch nach kürzester Zeit für etwas miese Stimmung. Dass Menschen ganze Säcke voll Unrat in die Gräben schmeißen - erschreckend! An nahezu jedem Stück Müll waren Schnecken, Spinnen oder andere Tierchen zu finden, die durch das rücksichtslose Wegwerfen auch in Gefahr geraten. Dabei dürfte es eigentlich nicht so schwierig sein, seine Zigarettenschachtel oder den leeren Kaffeebecher an der nächsten Tankstelle oder Zuhause in den Mülleimer zu werfen.

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