Der Burger Traditionsbetrieb Edelstahl Service Center Burg GmbH (früher Walzwerk) konkretisiert sein Sanierungskonzept. Es sieht die Kündigung der Hälfte der Belegschaft vor.

Burg l Von den derzeit 67 Mitarbeitern sollen 29 bleiben, darunter acht Lehrlinge (Volksstimme berichte am 12. September). Diese Angaben der IG Metall bestätigten jetzt auch der Geschäftsführende Gesellschafter, Dr. Christian Borsche, und der Betriebsratsvorsitzende Günter Otto. Die geplanten Entlassungen sind Teil des Sanierungskonzeptes, das die Firma mit Hilfe von externen Beratern im Rahmen eines Schutzschirmverfahrens in Eigenregie nach Insolvenzrecht aufgestellt hat.

Die Geschäftsleitung hatte die Mitarbeiter am Mittwoch, 11. September, über den bevorstehenden Personalabbau informiert. Am selben Tag gab es in Burg eine von der IG Metall, die 80 Prozent der ESC-Mitarbeiter gewerkschaftlich vertritt, einberufene Mitgliederversammlung. Bei einer Abstimmung wurde dort das Sanierungskonzept, das neben dem Personalabbau auch eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit und einen weiteren Verzicht auf das 13. Monatsgehalt vorsieht, von der überwältigenden Mehrheit der ESC-Kollegen mit nur drei Gegenstimmen befürwortet, berichtet Betriebsratschef Günter Otto und erklärt: "Die Alternative dazu ist, dass alle Mitarbeiter ihren Job verlieren."

Am 14. September gab es dann weitere Gespräche zwischen IG Metall, Betriebsrat und Geschäftsleitung. Dr. Christian Borsche: "Die Bezirksleitung der IG Metall hat unserem Sanierungskonzept mit den tariflichen Einbußen zugestimmt, es steht jetzt nur noch die Zustimmung des IG Metall-Gesamtvorstandes aus. Die Erklärungsfrist endet Anfang der nächsten Woche."

Unterdessen sind Geschäftsführung und Betriebsrat in Verhandlungen darüber eingetreten, welche Kollegen gehen müssen und wie der Personalabbau ab Oktober "sozialverträglich" durchgeführt werden kann.

Dazu soll eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft gegründet werden. Betriebsrat Otto: "Die Kollegen, die ihren Arbeitsplatz verlieren, sollen mit dem doppelten Kündigungszeitraum und 80 Prozent ihres Netto-Verdienstes in die Beschäftigungsgesellschaft wechseln können."

In der Beschäftigungsgesellschaft sollen die Betroffenen maximal ein halbes Jahr lang qualifiziert und bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz aktiv und professionell unterstützt werden. "In den letzten Tagen wurde uns von Unternehmen aus der Region bereits signalisiert, dass es Bedarf an Mitarbeitern aus diesem Pool gibt. Ich bin guter Hoffnung, dass die meisten von Kündigung betroffenen Kollegen schnell eine neue Arbeit finden", so der Betriebsratschef weiter.

Für die 29 verbleibenden Mitarbeiter und das Unternehmen sieht Dr. Christian Borsche eine positive Fortführungsperspektive, vorausgesetzt, dass auch die Gläubiger dem Insolvenzplan zustimmen. Der sieht neben dem Arbeitsplatzabbau vor, dass das Unternehmen "schlanker, effizienter und schlagfertiger am Markt" wird. Das soll mit einer weiteren Konzentration auf das Kerngeschäft, den Handel mit und die Anarbeitung von Edelstahlprodukten (rostfrei und hitzebeständig), erreicht werden. "Wir haben über aktive 1000 Kunden aus den unterschiedlichsten Branchen im In- und Ausland und können diese mit unserer guten Materialverfügbarkeit, flexibler Schnelligkeit, wettbewerbsfähigen Preisen und hohen Serviceorientierung weiterhin zu 100 Prozent zufrieden stellen", erklärt Dr. Borsche, der davon ausgeht, dass das Unternehmen bereits Anfang 2015 wieder aus dem Schutzschirmverfahren entlassen werden und im nächsten Jahr operativ ein positives Ergebnis erwirtschaften kann.

ESC Burg hatte 2012 und 2013 erhebliche Umsatzeinbrüche verkraften müssen und jeweils zwei Millionen Euro Verlust eingefahren. Die Firma war zum 1. Januar 2013 von der Georgsmarienhütte Holding GmbH an die Privatinvestoren Christian Borsche und Frank Jürging verkauft worden.