Bei diesem Anblick werdenOldtimer-Fans schwach: Das Bildungs- und Technologiezentrum des Kfz-Gewerbes Sachsen-Anhalt (BTZ) in Möckern hat über Jahre hinweg alte, restaurierungsbedürftige Fahrzeuge in einer Halle gesammelt. Nun werden die meisten Stücke versteigert.

Möckern l Ordentlich aufgereiht stehen sie da. Noch. Zwei eingestaubte Polski-Fiats spenden einander Trost, daneben erinnern sich vier Lada 2102 an bessere Zeiten. In der Ecke können sich zwei Framos wenigstens noch darüber freuen, dass sie - ordentlich instandgesetzt und lackiert - in einem guten Zustand vor sich hindümpeln.

"Wir verkaufen hier nicht aus irgendeiner Not heraus das Tafelsilber", verdeutlicht der BTZ-Geschäftsführer Frank Groß. Dass man nach über 20 Jahren die Sammlung alter Fahrzeuge auflöst, hat einen anderen Grund: Der Platz in der Halle wird gebraucht. In dem Ausbildungs- und Qualifizierungsbetrieb für das Kfz-Handwerk in Sachsen-Anhalt kommen jährlich moderne Fahrzeuge für die Ausbildung an.

Idee: Lehrlinge sollten die Oldtimer fitmachen

Die Idee hinter dem Oldtimermuseum war ursprünglich, dass die jungen Lehrlinge, die in Möckern das BTZ bewohnen, im Winter in ihrer Freizeit an den alten Fahrzeugen basteln und sie ohne kommerziellen Zweck instand setzen. "Das hat aus verschiedenen Gründen aber nicht so geklappt", sagt Frank Groß. Und so warten viele der Fahrzeuge heute auf den Prinzen, der sie mit viel Liebe, Werkzeug und Zeit wieder wachküsst. Auf der Internetseite des BTZ Möckern findet man eine Liste der Fahrzeuge, die derzeit meistbietend versteigert werden. Das BTZ hatte die Fahrzeuge zuvor von unabhängigen Stellen bewerten lassen, so Groß.

In den vergangenen Wochen ist Bewegung in die Halle gekommen. Von den fast 50 Oldtimern sind gut 70 Prozent schon verkauft. Die ersten Käufer holen ihre Ware ab. Für viele der Karossen ist es das erste Mal seit 20 Jahren, dass sie überhaupt bewegt werden. Je nach Alter oder Zustand werden die neuen Eigentümer Schwierigkeiten haben, die Autos in Gang zu setzen. Bei einem Trabi reichte es tatsächlich, den Tank aufzufüllen und die Bremsklötze zu lockern. Andere Objekte werden wohl erst nach aufwändiger Restauration wieder fahrbereit sein.

Etwa der Jaguar E-Type V12 Serie III. Der einst edle Sportwagen bietet einen traurigen Anblick: Aufgebockt steht er da, der weinrote Lack erblasst unter einer Staubpatina. "Da hat sich leider schon mal wer dran versucht", sagt Frank Groß. Die begonnene Restaurierung des 70er-Jahre-Statussymbols erwies sich als Verschlimmbesserung. Für den neuen Käufer bedeutet das: wieder ganz von vorne anfangen. Das Anfangsgebot für den Zwölfzylinder liegt bei 10 500 Euro. Und keiner kann genau sagen, was für Kosten bei der Aufarbeitung dazukommen.

Doch wer im BTZ auf einen der Oldtimer bietet, weiß zumeist, was er da tut. Die Bieter kommen fast alle aus der Innung oder zumindest aus der Branche. Aber es darf auch der ambitionierte Laie mitbieten. Jedoch: Fahrzeugscheine und Vollständigkeit der Einzelteile bei den angebotenen Fahrzeugen haben genau so Seltenheitswert wie einige der Autos selbst. Gewähr und Garantie gibt es gar nicht.

Nicht alle Fahrzeuge werden verkauft. Einige Schmuckstücke werden in der Halle verbleiben. Einer der schon restaurierten Framo zum Beispiel, oder jener pinkfarbene Trabi-Kübelwagen, den nicht nur die Unterschriften einiger Honoratoren des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes zieren, sondern auch die von Udo Lindenberg oder Michael Schumacher.

Der Erlös der Versteigerung kommt dem BTZ zugute und soll in die Fortführung der Ausbildung im Hause gesteckt werden sagt Uwe Rokosch, der Leiter des BTZ.

Die Liste der zur Versteigerung angebotenen Fahrzeuge findet man unter www.btz-moeckern.de/fahrzeugverkauf/

   

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