Der Landkreis will die Müllgebühren noch in diesem Jahr erhöhen. Nachdem die Kosten für die Verbraucher bereits Anfang des Jahres gestiegen sind, sollen demnächst neue Gebührenbescheide verschickt werden.

Burg/Genthin l Die Verwaltung begründet die neuerliche Preissteigerung mit einem gestiegenen Grünschnittaufkommen, mit Kosten für illegale Müllbeseitigung in drei Fällen und mit einem Fehlbetrag aus vorangegangenen Jahren in Höhe von 267.000 Euro. Letzteres ohne schlüssige Erklärung.

Laut Statistischem Landesamt ist das Restmüllaufkommen im Jerichower Land sehr viel höher als in den anderen Kreisen. Jeder Landkreiseinwohner verursacht im Schnitt 170 Kilo Hausmüll im Jahr. Der Landesdurchschnitt liegt bei 150 Kilo. Aktuell kommt die Müllabfuhr alle 14 Tage (bei der gelben Tonne sind es vier Wochen). In Sachsen-Anhalt gehört unser Landkreis zu den Regionen mit den höchsten Müllgebühren.

Ein Blick zurück: Kostenlos, mit dieser Vokabel verband der Landkreis die Einführung der Grünschnitt-Sammlungen im Jahr 2005. Vor Jahresfrist bezifferte die AJL die Kosten für die Verarbeitung einer Tonne Grünschnitt zu Kompost auf 54 Euro. Die Verbrennung einer Tonne Hausmüll in Rothensee kostet den Gebührenzahler etwa 100 Euro.

Die Grünschnittberge scheinen jährlich zu wachsen: Für 2012 sprach die AJL von 9000 Tonnen, im Vorjahr sollen es 14000 gewesen sein, für das aktuelle Jahr kalkuliert der Landkreis mit 20.000 Tonnen. Wer überprüft diese Zahlen?

Im vergangenen Jahrzehnt gab es fast regelmäßig einmal im Jahr eine Gebührenerhöhung. Aktuell liegen die Abfallentsorgungskosten laut Angaben der Verwaltung jährlich bei 9,9 Millionen Euro, vor einem Jahr lag die Summe bei 9,5 Millionen. Im Jahr 2012 waren es 9,2 Millionen. Das entspricht einer Steigerung um 7,5 Prozent. Zum Vergleich: Die Gebühren für die 80-Liter-Tonne stiegen im gleichen Zeitraum (von 167 auf 192 Euro) um satte 15 Prozent - also um das Doppelte.

Der Landkreis ist mit 51 Prozent Mehrheitseigner an der Abfallwirtschaftsgesellschaft (AJL), die im Jerichower Land den Müll einsammelt. Der Rest (49 Prozent) gehört dem Großentsorger Remondis. Interessant: Den Jahresüberschuss für das Jahr 2012 beziffert die Gesellschaft auf 1,13 Millionen Euro (Umsatz 7,6 Millionen).