Das Jerichower Land hat einen Fußball-Nationalspieler: Christoph Senftleben stürmte kürzlich für Deutschland bei der Weltmeisterschaft für Menschen mit Handycap in Brasilien. Volksstimme-Redakteur Falk Heidel unterhielt sich mit dem 24-jährigen Burger über Sonne, Samba und versteckte Fouls.

Volksstimme: Christoph, Sie haben eine Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien gespielt. Welche Eindrücke werden Sie nie vergessen.

Christoph Senftleben: Solche Erfahrungen macht ein Burger Fußballer nicht jeden Tag. Ich habe meine ersten beiden offiziellen Fußball-Länderspiele absolviert. Und beide Spiele hatten es in sich.

Vor allem das erste Spiel war für Sie überaus erfolgreich.

Genau. Erstes offizielles Spiel und gleich mein erstes Tor für Deutschland - es war das 1:1 gegen Brasilien. Da konnte niemand ahnen, dass es das einzige Tor für uns sein wird.

Erzählen Sie mal, wie das Tor zustande gekommen ist.

Also, es gab einen Einwurf in Strafraumnähe. Ein Mitspieler sprang an der Kugel vorbei, so dass ich freie Bahn hatte. Per Kopf habe ich das Leder über die Linie befördert.

Was sind Ihre fußballerischen Stärken, die Sie zum Nationalspieler gemacht haben?

Da müssen Sie meine Trainer fragen. Ich profitiere jedenfalls oft von meiner Schnelligkeit und habe eine anständige Schusstechnik, natürlich beidfüßig.

Das zweite Spiel gegen Japan lief dann aber ganz und gar nicht nach Ihrem Geschmack.

Stimmt. Ein Platzverweis schon in der ersten Halbzeit ist natürlich nicht so prickelnd.

Was ist denn da passiert?

Mein Gegenspieler agierte fast bei jedem Ballbesitz von mir mit versteckten Fouls. Ich hatte ihm mehrfach angedeutet, dass er das lassen soll. Irgendwann hab ich ihn unsanft geschubst. Kann sein, dass auch mein Ellenbogen im Spiel war. Das ist als Tätlichkeit ausgelegt worden. Schade, danach war die WM für mich beendet.

Auf welcher Position haben Sie in Brasilien gespielt?

Im linken Mittelfeld. Aber ich fühle mich als Stürmer sehr viel wohler. Darüber habe ich auch schon mit dem Trainer gesprochen.

Wie hat Ihnen Brasilien gefallen?

Man hört immer viel über die südamerikanische Sonne, wir hatten allerdings in den zwei Wochen häufig mieses Regenwetter. Sogar Spiele mussten deshalb verschoben werden. Es gab für die Fußballer keinen Wechsel zwischen irgendwelchen Spielorten, wir waren die ganze Zeit in São Paulo.

Und der Strand?

Der ist wirklich traumhaft. Wir haben auf dem Sand häufig trainiert - manchmal mit Schuhen, manchmal barfuß.

Was unterscheidet die Brasilianer von uns Deutschen?

Aufgefallen ist mir, dass an großen Baustellen schneller gearbeitet wird als bei uns. Die Menschen arbeiten dort auch nachts. Zum Essen in Brasilien kann ich wenig sagen, wir hatten unsere Verpflegung im Hotel, die wir Spieler ziemlich eintönig fanden. In der Stadt gibt es eine Menge Dreck und Müll, ganz anders als hier in Deutschland. Einige Stadtviertel sind von großer Armut geprägt.

Wie geht es jetzt weiter mit Ihrer Karriere in der Nationalmannschaft?

Das Team wird umformiert. Es gab bereits in Duisburg ein Testspiel mit fünf neuen Leuten, die mit Blick auf die Europameisterschaft in zwei Jahren in Frankreich eingebaut werden. Momentan sieht es so aus, dass ich dabeisein werde. Hoffentlich dann als Stürmer.

Sie haben ein Angebot bekommen, innerhalb einer Fußballschule in Hessen als Profi zu spielen.

Ja, das habe ich aber abgelehnt. Ich will hier in Burg bleiben. In diesem Umfeld fühle ich mich wohl, hier ist mein Freundeskreis. Und hier lebt meine kleine, einjährige Tochter. Momentan spiele ich beim PSV Burg und bei den Fußballern des TSV Einheit. Nach der Winterpause will ich zu Traktor Schermen wechseln.